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Prozess in Belgien Beichtgeheimnis: Priester vor Gericht, weil er von Selbstmordplänen wusste

Ein belgischer Priester wusste von den Suizidabsichten eines Mannes. Dessen Ehefrau verklagt nun den Priester nach dem Freitod ihres Mannes wegen Untätigkeit.

Stand: 14.11.2017

Person vor Beichtstuhl in Kirche | Bild: picture-alliance/dpa

Ein belgischer Priester aus Brügge muss sich am Mittwoch vor der Ratskammer - einem Untersuchungsgericht - verantworten, weil er von den Selbstmordplänen eines Gläubigen wusste, aber nichts unternahm. Der Mann berufe sich auf das Beichtgeheimnis, berichtete die flämische Zeitung "Het Nieuwsblad".

Selbstmörder schrieb kurz vor dem Tod SMS an den Priester

Im Oktober 2015 hatte sich der bereits länger unter Depressionen leidende Mann das Leben genommen. Vorher hatte er eine Stunde mit einem Priester telefoniert und Textnachrichten ausgetauscht. Die Witwe entdeckte die Nachrichten nach dem Tod ihres Mannes und reichte Klage gegen den Priester ein. Sie wirft ihm Untätigkeit vor, obwohl er von den Selbstmordplänen gewusst habe und die Adresse des Mannes kannte. Der Priester behauptet, alles getan zu haben, den Mann zu überzeugen, keine voreiligen Entscheidungen zu treffen.

Fall könnte weitreichende Folgen für Priester haben

Der Professor für Kirchenrecht der Katholischen Universität in Löwen, Rik Torfs, sagte, dass der Fall weitreichende Folgen haben könnte. Priester, die das Beichtgeheimnis brächen, drohe nach Kirchenrecht der Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft. Sollte der Priester für schuldig erklärt werden, so Torfs, könnten Priester in Zukunft nur noch wählen was das "kleinere Übel" darstelle: Eine Bestrafung durch die Justiz oder die Kirche. Torfs stellte zudem klar, dass es keinen Unterschied mache, dass das Gespräch telefonisch und nicht im Beichtstuhl stattgefunden habe. In besonderen Fällen könnten Beichtgespräche auch an anderen Orten durchgeführt werden, so Torfs.


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