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Harmonie bei den Liberalen Bayern-FDP sonnt sich im Schatten der CSU

Die FDP ist wieder da - und damit geht auch das politische Gerangel um Einfluss und Posten wieder los. Doch im Gegensatz zur CSU verläuft der Machtwechsel bei den bayerischen Liberalen harmonisch: Daniel Föst wird wohl ohne Gegenkandidaten zum Parteichef gewählt. Offen bleibt aber die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl.

Von: Sebastian Kraft

Stand: 10.11.2017

Daniel Föst, bayerischer FDP-Generalsekretär | Bild: dpa/picture-alliance/Sven Hoppe

Die beiden Stärksten ziehen an einem Strang - das wünschen sich viele bekanntlich in der CSU im Machtkampf zwischen Seehofer und Söder. Die Liberalen, die den Christsozialen bei der Bundestagswahl viele Stimmen im bürgerlichen Lager abnahmen, tun es.

Als Albert Duin bekannt gab, den Posten des Parteichefs abzugeben und seinen Generalsekretär Daniel Föst vorschlug, haben einige mit einer Gegenkandidatur von Karsten Klein gerechnet. Doch die schenkt er sich, denn die Rollen sind verteilt: Klein, der 2008 bis 2013 für die Liberalen im Landtag saß und sich als Finanzpolitiker einen Namen macht, ist bayerischer Landesgruppenchef im Bundestag. So ist der Weg frei für Föst, der den Bundestagswahlkampf 2017 erfolgreich managte.

Posten gibt es gerade genug

Friedenssignale fallen auch dann leicht, wenn es genug Posten gibt. So wurde der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. Und im Bundestag sitzen zwölf bayerische Liberale - mehr, als die kühnsten Optimisten zu hoffen wagten. 12,4 Prozent, über dem Bundesschnitt, verantwortlich dafür: Generalsekretär Daniel Föst. Mit diesem Ergebnis im Rücken dürfte seine Wahl in Amberg Formsache werden. Zum Generalsekretär will er dann den Landshuter Stadtrat Norbert Hoffmann machen, der laut Föst maßgeblichen Anteil am überraschenden Oberbürgermeister-Wahlerfolg von Alexander Putz hatte. Noch so ein Belohnungsposten.

Bei der Besetzung des neuen Landesvorstandes will die FDP im Gegensatz zur CSU auf den Regionalproporz keine Rücksicht nehmen. Wichtiger sei das Team: Eine Mischung aus bewährten alten Kräften, die vor der großen FDP-Krise in Landtag und Bundestag saßen, und neuen Gesichtern. Kampfkandidaturen sind für die FDP ein Zeichen innerparteilicher Demokratie.

Spitzenkandidatur Landtagswahl erst im März 2018

In Amberg werden die ersten Weichen für die bayerische Landtagswahl gestellt, aber noch nicht die entscheidenden. Das Wahlprogramm hat den Arbeitstitel "Zeit für neues" und erinnert sehr an die Kampagne der Bundestagswahl. Inhaltlich wollen die Liberalen die CSU da stellen, wo sie die Staatsregierung für am verwundbarsten halten: Bei der Bildungspolitik und damit verbunden der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Offen bleibt aber bis zu einem weiteren Parteitag in Bad Windsheim Ende März die Frage, wer die FDP als Spitzenkandidat in die Landtagswahl führt. Interesse hat Albert Duin angemeldet, der sich als Parteichef zurückzieht und mit seiner ruppigen Art nicht unumstritten ist. Seine Verdienste nach dem liberalen Horrorjahr 2013 sind aber unbestritten:

"Wir haben ihm viel zu verdanken, er war der richtige Mann in der richtigen Zeit an der richtigen Stelle."

Daniel Föst

Mehr Basisdemokratie ist angedacht

Vorstellbar sei auch eine Urwahl - vorausgesetzt es gebe zwei Kandidaten. Dem ehemaligen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch wird Interesse nachgesagt, er kandidiert genauso wie der ehemalige Wirtschaftsminister Martin Zeil wieder für den Landtag. "Es geht darum, mit welchen Kandidaten wir die größten Erfolgsaussichten haben", so Karsten Klein, der eine Urwahl ebenfalls für einen "Gewinn" halten würde. Schließlich hätten sich die Liberalen ja auch mehr Basisdemokratie in die Satzung geschrieben.

Die Welle von der erfolgreichen Bundestagswahl will die FDP mit ins bayerische Wahljahr nehmen. Die Chancen stehen derzeit gut und auch das Schicksal spielt den Liberalen diesmal in die Karten. Kurz vor dem Parteitag wurde amtlich, dass die Bayern-FDP wieder eine Europaabgeordnete bekommt: Nadja Hirsch, 2014 eigentlich rausgewählt, rückt für Alexander Graf Lambsdorff nach, der erfolgreich für den Bundestag kandidiert hat.


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Kommentare

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Dieter, Freitag, 10.November, 17:49 Uhr

4. FDP

Ich hatte schon länger argumentiert: die entscheidende Wahl für unser Land ist nicht die von 2017, sondern von 2021. Das ist nun noch deutlicher geworden. Denn: zähle ich die Stimmen von AfD und FDP als Anti-Merkel-Stimmen zusammen, liegen wir schon knapp in der Größenordnung der ‘Blauen’ Österreichs. Und was werden wohl die FDP-Wähler machen, die feststellen, sie wurden nun ein zweites Mal dreist hinters Licht geführt? Und wie viele Nichtwähler und noch-treue Unionswähler werden wohl zusätzlich aktiviert, wenn die Schussfahrt in den Abgrund munter weiterläuft?
M.f.G.

  • Antwort von Kats, Freitag, 10.November, 18:16 Uhr

    Dieter, der Retter des Abendlandes, ?!
    Ihre AfD wird nicht auch noch die FDP Wähler bekommen !
    Diese Wähler haben die FDP gewählt, weil sie nicht mehr CSU/CDU wählen
    wollten. Die AfD lehnen diese Wähler aber als populistisch und rechts ab !
    Von dieser Partei träumen nur Sie und 13%.
    Wenn Sie auch noch Österreich mit Deutschland vergleichen, sieht man,
    dass Sie von politischen Verhältnissen nicht viel verstehen.

    Hen,

  • Antwort von Erich , Freitag, 10.November, 18:36 Uhr

    Die nächste Bundestagswahl findet nicht erst 2021 statt!

Heini, Freitag, 10.November, 17:24 Uhr

3. CSU

Das ist bei dieser zerstrittenen CSU auch nicht schwer.

Ritzelsberger, Freitag, 10.November, 17:04 Uhr

2. "sonnt sich im Schatten"

Das ist mal eine schöne Überschrift. Auf den ersten Blick ein Widerspruch, dann aber doch ein nettes Wortspiel, das Aufmerksamkeit erweckt. Mir gefällt es.

Bernstein, Freitag, 10.November, 15:08 Uhr

1. Deutsche Sprache

Seit wann kann man sich im Schatten von jemand Anderem sonnen? Dann müsste dieser andere ja die Sonne sein. Sind die gelernten Journalisten schon im Wochenende?

  • Antwort von Barbara, Freitag, 10.November, 18:29 Uhr

    Aufgewacht und um die Ecke gedacht. Nicht so einfach, aber wird schon klappen.