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Daxenberger-Preis für die Biohennen AG Wenn schon Huhn, dann hier

Massentierhaltung, Seuchen, Salmonellen: Die Eierproduktion - das zeigen die Schlagzeilen der vergangenen Wochen - ist oft ein unappetitliches Geschäft. Dass es auch anders geht, beweist die Biohennen AG - jetzt preisgekrönt.

Stand: 29.06.2015

Der Gesetzgeber hatte gesprochen: Seit 2010 ist der Verkauf von Eiern aus Käfighaltung in Deutschland verboten. Ein Sieg für den Tierschutz - auf dem Papier, wie sich heute zeigt. Denn mehr Platz als auf einem DIN A4-Blatt bleibt den meisten Hühnern in Deutschland noch immer nicht. Die weiterhin erlaubten Kleingruppenkäfige unterscheiden sich nur graduell von den verbotenen Exemplaren, und auch in der Bodenhaltung, in der sechs von zehn deutschen Hühnern ihr maximal 15-monatiges Leben verbringen, soll ein Quadratmeter Hallenboden für neun Tiere genug sein. Das Tageslicht kennen die wenigsten.

Fälle wie jener des niederbayerischen Pohlmann-Konzerns ("Bayern-Ei"), dessen für den Export produzierte Käfigeier laut Recherchen von BR und SZ in fünf Nachbarländern Salmonellen-Erkrankungen auslösten - und offenbar trotz Verbot auch in bayerischen Supermärkten verkauft werden - sind hoffentlich die Ausnahme. Artgerechte Haltung aber ist es auch. Nur 15 Prozent der Hühner leben in Freilandhaltung, acht Prozent nach Bio-Vorschriften, die immer noch sechs Hennen pro Quadratmeter zulassen. Noch etwas mehr Platz haben die Hühner, die auf den Höfen der Biohennen AG herumpicken - jetzt auch preisprämiert.

Sepp Daxenberger Preis 2015


Zur Erinnerung an die Person und Wirken des Grünen-Politikers Sepp Daxenberger verleihen die bayerischen Grünen ihren Preis seit 2011 zweijährlich an eine Person oder Organisation, die nach der Devise "Verändern, um zu bewahren" handelt.

Wintergarten statt Lagerkoller

Diesen Hühner geht es gut: Pro Betrieb gibt es nur zwei abgetrennte Herden mit je höchstens 3.000 Hennen, die Ställe haben Tageslicht, Freilaufgehege mit Sandbadeplätzen und sogar "Wintergärten" für die kalte Jahreszeit. Ebenso erfreulich: Auch den Bauern geht es gut.

Vor knapp 20 Jahren hatten sich gerade mal fünf Biobauern zu einer Legegemeinschaft zusammengeschlossen. Inzwischen sind es 34 Höfe mit 120.000 Hühnern. Existenzängste - auch darauf weist die Jury in ihrer Begründung hin - müssen die Bauern nicht haben.

"Die kleinen und mittelständischen Familienbetriebe haben durch die Bio-Legehennenhaltung ein gutes wirtschaftliches Auskommen, da auf faire Erzeugerpreise geachtet wird. Das sichert den Erhalt einer traditionellen Landwirtschaft und lässt die Wertschöpfung in der Region."

Aus der Laudatio

Kampf dem Kükenschreddern

"hahn - henne - ei" heißt ein Pilotprojekt der Biohennen AG. Was dabei herauskommen soll, klingt gewöhnungsbedürftig: der "Dual-Hybrid", auch "Zweinutzungshuhn" genannt.

Ein Junge? Pech gehabt.

Die bisherige Praxis klingt allerdings weit übler: Wer das Pech hat, als männliches Küken geboren zu werden, wird auf den Fließbändern der herkömmlichen Eierindustrie gleich nach der Geburt aussortiert und landet im Schredder. Allein in Deutschland werden jährlich 40 Millionen Küken getötet und zu Tierfutter verarbeitet, weil sie keine Eier legen können und als Masthähnchen nicht profitabel sind. 

Dual-Hybride legen zwar weniger Eier als die reine Legehühner, die Hähne setzen dafür aber genügend Fleisch an, um als Masthähnchen verkauft und also wirtschaftlich aufgezogen zu werden. Bisher gibt es entsprechende Züchtungen nur bei wenigen Zuchtkonzernen, was zu einer Abhängigkeit der Biobauern führen könnte. Biohennen AG-Mitglied Sigi Rettermayer experimentiert Anfang des Jahres mit einer kleinen Herde Hühnchen und Hähnchen der Zweinutzungsrasse "Le Bleues" aus einer kleinen niederbayerischen Brüterei. Die ersten Ergebnisse sind Erfolg versprechend.


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Wucherer Dieter, Montag, 29.Juni, 23:58 Uhr

4. Sepp-Daxenberger-Preis

Da sage ich: "Das gefällt mir".
Vielleicht finden sich noch mehr Höfe zusammen.

Barbara, Montag, 29.Juni, 15:44 Uhr

3. Wilhelm Busch schrieb bereits über den biologischen Hühnerhof!

Zitat:
"Ihre Hühner waren drei,
und auch ein stolzer Hahn dabei!

QF, Montag, 29.Juni, 15:00 Uhr

2. Lieber BR-

... wo -bzw unter welchem Handels-Namen- kann man diese Eier nun kaufen?
Ich warte schon lange auf eine solche Gelegenheit, aber jedesmal wegen 10 Eier mit dem Auto 25km zum Hofladen fahren ist auch nicht ökologisch sinnvoll. Gerne gäbe ich dafür ein paar Euro mehr aus.
Ich kaufe bisher "normale" Bio-Eier, wohl wissend, dass auch dafür die männlichen Küken geschreddert werden....

  • Antwort von as, Montag, 29.Juni, 16:31 Uhr

    Ja, bitte mehr INFOS.......

  • Antwort von GerdaB, Montag, 29.Juni, 20:16 Uhr

    Die Karte mit den Biohennen-Bauernhöfen finden Sie unter dem Hennen-Bild.
    Leider gibt es im Münchner Raum aber nur einen Bauernhof, der diese Hühner und Eier verkauft, und der liegt am Irschenberg.Warum kümmert sich nicht mal der Bauernverband um die entsprechenden Angebote für interessierte Kunden? Wir alle würden für Qualität in Bezug auf Eier und Hühnerfleisch, das man ohne schlechtes Gewissen essen kann, gern mehr ausgeben nach dem Motto "Klasse statt Masse"!

Etiana, Montag, 29.Juni, 13:55 Uhr

1. Bindestrich

Es heißt korrekt: Sepp-Daxenberger-Preis

Auch wenn die Grünen den Bindestrich weglassen, wird es nicht richtiger.