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Hauptverwaltung in München Beim ADAC drohen Stellenabbau und Standortverlegung

In der ADAC-Zentrale geht die Angst um. Der Verein hat 90 Millionen Euro Versicherungssteuern nachzuzahlen. Es droht ein massiver Stellenabbau. Außerdem steht im Raum, dass ein Teil der Münchner Hauptverwaltung umziehen muss.

Von: Gabriel Wirth, Christoph Dicke

Stand: 14.11.2017

ADAC-Schriftzug auf Geschäftsstelle | Bild: picture-alliance/dpa

Die Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern haben gestern Abend begonnen, wie Betriebsrat und ein Pressesprecher des ADAC dem Bayerischen Rundfunk bestätigt haben. Der Verein muss sparen, wenn nicht drohen bis 2020 strukturelle Verluste von bis zu 170 Millionen Euro, wie die Geschäftsführung vorrechnet.

Die Nachzahlung der Versicherungssteuern sorgt offensichtlich für zusätzlichen Druck auf die Geschäftsführung, die Kosten zu senken. Denn die Beiträge sollen nicht erhöht werden. 

Drohender Stellenabbau in der ADAC-Zentrale

Man habe zwar Reserven, aber man wolle nicht von der Substanz leben, so der Pressesprecher. Deshalb sollen in der Münchner Zentrale bis 2020 350 bis 400 Stellen gestrichen werden. Die eigenständigen Regionalclubs seien davon nicht betroffen.

Standortverlegung des ADAC-Mitgliedsservices möglich

Außerdem werden mit dem Betriebsrat über eine Verlegung des ADAC-Mitgliedsservices an einen anderen Standort verhandelt, sagte Unternehmenssprecher Christian Garrels dem BR. Die Gewerkschaft Verdi geht von bis zu 170 betroffenen Arbeitsplätzen aus. Konkrete Orte für die Verlegung wollte Garrels nicht nennen. Es dürften jedoch Regionen in Frage kommen, in denen die Lebenshaltungskosten nicht so hoch sind wie in München. Dadurch würde das Unternehmen zum Beispiel Ortszulagen sparen.

Doch mit der Standortverlagerung könnten auch neue, für die Arbeitnehmer schlechtere Arbeitsverträge vorgelegt werden, fürchtet Gewerkschaftssekretär Gregor Völkl von Verdi München. Das sei auch unter dem Dach des ADAC möglich, dazu müsse kein Outsourcing der Arbeitsplätze in eine andere Firma stattfinden. Ein solches Outsourcing hatte Garrels gegenüber dem BR auch ausgeschlossen. Eine ADAC-Tochtergesellschaft sei aber denkbar.

Der Betriebsrat ist eher gegen eine Standortverlagerung des Mitgliedsservices und sieht das Vorhaben als Druckmittel der Arbeitgeberseite in den seit gestern Abend laufenden Verhandlungen über den Sozialplan.

Altersteilzeit, Abfindungen, Nicht-Nachbesetzungen

Dass gespart werden muss, sehen aber offensichtlich auch die Arbeitnehmervertreter ein. Nun gehe es darum, soviele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten, erkärte der Betriebsratsvorsitzende Bernd Hapke nach dem ersten Gespräch. Er habe ein gutes Gefühl. Allerdings ist auch klar, dass Stellen gestrichen werden. Da habe man viele Möglichkeiten über Altersteilzeit, freiwillige Abfindungsangebote bis hin zu der Nicht-Nachbesetzung von Stellen.

Ein bisschen Zeit beim Stellenabbau

Positiv bewertet Hapke, dass der Arbeitsplatzabbau über die nächsten drei Jahre stattfinden soll. Da habe man ein bisschen Zeit. Betriebsbedingte Kündigungen sind aber auch nicht ausgeschlossen.


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