13

Trotz Millionenvermögens Diözese knausert bei Kirchenrenovierung

In Regenstauf droht die Schließung der Pfarrkirche, weil der Bauzustand des Gebäudes so schlecht ist. Doch der Pfarrei in der Oberpfalz fehlt das Geld für eine Sanierung, und das Bistum Regensburg lässt nicht mit sich verhandeln. Anderswo ist man da großzügiger.

Von: Julio Segador

Stand: 13.08.2017

Marktgemeinde Regenstauf mit Pfarrkirche  | Bild: picture-alliance/dpa

Es sind nicht viele Gläubige, die an diesem Sonntag in die Regenstaufer Pfarrkirche gekommen sind. Und die wenigen, die die Messe mitgefeiert haben, verlassen das Gotteshaus zügig. Kein Wunder, die Pfarrkirche Sankt Jakobus ist nicht besonders einladend. Die Liste der Mängel an der Pfarrkirche Sankt Jakobus ist lang. Keiner weiß das besser als Michael Drindl, der seit 20 Jahren Kirchenpfleger in Regenstauf ist.

"Es gibt Sicherheitsprobleme. Das geht an bei der Elektronik, geht weiter beim Dach und der Fassade. Da gibt es statische Untersuchungen, die besagen: Es ist gefährlich sich in der Nähe aufzuhalten. Das ist das große Problem: Dass die Bausubstanz sehr marode ist."

Michael Drindl, Kirchenpfleger in Regenstauf

Kirchenglocken dürfen wegen Einsturzgefahr nicht läuten

Der Putz blättert ab, der Sandstein bröckelt, ganze Bodenplatten im Innenraum fehlen, die Wände sind schwarz vor Schmutz. Nicht einmal die Glocken dürfen zum Gottesdienst läuten. Die Schwingungen könnten Teile des Kirchturms zum Einsturz bringen. Die Bischöfliche Baukommission der Diözese Regensburg kommt in ihrem Gutachten von September 2016 zu dem Schluss:

"Aufgrund des desolaten Bauzustandes geht von dem Gebäude mittlerweile ein erhebliches Gefahrenpotenzial aus. Die Pfarrkirche steht aufgrund mangelnder Standsicherheit unmittelbar vor der Schließung."

aus einem Gutachten der Baukommission Diözese Regensburg

Pfarrei Regenstauf fühlt sich von Diözese allein gelassen

Sankt Jakobus: Auf den ersten Blick schmuck, bei genauerem Hinsehen bröckelt der Putz.

Auf vier Millionen Euro belaufen sich inzwischen die Renovierungskosten. Das Problem: Die Diözese will nur etwas mehr die Hälfte zahlen, maximal. Der Regenstaufer Pfarrer Johann Schottenhammel ist ratlos.

"Wir müssen als Pfarrei wenn wir die Kirche sanieren wollen, circa zwei Millionen aufbringen. Das ist nicht möglich. Allein für das Dach müssen wir 450.000 wenigstens selber aufbringen."

Johann Schottenhammel, Pfarrer in Regenstauf

Die Diözese nimmt das Ende von Sankt Jakobus in Kauf. Auf die Frage, ob mit Blick auf den schlechten Bauzustand nicht rasches Handeln geboten wäre, um eine Schließung der Kirche zu verhindern, heißt es in einer Mitteilung der Diözese Regensburg: "Die Frage muss in der Kirchenstiftung beantwortet werden."

Diözese Regensburg hat Millionenvermögen

Generalvikar Michael Fuchs

Regenstauf soll sich also selber helfen. Die harte Haltung der Diözese überrascht. Das Vermögen des Bistums beläuft sich auf mehrere hundert Millionen Euro.
Der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs stellte angesichts dieser Bilanz klar, es gehe nicht darum, das Geld zu horten.

"Uns ist es sehr wichtig, dass die Mittel und Ressourcen, die wir haben, keinen Selbstzweck haben. Sondern dass diese Mittel da sind für die Aufgaben der Kirche. Wir haben Bauverpflichtungen, und wir wollen gut bauen."

Michael Fuchs, Generalvikar Diözese Regensburg

Regensburger Dom St. Peter | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Finanzielle Transparenz in Regensburg Bischöflicher Stuhl verfügt über 118 Millionen Euro

Das Bistum Regensburg möchte mehr Transparenz in seine Finanzen bringen. Am Dienstag stellte Generalvikar Michael Fuchs deshalb die Bilanz mehrerer Einrichtungen der Diözese vor. Das Bistum Regensburg verfügt demnach über mehrere Hundert Millionen Euro. Von Andreas Wenleder [mehr]

Regenstauf ist kein Einzelfall. Überall in Bayern setzen Bauunterhalt und unerledigte Baumaßnahmen den Pfarreien zu. Doch andernorts zeigen sich die Diözesen großzügiger als in Regensburg. Im Bistum Würzburg übernimmt die Verwaltung die notwendigen Baukosten, die von einer Kirchenstiftung nicht aufgebracht werden können. Auch die Erzdiözese München springt in solchen Fällen mit einem Zuschuss von 85 Prozent der Ausgaben ein.

Evangelische Kirche bildet Rücklagen für Sanierungen

Übrigens: In der evangelischen Kirche in Bayern ist das Problem des Bauunterhalts und der unerledigten Baumaßnahmen, das einzelne Kirchengemeinden überfordert, nicht so akut. Hier wurden nach ähnlichen Erfahrungen in der Vergangenheit inzwischen Sicherungen eingezogen. Diese verpflichten einzelne Kirchengemeinden jedes Jahr Rücklagen zu bilden - 22 Euro pro Quadratmeter Fläche. Dieses Geld steht dann bei Baumaßnahmen zur Verfügung. Was an Kosten  darüber hinaus geht übernimmt anteilig die Landeskirche. Ein Beispiel, an dem sich die Katholische Kirche und vor allem die Diözese Regensburg orientieren könnte.


13

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Suarez, Mittwoch, 16.August, 19:56 Uhr

7. Milliarden

Die Diözese Regensburg verfügt nicht nur über Millionen. Sie verfügt über Milliarden - sie ist die einzige deutsche Diözese, die die Säkularisation wegen einer politischen Sonderstellung fast unbeschadet überstanden hat. Und für Prestigeobjekte ist genug Geld da. So hat man z.B. aus klerikalfaschistischen Gründen in St. Kassian einen kraislichen Klotz als Altar für teures Geld hingestellt und denselben Architekten mit der Destruktion weiterer Kirchen beauftragt!
Merke: Für Pastoral und Missbrauchsopfer ist kein Geld da, für die Selbstdarstellung von Voderholzer, Fuchs und Neck schon.

Maria , Sonntag, 13.August, 13:53 Uhr

6. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis in nahen Regensburg könnte Check schreiben!

Die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis in nahen Regensburg könnte doch Check schreiben! Sie ist doch so religiös und so reich!

Steuerzahler, Sonntag, 13.August, 13:07 Uhr

5. Die Kirchen ziehen den Menschen nur das Geld aus der Tasche.

Als ob die Einnahmen aus der Erbpacht, die staatlichen Subventionen und die Restitution für die napoleonische Säkularisation nicht genug wären. Die Gegenleistung nur Gebote, Verbote, Kritik und Kirchenasyl für abgelehnte Wirtschaftsflüchtlinge. Mein Vorschlag: Austreten und mit der gesparten Kirchensteuer eine Altersvorsorge aufbauen.

  • Antwort von Holger, Sonntag, 13.August, 13:48 Uhr

    Richtig. Klare Worte. 100%-tige Zustimmung. Danke.

  • Antwort von christian, Sonntag, 13.August, 16:55 Uhr

    Einseitiger Unsinn, ob aus Boshaftigkeit oder Unwissen sei einmal dahingestellt. Die Kirche ist vielfältig engagiert im Sozial- und Bildungswesen (Seniorenheime, Hospizhäuser, Krankenhäuser, Schulen...), zwar nur mit finanziellen Teilleistungen, gleichwohl möchte keine Kommune auf den kirchlichen Finanzanteil an z.B. den Kindergärten verzichten. Darüber hinaus verkünden sie die Frohbotschaft des Evangeliums und führen den Menschen immer wieder die Wichtigkeit der 10 Gebote vor Augen; kurzum, durch die christliche Religion werden Voraussetzungen geschaffen, von denen das Staatswesen insgesamt zehren kann, wie selbst der nach eigenen Worten "religiös unmusikalische" Habermas in einem Gespräch mit dem damaligen Kardinal Ratzinger an der Akademie Tutzing eingeräumt hat. Jedes negative Ereignis (in der kath. Kirche) zu verallgemeinern und jede nicht ganz optimale Äußerung gleich böswillig zu interpretieren, zeugt von Voreingenommenheit und mangelnder Argumentationsqualität.

Jochen, Sonntag, 13.August, 10:15 Uhr

4. Ich bin sicher Frau von Thurn und Taxis wird für Renovierung EUR spenden.

Sie redet doch nur von der Mutter Gottes und belehrt andere. Regensburg ist doch vom Tegestauf nich weit.

Heuberg, Sonntag, 13.August, 09:17 Uhr

3. Wo bleibt die Kichensteuer?

Die katholische Kirche in Deutschland hatte in 2016 Rekordeinnahmen der Kirchensteuer von über 6 Milliarden Euro, gezahlt von den Gläubigen. Für die Pfarreien der Gläubigen bleibt dennoch wenig übrig. Ein Grund sind die riesigen Stabsstellen, die sich die Diözesanleitungen in den letzten Jahrzehnten geschaffen haben. Für jede neue gesellschaftliche Entwicklung wurden Fachkräfte eingestellt, die diese Entwicklungen beobachten und kommentieren. Schutz der Umwelt, Gleichstellung der Frauen, Arbeitslosigkeit und Fairer Handel sind Beispiele. Diese zentralen "Wasserköpfe" schlucken erhebliche Finanzmittel. Für die Pfarreien, wo die kirchensteuerzahlenden Gläubigen leben, bleibt deshalb nicht viel Geld übrig.

  • Antwort von Maria, Sonntag, 13.August, 10:20 Uhr

    Wo bleibt die Kirchensteuer?
    Verbraucht, verprasst, als Schweigegeld und als Entschädigung für sexuelle Entgleisungen verbraucht oder gut in Aktien und Immobilien angelegt?