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Bitkom zu Cyber-Angriffen Jedes zweite Unternehmen betroffen

Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl - für viele Unternehmen in Deutschland ist das längst Alltag. Zu dem Ergebnis kommt die Bitkom in einer Unternehmensbefragung.

Von: Nadine Bader

Stand: 22.07.2017

Großer Hackerangriff | Bild: picture-alliance/dpa

Schad-Software wie "WannaCry" und "Petya"  haben erst kürzlich gezeigt, wie verwundbar viele Unternehmen sind. Die IT-Experten von "genua" in Kirchheim bei München haben sich darauf spezialisiert, Unternehmen gegen solche Cyber-Angriffe zu rüsten.

Mensch als "primäres Einfallstor"

Laut Geschäftsführer Bernhard Schneck ist neben unsicherer Technik vor allem der Mensch das "primäre Einfallstor".

"Sowohl der Mensch, der am PC sitzt, kann Fehler machen, als auch der Mensch, der die Firewall betreibt und betreut, auch der kann Fehler machen."

Bernhard Schneck, Geschäftsführer genua GmbH

Mehr als die Hälfte der Unternehmen betroffen

In einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Bitkom gab mehr als die Hälfte der Firmen an, in den vergangenen zwei Jahren von Cyber-Attacken betroffen gewesen zu sein. 26 Prozent vermutlich betroffen. Dadurch entstand ein Schaden von rund 55 Milliarden Euro pro Jahr - acht Prozent mehr als vor zwei Jahren. Als Grund für den Anstieg nennt Bitkom-Präsident Berg, dass sich viele Unternehmen noch nicht adäquat von IT-Experten beraten lassen würden.

"Und was fast schon verwerflich ist: Die Unternehmen schulen ihre Mitarbeiter nicht ausreichend. Das ist, glaube ich, das größte Problem. Denn eine bessere Schulung würde auch eine höhere Sicherheit bringen. Dazu müsste man den Unternehmen also dringend raten."

Achim Berg, Bitkom-Präsident

Sorge vor Imageschäden

Die Cyberkriminellen haben es vor allem auf Kommunikationsdaten wie E-Mails, Finanz- und Kundendaten abgesehen. Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, bemängelt, dass nur knapp ein Drittel der betroffenen Unternehmen die Cyber-Angriffe meldet.

Für die Sicherheitsbehörden sei das aber unabdingbar, um Abwehrstrategien zu entwickeln. Als Gründe nennen die Unternehmen vor allem die Sorge vor Imageschäden durch eine mögliche Veröffentlichung und die Angst vor negativen Konsequenzen. Aber auch, dass die Täter ohnehin nicht erwischt und die staatlichen Stellen sich damit nicht auskennen würden.

"Wir plädieren dafür, dass sich Betroffene immer an die Behörden wenden. Nur so können sie ein realistisches Lagebild erstellen, neue Angriffswege rechtzeitig erkennen und andere Unternehmen rechtzeitig warnen und schützen."

Achim Berg, Bitkom-Präsident

Woher kommen die Täter?

Viele der Cyber-Angriffe kommen aus Deutschland. Häufig führt die Spur aber auch nach Osteuropa, China und Russland. Die meisten Täter sind aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter. Zum Täterkreis gehört oftmals auch das unternehmerische Umfeld, darunter Wettbewerber, Kunden oder Dienstleister. Ein kleinerer Teil der Cyber-Angriffe kommt von Hobby-Hackern, gefolgt von organisierter Kriminalität und ausländischen Nachrichtendiensten. Grundlage der Angaben ist eine Befragung von mehr als 1.000 Unternehmen.


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