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Streit um Wiege des Reinheitsgebots Da braut sich was zusammen

500 Jahre Reinheitsgebot gehören gefeiert. Oder doch nicht? Erst einmal wird zünftig gestritten. Weil die Wiege der strengen Bier-Regeln nicht in Altbayern steht, wie das Jubiläum suggerieren will, sondern in Oberfranken. Das zumindest behauptet der bayerische Ex-SPD-Chef Hoderlein - ein Franke. Wird die Geschichte bewusst verfälscht?

Von: Veronika Beer

Stand: 30.01.2016

 Ein Maߟkrug Bier steht am 24.10.2015 in einem Biergarten bei Stegen am Ammersee (Bayern) im Sonnenschein. | Bild: picture-alliance/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Die Franken schäumen ob der Ungerechtigkeit: Denn, so glauben sie: Bereits 27 Jahre vor dem Erlass des Reinheitsgebots von Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt hat der Fürstbischof Heinrich III. für Bamberg und das Umland ein Reinheitsgebot erlassen. Darin heißt es, dass im Bier "nicht mere denn Malz, Hopfen und Wasser verwendet" werden dürfe. Das berichtet Hoderlein, der Vorsitzender des Fränkischen Bundes ist. Der Erlass stamme vom 12. Oktober 1489.

"Die Staatsregierung pflegt hier ein Klischee, das gar nicht von der historischen Faktenlage gedeckt ist."

Wolfgang Hoderlein, der Vorsitzende des Fränkischen Bundes

Örtlich begrenzte Regeln - oder nicht?

Klaus Rupprecht, Archivar des Bamberger Staatsarchivs, hat das Dokument vor zwei Jahren entdeckt. Für ganz Oberfranken gilt der Fund als Sensation. Ein historisches Dokument stärkt nun den fränkischen Stolz.

Der Bayerische Brauerbund räumte bereits ein, dass es neben dem bayerischen Reinheitsgebot früher örtlich begrenzte Vorschriften zum Brauen gab: 1156 für Augsburg, 1293 für Nürnberg, 1363 für München, 1447 für Regensburg. Auf das Deutsche Reich wurde das Reinheitsgebot im Jahr 1906 ausgedehnt.

Hoderlein sieht das anders: Es habe sich dabei keineswegs wie andernorts nur um ein lokales Reinheitsgebot handelt. Das Fürstbistum Bamberg umfasste damals weite Teile des heutigen Unter-, Mittel- und Oberfrankens.

Bier-Mekka Oberfranken

In Oberfranken stehen so viele Brauereien wie nirgendwo sonst auf der Welt. Und nirgendwo sonst gibt es so viele verschiedene Biersorten.

Er beruft sich dabei auf eine 2014 im Bamberger Staatsarchiv aufgetauchte, von Fürstbischof Heinrich III. erlassene "Ungeldverordnung". Bei der Verordnung sei es dem Bischof wohl weniger um die Reinheit des Bieres als um den Schutz des Weizens als Brotgetreide und um sichere Einnahmen aus der neuen Biersteuer gegangen, mutmaßt der Vorsitzende des Fränkischen Bundes. Der Verein setzt sich seit 25 Jahren für fränkische Interessen im Freistaat Bayern ein.

"Die fränkischen Brauer und die fränkische Region brauchen keine Riesen-PR aus München. Wie man Bier braut und Bier rein hält, wissen sie - und zwar schon viel länger."

Wolfgang Hoderlein

Zahl der Brauereien im Bund und in Bayern

Bewusste Verfälschung der Bier-Geschichte?

Gefeiert wird so oder so. Mit einer großen Bavaria auf den Werbeplakaten des Hauses der Bayerischen Geschichte, dem Veranstalter der Festlichkeiten. Zentrum des Jubiläums ist Aldersbach bei Passau, also Altbayern. Wollen die Veranstalter die Bier-Geschichte absichtlich verfälschen?

"Das hängt einfach mit der Entwicklung des Münchner Bieres zusammen. Der Neid muss den Münchner Brauern einfach lassen, dass sie es perfekt vermarktet haben - mit modernsten Techniken und frühen Logos ab 1860. Deshalb sind die anderen bayerischen Regionen hinter München zurückgetreten."

Richard Loibl vom Haus der Bayerischen Geschichte

"Ich gehöre nicht zu denen, die an jeder Straßenecke fränkische Benachteiligung wittern. Aber in diesem besonderen Fall muss ich schon sagen: Es verwundert, dass das Jubiläum des bayerischen Biers nicht da gefeiert wird, wo das Gesetz erlassen wurde oder wo es die meisten der 600 bayerischen Brauereien gibt."

Günter Dippold, Heimatpfleger von Oberfranken

Übrigens sollten sich die Bayern besser schnell wieder zusammenraufen. Denn es droht Gefahr von außen: Schon vor dem fränkischen und dem bayerischen gab es ein anderes Reinheitsgebot - in Thüringen.


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bayerischer ureinwohner, Dienstag, 02.Februar, 11:08 Uhr

7. reinheitsgebot

bin zwar südlich der donau beheimatet, aber muss den franken beistehen: ist doch immmer dasselbe - ob reinheitsgebot oder diverse kunstwerke - wenn die oberbayern erstmal was haben, dann geben sie es freiwillig nicht mehr her

GAMBRINUS, Samstag, 30.Januar, 21:39 Uhr

6. Oans, zwoa.....

Liebe Franken und Altbayern, Eure Sorgen möchte ich haben......
Freut Euch doch einfach darüber, dass es bei Euch erstklassiges Bier zu trinken gibt und tut was dafür, dass möglichst viele kleine Brauerein überleben werden.

Old Surehand, Samstag, 30.Januar, 18:47 Uhr

5. Das bessere Bier

Das bessere Bier gibt es in Franken, die bessere Werbung machen die Altbayern - damit kann ich gut leben...

  • Antwort von Hintermoser, Sepp, Sonntag, 31.Januar, 06:31 Uhr

    Das bayrische Bier ist ja national und International gesehen nicht besonders hochwertig. Egal wo es herkommt. Das Reinheitsgebot war wohl angesagt, da es in manchen Gegenden besonders dreckig uns schmuddelig war. Auch wollte man es den Panschern erschweren. Das Reinheitsgebot hatte eine Vorgeschichte die nicht für die Brauer spricht.

pedrico, Samstag, 30.Januar, 17:59 Uhr

4. Reinheitsgebot

Formell gilt es noch, aber real?
Allein vom Haltbarkeitsdatum nicht glaubhaft. Wenn man sieht, was in Getränkemärkten alles als BIER angeboten wird,
Kommen echte Zweifel auf..........Man kann ja teilweise nicht eimal mehr feststellen, woher das " Bier" kommt:
" Abgefüllt für XYZ in ABC" mehr erfährt man nicht.
Drum: an die Regionalbrauereien halten, Wie heißt's so schön : Dem Bräu deines Vertrauens und nicht der Werbung trauen!
Dann...........Prost !?!?!?

Beppo, Samstag, 30.Januar, 13:56 Uhr

3. Wie oft denn noch?

Es ist doch schon lange bekannt dass es Reinheitsgebote gibt die älter sind als das Ingolstädter. Entscheidend ist, dass die Ingolstädter Variante das älteste Lebensmittelgesetz ist, das immer noch in Kraft ist!