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Fipronil-Skandal Lückenlose Kontrolle aller Eier nicht möglich

Andreas Zapf, Präsident Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, sagt: Jährlich werden in Deutschland bis zu 19 Milliarden Eier verkauft. Kontrollen sind deshalb nur "risikoorientiert"und stichprobenweise möglich.

Von: Johanna Popp, Peter Kveton und Kristina Weber

Stand: 04.08.2017

Aufgeschlagenes Ei | Bild: picture-alliance/dpa

Im BR Fernsehen sagte Zapf, eine Totalkontrolle sei wegen der schieren Größe des Marktes nicht zu realisieren. Jeder Deutsche verzehre pro Jahr 265 Eier. Im Nachgang des aktuellen Falles müsse aber künftig möglicherweise in den genommenen Stichproben analysiert werden, ob Eier mit Fipronil belastet sind. Bisher war nur bei Kontrollen pflanzlicher Lebensmitteln nach dem Stoff gesucht worden.

Aktuell aber sei es vor allem wichtig, die mit Fipronil belasteten Eier aufzuspüren.

"Das ist im Moment die zentrale und wichtigste Aufgabe: die Eier zu identifizieren, die möglicerweise kontaminiert sind, damit sie den Verbaucher nicht erreichen."

Andreas Zapf, Präsident Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Gesundheitsgefährdung unwahrscheinlich

Dazu würden jetzt Lieferlisten kontrolliert. Doch da sicher nicht alle Eier zurückgenommen werden könnten, müsse man das Gefahrenpotential in Erwägung ziehen. Bei den jetzigen Werten sei eine Gesundheitsgefährdung eher unwahrscheinlich.

Aktuell warnt das Landesamt vor Eiern mit 14 Produktcodes. Diese Eier sind mit dem Insektengift Fipronil belastet und dürfen nicht weiterverkauft werden. Die Rücknahme sei eingeleitet. Gestern noch hatte die Behörde nur fünf verdächtige Kennnummern angegeben.

Betroffene Codes

  • 1-NL-4331901
  • 1-NL-4035701
  • 1-NL-4339912
  • 1-NL-4339301
  • 1-NL-4359801
  • 0-NL-4352602
  • 0-NL-4031001
  • 2-NL-4167901
  • 1-NL-4167902
  • 2-NL-4212103
  • 2-NL-4332602
  • 2-NL-4385702
  • 1-NL-4385701
  • 1-NL-4402101

Die Unternehmensgruppen Aldi Süd und Aldi Nord hatten am Morgen bekannt gegeben, dass sie vorläufig keine Eier mehr zum Verkauf anbieten. In die Regale sollen demnach nur noch Eier kommen, die nachweislich frei sind vom Insektengift Fipronil. Damit will Aldi für "Klarheit und Transparenz" sorgen, heißt es in einer Mitteilung. Deshalb könne es vorübergehend zu einem Engpass bei der Versorgung kommen.

Im Gegensatz zu Aldi wollen die Supermarktketten Edeka und Rewe auf einen Verkaufsstopp verzichten. Ein Rewe-Sprecher sagte, das Unternehmen sehe derzeit keine Veranlassung zu einer solchen Maßnahme, die Entwicklung werde aber genau beobachtet. Edeka äußerte sich ähnlich und wies darauf hin, dass man ausschließlich Eier aus Deutschland verkaufe.

Hunderttausende belastete Eier in Bayern

In deutschen Supermärkten wurden Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Christian Meyer (Grüne) zufolge wahrscheinlich zehn Millionen belastete Eier verkauft, laut Informationen des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mindestens 268.000 nach Bayern (Stand: gestern Abend). Der Sprecher des Handelsverbandes Bayern, Bernd Ohlmann, sagte, die Eier würden sofort aus den Regalen geräumt: "Wir leben vom Vertrauen der Verbraucher." Wie viele betroffene Eier im Freistaat bereits verkauft wurden, ist unklar.

Auch Fleisch der Legehennen verseucht

Niederländische Eier | Bild: Bayerischer Rundfunk zum Video Verbraucherschutz Wie kommt das Gift in die Eier?

Hunderttausende mit dem giftigen Stoff Fipronil belastete Eier sind aus den Niederlanden nach Bayern geliefert worden, darunter auch Bio-Eier. Was ist Fipronil? [mehr]

Unterdessen müssen in den Niederlanden täglich mehr als fünf Millionen Hühnereier vernichtet werden, weil sie mit Fipronil belastet sind. Sollte sich das Gift auch im Fleisch der Legehennen finden, müssten die Tiere dem niederländischen Verband der Geflügelzüchter zufolge entweder entgiftet werden - das würde Experten zufolge mindestens sechs Wochen dauern - oder es droht ihnen die Notschlachtung. Eine dritte Möglichkeit gibt es auch noch: Abwarten. Das gilt aber nur für Hennen, in deren Eiern sehr geringe Fipronil-Spuren nachgewiesen wurden - diese Tiere könnten ohne weitere Maßnahmen innerhalb von zwei Wochen wieder schadstofffrei sein.

Bauernverband kritisiert Aldis Verkaufsstopp

Eine "überzogene Reaktion" sei die Entscheidung von Aldi, deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf zu nehmen, heißt es vom Deutschen Bauernverband. Angesichts bisheriger Risikobewertungen und Untersuchungen sei der Verkaufsstopp zum derzeitigen Zeitpunkt nicht angemessen, teilte der Verband mit. Vielmehr stünden jetzt vor allem die niederländischen und deutschen Behörden in der Pflicht, vollständig für Aufklärung zu sorgen, ließ sich der stellvertretende DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling zitieren.

Lebensmittel systematisch auf Schädlingsgifte testen

Im Skandal um verseuchte Eier fordert die Verbraucherorganisation Foodwatch, dass auch andere Lebensmittel in Deutschland auf Schädlingsgifte kontrolliert werden. Foodwatch sagte, dass Verbraucher Klarheit bräuchten, in welchen weiterverarbeiteten Produkten belastete Eier eingesetzt wurden, also zum Beispiel in Kuchen oder Eiernudeln. Der Naturschutzbund Deutschland forderte, dass der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft grundsätzlich stärker begrenzt und kontrolliert wird.


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Klaus Blank , Sonntag, 06.August, 22:07 Uhr

24. Dem Hund schadet es ja auch nicht

Mein Hund erhält seit 10 Jahren jeden Monat Fipronil (Frontline) gegen Zecken und Flöhe und es geht ihm bestens. Und weil Herrchen beim Auftragen immer kleckert, erhält er auch jeden Monat seine Portion über die Haut. Hätte sich meine Leber schon aufgelöst, wäre mir das bestimmt aufgefallen. Alles nur Panikmache, wie immer bei uns in Deutschland. Es gäbe weitaus wichtigere Probleme zu lösen!

Josef, Samstag, 05.August, 05:11 Uhr

23. Hühnerfleisch

ja wer glaubt das es nur die eier betrifft der glaubt auch an den Wheinachtsmann, so Legehennen werden zur Hühnersuppe usw. verarbeitet auch wird das Mittel bei den Masthennen verwendet welche schön knusprig Braun an jeden Supermarktstand gegrillt werden oder auf jedem Volksfest vertreten sind, auch in den TK.Truhen sind sie zu finden als Suppenhuhn oder als billigste Grillhühner!

Eine bessere Kontrolle wäre Notwendig und eine bessere Verbraucheraufklärung! Auch ein Verbot von solch genehmigter in Planung befindlicher Massenzuchtanstalten.

  • Antwort von Atze, Samstag, 05.August, 19:23 Uhr

    Es wird irgendwann so weit kommen, dass die Elite über " saubere" Lebensmittel verfügt ....auch hier in Europa.In Afrika ist es ja schon mit dem Wasser so.

KidRock, Samstag, 05.August, 00:23 Uhr

22. Strafen

Strafen müssen schon hoch genug sein, um abzuschrecken. Das geht vom U-Bahnschläger bis zum Wirtschaftskriminellen. Wer der Gesellschaft ernsthaften Schaden zufügt, muss auch Konsequenzen spüren. Sehr befremdlich ist da regelmässig das Verhalten der CSU, die ja eigentlich meint, wirtschaftsfreundlich zu sein. Die Folgen von laxen Kontrollen sind aber im Gegenteil wirtschaftsschädlich, vor allem für ehrliche Betriebe. Oder müffelt da etwas nach Korruption?
Und by the way, sollen, wie ntv meldet, schon wieder mit Salmonellen belastete Eier aus Bayern aufgetaucht sein.

E. Jäger, Freitag, 04.August, 23:05 Uhr

21. Der Politik sind Profite der Firmen wichtiger als Sicherheit

Der ausgebrannte Bus bei Münchberg war von einem niederländischen Hersteller (VDL). Nach dem BR-Bericht waren haarsträubende Konstruktionsmängel von Seiten des Herstellers schuld an dem Feuer-Inferno mit vielen Toten. Und jetzt Gift in niederländischen Eiern! Ist das etwa Methode, dass Firmen in diesem Land so von Profitgier getrieben sind, dass sie keine Moral mehr kennen? Und wo bleiben die Konsequenzen der deutschen Politik? Warum werden alle Busse mit den gleichen Konstruktionsmängeln nicht SOFORT stillgelegt? Warum werden Verbraucher nicht besser vor mangelhaften Lebensmitteln geschützt? Warum gibt es keine Verfolgung und Bestrafung für diese verbrecherischen Firmen und ihre gierigen Bosse?

Barbara, Freitag, 04.August, 20:42 Uhr

20. Der Kommentar zum Beitrag Nr. 9, um 16.52 Uhr, stammt nicht von mir!

Da hat wieder jemand mein Pseudonym widerrechtlich mißbraucht!

  • Antwort von Sofie, Samstag, 05.August, 06:10 Uhr

    Ein echter Skandal. So ist das halt, wen man Pseudonyme verwendet.