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Berlinale-Gewinner Lampedusa-Drama gewinnt Goldenen Bären

"Fuocoammare" von Gianfranco Rosi hat den Hauptpreis der diesjährigen Berlinale gewonnen. Der einzige deutsche Beitrag, das Abtreibungsdrama "24 Stunden", ging dagegen leer aus.

Stand: 20.02.2016

Abschluss und Preisverleihung: Preisträger Gianfranco Rosi / Goldener Bär für den besten Film für "Fuocoammare". | Bild: dpa-Bildfunk/Michael Kappeler

An diesem Film gab es kein Vorbeikommen – an Gianfranco Rosis dokumentarischem Fresko "Fuocoammare" über die italienische Flüchtlingsinsel Lampedusa. Rosi erzählt parallel von Samuele, einem gewieften, zwölfjährigen Fischerjungen, und von der Eskalation des Grauens, das durch die mörderischen Fahrten afrikanischer Flüchtlinge auf seeuntauglichen Booten über das Mittelmeer entsteht.

Gespaltene Meinung des Publikums

Rosi erhält für seine Doku den Goldenen Bären

Diese hermetischen Erzählstränge prallen aufeinander – zwei kontrastierende Welten, die nur durch den Schnitt und das Interesse des Regisseurs in Kontakt kommen. Manche Zuschauer berührte das tief, andere beklagten sich, dass die Flüchtlinge in ihrem Überlebenskampf anonym blieben.

Deutscher Beitrag geht leer aus

So oder so – "Fuocoammare" ist ein Film am Puls der Zeit, und stellt die drängende Frage, was Normalität noch bedeutet im Angesicht von Not und Elend. Auch mussten sich die filmisch eindrücklicheren Werke diesmal mit den Nebenpreisen begnügen – etwa Danis Tanovics politisch wacher Bilderbogen "Tod in Sarajewo", der den Großen Preis der Jury gewann, und das beeindruckende Frauenporträt "L’Avenir" der Französin Mia-Hansen Love, die für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Der Philippine Lav Diaz gewann für sein achtstündiges Historienepos "A Lullaby of the Sorrowful Mystery" den Alfred-Bauer-Preis, der deutsche Wettbewerbsbeitrag "24 Wochen" ging leer aus.

Die wichtigsten Preise im Überblick:

GOLDENER BÄR:"Fuocoammare" (übersetzt: Feuer auf See) von Gianfranco Rosi (Italien)
SILBERNER BÄR, GROSSER PREIS DER JURY: "Smrt u Sarajevu/Mort à Sarajevo" (übersetzt: Tod in Sarajevo) von Danis Tanovic (Bosnien und Herzegowina)
SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE REGIE: Mia Hansen-Løve (Frankreich) für "L’avenir" (übersetzt: Die Zukunft)
SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE DARSTELLERIN:Trine Dyrholm in "Die Kommune" (Originaltitel "Kollektivet") von Thomas Vinterberg (Dänemark)
SILBERNER BÄR FÜR DEN BESTEN DARSTELLER: Majd Mastoura in "Inhebbek Hedi" (engl. Titel "Hedi") von Mohamed Ben Attia (Tunesien)
SILBERNER BÄR FÜR HERAUSRAGENDE KÜNSTLERISCHE LEISTUNG: Kameramann Mark Lee Ping-Bing in "Chang Jiang Tu" (engl. Titel "Crosscurrent") von Yang Chao (China)
SILBERNER BÄR FÜR DAS BESTE DREHBUCH:Tomasz Wasilewski (Polen) für "Zjednoczone Stany Miłosci" (übersetzt: Vereinigte Staaten der Liebe)


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