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Bitcoins im Praxistest Mit Kryptogeld kann man sogar Salat kaufen

Der Bitcoin ist schick. Es lassen sich damit gewaltige Spekulationsgewinne erzielen. Und man kann damit sogar bei EDEKA einkaufen. Trotzdem: Ein Ersatz für richtiges Geld ist die Cyberwährung noch lange nicht.

Von: Achim Killer

Stand: 30.08.2017

Gibt es selten als Münze: der Bitcoin. | Bild: picture-alliance/dpa

Wer Lösegeld für von Cyberkriminellen verschlüsselte Dateien bezahlen muss, der kommt um Bitcoins nicht herum. Und Einkäufe, für die das Kryptogeld unabdingbar ist, listet die Internet-Enzyklopädie Wikipedia auf: „Waffen, Pornografie, illegale Drogen und Auftragsmorde über Darknet-Märkte“.

Einer akzeptiert Kryptogeld

Schließlich gibt es sogar einen EDEKA-Markt im schleswig-holsteinischen Reinbek, in dem man in Bitcoin Lebensmittel bezahlen kann. Für Kryptogeld-Besitzer toll ist, dass es sich dabei um einen Internet-Shop handelt, der überallhin liefert. Dumm wiederum, dass es der einzige ist.

Spekulationsgewinnler und Bonvivants

Inhaber Dennis Bleise hält selbst Kryptogeld, ist begeistert davon und hat deshalb vor anderthalb Jahren, die High-Tech-Bezahlmöglichkeit geschaffen. Über 6 Prozent seines Umsatzes tätigt er mittlerweile in Bitcoin. „Bitcoin-Zahler kaufen meist besonders groß ein“, sagt er. Das liege daran, dass es sich darunter nicht lohne, weil es schon komplizierter sei, als mit Paypal, Kredit- oder EC-Karte zu zahlen. Außerdem, so hat er sich überlegt, haben Bitcoin-Besitzer viel Geld wegen der Spekulationsgewinne in jüngster Zeit. Und der nicht vorhersehbare Reichtum werde jetzt eben in gutes Essen und Trinken investiert.

Nerd und Krämer

Allerdings ist Dennis Bleise ein Nerd, dessen privates Interesse wohl eher nebenbei einen geschäftlichen Nutzen erbrachte. Ansonsten befindet sich unter dem, was man für Bitcoins bekommt, wenig Alltägliches, statt dessen etwa die Druckerzeugnisse des Verlages Voodo Press, Spendenquittungen von Wikipedia und Bund für Umwelt und Naturschutz sowie seelsorgerische Dienste der freien Scientologen.

Die wundersame Vermehrung der Geldmenge

Anfang August ist Bitcoin in zwei separate Währungen aufgespalten worden, Bitcoin und Bitcoin Cash. Die befürchteten Kurs-Einbrüche blieben zur Erleichterung der Bitcoin-Besitzer aus. Dass Derartiges – quasi eine Verdopplung der Geldmenge – ohne Turbulenzen ablief, zeigt allerdings auch, dass der Bitcoin noch weit davon entfernt ist, richtiges Geld zu sein.

Der Hype um die Blockchain

Allerdings ist die Technik hinter Bitcoin von der IT-Branche begeistert aufgenommen worden. Mit der Blockchain, dem Buchungssystem des Kryptogeldes, sollen künftig auch Grundbücher geführt, Lebensmittel überwacht und Vertragsabschlüsse dokumentiert werden.

Ohne Bitcoin keine Kryptotrojaner

Eine digitale Plage wiederum ist durch Bitcoin erst möglich geworden: die Erpressungstrojaner. Die Cyberkriminellen dahinter können für die Lösegeldzahlungen weder Kreditkarte, noch Bargeld akzeptieren. Sie sind für ihr schmutziges Geschäft auf höchstmögliche Anonymität angewiesen. Und die bietet Bitcoin.

  • Achim Killer | Bild: BR Achim Killer

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