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Unsichere Arbeitsverhältnisse 2,8 Millionen Arbeitsstellen sind befristet

Es war eine der ersten arbeitsmarktpolitischen Entscheidungen der Regierung Kohl: Sie schuf 1985 die Möglichkeit, Arbeitsverhältnisse ohne sachliche Begründung zu befristen. Seither steigt die Zahl dieser Jobs.

Von: Achim Wendler

Stand: 21.04.2017

Symbolbild: Handschlag über einem Arbeitsvertrag | Bild: picture alliance / dpa Themendienst

In den letzten 20 Jahren hat sie sich laut Bundesarbeitsministerium verdoppelt: Während 1996 etwa 1,3 Millionen Menschen befristet beschäftigt waren, stieg die Zahl 2015 auf 2,8 Millionen. Allerdings zeigt die Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion auch: Der Anteil befristet Beschäftigter an der Gesamtzahl der Arbeitnehmer sank zuletzt wieder leicht, auf 7,3 Prozent. Das liegt daran, dass es insgesamt viele neue Jobs gab.

Bayern hat vergleichsweise wenige befristetet Arbeitsverhältnisse

Am stärksten betroffen sind junge Frauen. Die typische befristet Beschäftigte ist, rein statistisch gesehen, eine Erzieherin, um die 20 Jahre alt, in Berlin. Dort ist der Anteil der befristeten Jobs am höchsten, mit am niedrigsten ist er in Bayern. Überhaupt ist die Lage im Freistaat vergleichsweise gut. Von allen neuen Arbeitsverträgen des Jahres 2015 waren in Bayern 32 Prozent befristet. Deutschlandweit ist der Anteil höher, in Mecklenburg-Vorpommern etwa liegt er bei 55 Prozent.

Ausländer haben mit 13 Prozent etwa doppelt so häufig eine befristete Stelle wie Deutsche. Der Anteil befristet Beschäftigter, die für einen Niedriglohn von 10,36 Euro pro Stunde oder weniger arbeiten, ist mit gut 30 Prozent höher als im Durchschnitt aller abhängig Beschäftigten (20,6%) und fast dreimal so hoch wie der Anteil der Beschäftigten mit unbefristetem Arbeitsvertrag (10,7%).

Ohne festen Vertrag scheuen Paare eine Familiengründung

Den Zuwachs an solchen Jobs auf Zeit rügt Jutta Krellmann von der Linksfraktion: "Befristete Arbeitsverträge wirken wie eine Anti-Baby-Pille." Die Zukunftsplanung bedürfe der Sicherheit eines unbefristeten Jobs. Unbefristete Arbeitsverhältnisse müssten wieder die Regel werden. Sachgrundlose Befristungen sollten ganz abgeschafft werden, fordert die Linke.

Aufgebracht hatte das Thema kürzlich SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Er will die sachgrundlose Befristung von Jobs erschweren.


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