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Bienensterben Wie wirken Insektizide auf das Gehirn von Bienen?

Neonicotionide gehören zu den meist verkauften Insektiziden weltweit und stehen im Verdacht, für das Bienensterben mitverantwortlich zu sein. In der EU wird gerade darüber diskutiert, die Nutzung der Stoffe stark einzuschränken.

Von: Eva Huber

Stand: 17.07.2017

Der Neurobiologe Randolf Menzel erforscht in Berlin, wie sich Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide auf das Gehirn der Bienen auswirken: Er will herausfinden, was sich "wirklich an Dramatik in unserer Landwirtschaft abspielt."

Bienen mit Alzheimer

Im Labortest untersucht Menzel das Gedächtnis der Bienen. Er füttert zum Beispiel die Hälfte seiner Tiere mit einer nicht tödlichen Dosis des Neonicotinoids Thiacloprid und beobachtet dann, wie gut sie sich an vorher erlernte Düfte erinnern. Die Bienen, die Neonicotinoide aufgenommen haben, erinnern sich sehr viel schlechter als die Bienen aus der Kontrollgruppe.

Randolf Menzel, Bienenforscher

"Die behandelte Biene ist jetzt sozusagen eine Alzheimerbiene, sie kann sich nicht mehr gut erinnern. Sie nimmt nicht mehr am sozialen Kontakt teil. Sie kann nicht von anderen Bienen lernen, im Tanz, wo es was Gutes zu holen gibt. Sie kann auch nicht mehr gut navigieren. Sie ist in ihren gesamten kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt. So wie das bei Alzheimerpatienten auch auftritt."

Prof. Randolf Menzel, Bienenforscher

Insektizide schaden den Bienen

Für Bienen sollen laut einer Studie einige der Neonicotinoide zwischen 5.000 und 10.000 mal so giftig sein wie das Supergift DDT. Die Stoffe werden nicht nur gespritzt, bereits das Saatgut kann mit den Stoffen ummantelt werden. Die Neonicotinoide sind sehr gut wasserlöslich und verteilen sich deshalb beim Wachstum in der ganzen Pflanze. Wenn Insekten an der Pflanze saugen oder nagen, nehmen sie das Gift auf und sterben. Die Neonics gelangen aber auch in die Pollen, wodurch Bienen mit ihnen in Kontakt kommen können.

Bewertung der Insektizide durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit

Deshalb hat die EU schon 2013 die Nutzung von drei besonders bienengefährlichen Neonicotinoiden - nämlich Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam - eingeschränkt und gleichzeitig die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beauftragt, diese Neonicotinoide neu zu bewerten. Diese Bewertung sei nun da, sagt Steffen Schulz, Pressesprecher der EU-Kommission:

"Die Bewertung der EFSA legt nahe, dass eine Nutzung im Freien nicht unbedenklich ist. Entsprechend wird es einen Vorschlag der EU Kommission geben. Der Entscheidungsprozess ist noch im vollen Gange. Eine Entscheidung kommt voraussichtlich im Herbst."

Steffen Schulz, Pressesprecher der EU-Kommission

Einen offiziellen Vorschlag der EU-Kommission, wie stark sie die Nutzung der drei Insektzide einschränken will, gibt es noch nicht.


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