60

Bergsturz in der Schweiz Suche nach Vermissten eingestellt

Die Suche nach den acht vermissten Wanderern im Bergsturzgebiet von Bondo wird vorerst nicht wieder aufgenommen. Im betroffenen Gebiet ist mit weiteren Felsabbrüchen zu rechnen. Solche Gefahren würden sich künftig häufen, warnt der Klimaforscher Mojib Latif.

Von: Dietrich Karl Mäurer

Stand: 26.08.2017

Ein Helikopter bei der Suche nach den acht Vermissten nach dem Felssturz von Bondo | Bild: Reuters/Arnd Wiegmann

"Man hat jetzt entschieden, dass die Suche nach den Vermissten aufgegeben wird", sagte Polizeisprecherin Sandra Scianguetta von der Kantonspolizei Graubünden. Die Entscheidung dürfte nicht leicht gefallen sein. Doch die Einsatzkräfte im Unglücksgebiet am Piz Cengalo schätzen die Gefahr für die Suchmannschaften als zu groß ein. Weiterhin ist mit Felsabbrüchen und Murgängen, also Schlamm- und Gesteinslawinen, zu rechnen.

Acht Wanderer werden seit dem gewaltigen Bergsturz vermisst. Vier von Ihnen stammen aus Baden-Württemberg, zwei aus Österreich und zwei aus der Schweiz. Nach Ihnen wurde aus der Luft mit Hubschraubern und auch am Boden mit Hundestaffeln gesucht. Gestern kam es erneut zu einem Murgang. Er streifte das Dorf Bondo, beschädigte Häuser und überflutete ein Firmengelände. Die Rettungs- und Aufräumarbeiten waren daraufhin vorerst gestoppt worden. Glücklicherweise gab es keine Verletzten.

Klimawandel hat Folgen

Experten diskutieren derweil über Ursachen und Häufigkeit solcher Felsstürze. Die Gefahr von Felsabbrüchen und Murgängen besteht nicht nur im Südosten der Schweiz, sondern generell in den Alpen. Als Grund dafür nennt man dieser Tage immer wieder den Klimawandel. So auch die Schweizer Bundespräsidentin und Umweltministerin Doris Leuthard. Bei einem Besuch in der Unglücksregion sagte sie:

"Es wird weitergehen mit solchen Zwischenfällen. Wir wissen - und das ist ja nicht das erste Mal, dass ich das sage - Permafrost, Murgänge, Klimawandel: Es ist halt eine Realität, auch wenn einige das immer noch nicht glauben."

Schweizer Bundespräsidentin und Umweltministerin Doris Leuthard

Gerade in der Bergwelt der Alpen spürt man den Klimawandel. Steigende Temperaturen und längere Hitzeperioden sogen für ein Auftauen des Permafrostes und für ein Abschmelzen der Gletscher. Bestimmte Felsmassive verlieren dadurch ihren Halt, sagen Experten. Tau- und Schmelzwasser dringt in Felsspalten ein und erzeugt im Winter in gefrorenem Zustand einen enorm großen Druck auf das Gestein. Die Folge: Gewaltige Bergstürze, wie jetzt am Mittwoch, nehmen zu - ebenso harmlosere, aber dennoch gefährliche Steinschläge, erklärt der Kieler Klimaforscher Mojib Latif.

"Ja man wird sich - leider, muss ich sagen - mehr an solche Gefahren gewöhnen müssen."

Klimaforscher Mojib Latif

Wohngebiete in Gefahr

Experten befürchten: Die Folgen solcher Bergstürze wird man nicht nur in kaum besiedelten Höhenlagen spüren, sondern auch in stärker bewohnten Gebieten. Mit aufwändigen, teuren Maßnahmen kann versucht werden, die dort wohnenden Menschen zu schützen. Bereits jetzt hat man zum Beispiel in der Schweiz entsprechende Vorkehrungen getroffen. Dass die Anlagen helfen, Schlimmeres zu verhindern, hat sich jetzt im Dorf Bondo in Graubünden gezeigt, sagt Klimaforscher Mojib Latif:

"Man hat Vorsorge getroffen. Man hat beispielsweise Wände gebaut, Auffangbecken, man hat ein Frühwarnsystem installiert und auch die Flussbetten noch verbreitert, und deswegen waren die Folgen eben jetzt im Ort selbst vergleichsweise gering und wir müssen jetzt die anderen Regionen identifizieren, die man noch nicht identifiziert hat, die jetzt eben zunehmend gefährdet sind in Folge der Erderwärmung."

Klimaforscher Mojib Latif

Nur ein Faktor von vielen

Die Steinschläge und Bergstürze nur auf den Klimawandel zurückzuführen, sei allerdings der falsche Schluss, sagt der Geologe Florian Amann von der Technischen Hochschule Zürich ETH:

"Das ist ein natürliches Phänomen, das seit ewig auftritt, und zwar an Orten, wo es übersteilte Felsböschungen gibt, wo auch Faktoren wie zum Beispiel Felsklüfte dazu beitragen, dass der Hang über die Dauer und über rein gravitative Prozesse zum Versagen kommt."

Geologe Florian Amann

Fest steht: Der Bergsturz vom Mittwoch hat die Diskussion über die Ursachen und die Häufigkeit solcher Vorfälle sowie über den Schutz vor den Folgen angestoßen.


60

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Pavicsits Wilhelm, Sonntag, 27.August, 12:10 Uhr

15. Klimawandel - Bergstürze

Gibt es eine Untersuchung wie sich die omnipräsenten "Brenngläser - genauer gesagt 'Brennspiegel' - am Himmel" auf die Stabilität der Berge auswirken?

selbsternannte expertin, Samstag, 26.August, 14:27 Uhr

14. wenn es sonst nichts zu kommentieren gibt...

... dann halt einen Felssturz? kommt all den Gelangweilten hier gerade recht?

Es ist erschreckend, hier reinzuschauen:
erst bietet BR 24 KEINERLEI Fakten, sondern nur Mutmaßungen zum Thema an (Recherche war wohl zu aufwändig, da ist ja der schweizerische "Blick" besser mit Informationen.
dann zu diesem dünnen Beitrag die Kommentarfunktion! musste das sein?
was ist da anderes zu erwarten, als das, was hier herauskommt. ebenfalls dünne Meinungen, egal von welchen "Experten" auch immer.

da ist ein riesen Unglück geschehen und hier nur das übliche Gezeter.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 26.August, 14:49 Uhr

    Sehr geehrte Expertin, das Wort "aufwenden" wird sowohl nach der alten als auch nach der "reformierten" Rechtschreibung mit "e" geschrieben, weil es zum Substantiv "Aufwendung" gehört. Dagegen ist die Wand oder der Aufwand ein anderes Substantiv, von dem jedoch nicht das Adjektiv "aufwendig" abgeleitet wird. Das Adjektiv "aufwendig" wird von dem Hauptwort "Aufwendung" abgeleitet. Darum schreibt man es mit "e". Wieder ein Beispiel, wie sinnlos die über 500 Mio Euro für die "Reform" der Rechtschreibung hinausgeworfen wurden. Volksverdummung par excellence!

  • Antwort von selbsternannte barbara, Samstag, 26.August, 15:13 Uhr

    @ Barbara, die unverkennbare:

    jetzt auch noch SIE! HILFE! WO BIN ICH HIER. ich fass es nicht. bitte lesen Sie mal das Thema.
    Ihre selbsternannten Belehrungen sind auch sonst nicht sehr erbaulich, aber das grenzt an Groteske. haben Sie sonst keine Probleme?
    in welcher Welt leben Sie eigentlich. ich will es gar nicht wissen.

  • Antwort von Rosl, Samstag, 26.August, 15:21 Uhr

    Barbara, nach der neuesten "Reform" sind beide Schreibweisen gültig: aufwendig und aufwändig; man kann sich das Hauptwort, von dem abgeleitet wird, quasi selbst aussuchen (Aufwand oder Aufwendung). Das ist ja einer der Schwachsinnspunkte!
    Übrigens gibt es keinerlei Zwang, die neue Schreibung anzuwenden, es gibt kein Gesetz o.ä. für private Rechtschreibung. Nur die Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind per Erlaß verpflichtet, im Dienst (!) der neuen Rechtschreibung zu huldigen und den Kotau vor diesem unausgegorenen Unfug zu machen.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 26.August, 15:48 Uhr

    Rosi, wenn Sie meinen, daß beide Schreibarten "gültig" seien, dann ist das Unsinn, denn das Adjektiv wird immer vom dazugehörigen Substantiv abgeleitet und das ist logischerweise die Aufwendung und nicht die Wand! Das gäbe ja keinen Sinn! Eine "Reform", die nichts besser macht, sondern nur Unsinn verzapft, ist keine "Reform". Schließlich hat diese ganze Volksverdummung mindestens 500 Mio € gekostet.
    zur "selbsternannten userin": Es gibt keine "selbsternannten Belehrungen". Was reden Sie für ein Deutsch?

  • Antwort von IH, Samstag, 26.August, 16:10 Uhr

    ... sagt die, die unter einem anderen Beitrag von "Talent einpacken" sprach :) Zuviel am Weihwasser genascht, hm?

  • Antwort von Rosl, Samstag, 26.August, 16:36 Uhr

    Barbara, Sie haben ja recht, aber laut Duden sind beide Schreibungen gültig. Das ist so, als ob ein Mensch zwei Mütter hätte. Wenn alles gilt, ist eben alles gleichgültig. Jeder schreibt deshalb, wie er meint, und in der Schule lernt man heute sowieso nichts mehr.
    Die "Reform" ist in kleineren Teilen nicht schlecht, aber im Großen und Ganzen undurchdacht. Die neuen Schreibungen entsprechen teilweise den alten wie noch bei Schiller, insbesondere bei der (neuen) Getrenntschreibung; es handelt sich also in Teilen tatsächlich um eine Reform (= Rück-Formierung). Dennoch überflüssig.

Stan, Samstag, 26.August, 14:09 Uhr

13. Das Gefasel der Klima-Gurus beim Kreißen der Berge

Der "Klimawandel" ist genau so Wahltaktik der Grünen wie das "Waldsterben".
Der Planet ändert sich. Auch die Kontinente. Gondwana ist verschwunden. Heute gibt es andere Kontinente.
Das Mittelmeer wird verschwinden. Die Alpen waren früher Meeresboden. Felsstürze gehören zum panta rhei.
Das Gefasel der Klima-Gurus ist ein heiliger Schwachsinn.
Der Begriff "Klimaschutz" ist Hybris. Das Klima ändert sich, ob der Mensch das nun will oder nicht. Genau so wie die Aktivitäten der Sonne auch ohne Mitmischen der Neunmalklugen ohne Verbote auskommen.
Ozonlöcher, Methan-Kühe und Diesel-Autos sorgen zwar für Hysterie, dienen aber hauptsächlich der Aufschrei-Maschinerie der Grünen.

Goethe war den Grünen weit voraus:

"Nur scheinbar stehts Momente still
Das Ewige regt sich fort in allen
Denn alles muß in Nichts zerfallen
Wenn es im Sein beharren will"

  • Antwort von Leonia, Samstag, 26.August, 15:22 Uhr

    Aha, hier kann man einen Verschwörungstheoretiker in seinem natürlichen Habitat bewundern. Und, ist die Erde eine Scheibe?

  • Antwort von Zwiesel, Samstag, 26.August, 15:34 Uhr

    @Stan:
    War Goethe ein Grüner? "Es soll sich regen, schaffend handeln, Erst sich gestalten, dann verwandeln;" Das sind die ersten zwei Zeilen der gleichen Strophe aus dem Gedicht. Erkennen, was man verändern muss, was man falsch gestaltet hat, lernfähig sein. "Das Ewige regt sich fort in allen...". Nicht das Ewiggestrige bewahren. Die Gier, die menschliche Überheblichkeit über die Natur, den Wahnsinn ändern. Usw. Nur eine persönliche Interpretation, Goethe habe ich nicht gefragt.
    Ach ja, Schiller: "Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens."
    Dostojewski: "Die Dummheit ist unbesiegbar.“ Zusatz von einem Siegfried Hoffmann: "Doch nur solange sie nicht gespürt wird. Sobald sie beginnt wehzutun hat sie verloren." Meine Ergänzung: dann kann es für den Menschen zu spät sein.

  • Antwort von Chiemgauer, Samstag, 26.August, 15:37 Uhr

    Da muss ich Ihnen Recht geben Stan. Die Grünen müssen ja auch ständig was neues erfinden, seit der Wald nicht mehr stirbt und die Atomkraft quasi abgeschafft ist (Jetzt ist die Kohle dran.... dann die Wasserkraft). Nur solche wie die unter Ihnen gepostet hat, schnallen es ein paar Jahre später.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 26.August, 15:51 Uhr

    Chiemgauer: "schnallen es ein paar Jahre später" Was reden Sie denn für ein abscheuliches Deutsch? Das versteht kein Mensch.

  • Antwort von IH, Samstag, 26.August, 16:12 Uhr

    "Was reden Sie denn für ein furchtbares Deutsch?" ... Welch' furchtbaren Dialekt meiner geliebten Sprache sprechen Sie?

Heidi, Samstag, 26.August, 13:59 Uhr

12. welcher Klimawandel?

Warmzeiten und Kälteperioden (Eiszeit) hat es doch schon immer gegeben... und die nächste kleine Eiszeit soll ab 2030 wieder kommen.
Leute, jammert nicht über Bergrutsche... schon in der Bibel steht davon (Lukas 23,30)
Sicher wandelt sich das Klima, aber früher gab es ja auch Eisgletscher wo jetzt der Chiemsee ist.
Die Welt wird nicht untergehen, weil sich bis dahin die Menschen gegenseitig umbringen durch Krieg, Terror, Hungersnöte usw. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

  • Antwort von Leonia, Samstag, 26.August, 15:24 Uhr

    Nett, noch eine Verschwörungstheoretikerin im üblichen Biotop. [Ironie] Natürlich, die Bibel hat immer recht.[/Ironie]

EMGI, Samstag, 26.August, 13:39 Uhr

11. Universalgelehrter

Und auch hier unterwegs: der Universalgelehrte und Polihistor Truderinger. Wenn man seine Kommentare so liest, dann wird sofort klar: Petry, Weidel, Gauland Höcke sind aufgestiegen. Mit dem Ruf: gebt mir einen Hebelpunkt und ich werde die Welt aus den Angeln heben haben sie gemeinschaftlich den Hebel angesetzt und 4 Mio. Kubikmeter braune Masse gen Tal gesandt. Dann wäre das auch geklärt.

  • Antwort von selbsternannte expertin, Samstag, 26.August, 14:32 Uhr

    @ EMGI: und SIE "EMGI", schämen sich bitte besonders. Es ist unterste aller Schubladen, auch JEDES Thema für Ihre Privatfehden hier zu benutzen. es ist eine echte Naturkatastrophe, es gibt Tote und vernichtete Existenzen, und dann sowas. was es alles gibt.

  • Antwort von IH, Samstag, 26.August, 16:14 Uhr

    Ja, ich bin sicher, die Opfer sitzen vor dem Rechner und heulen sich die Augen aus dem Kopf ...