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Barbara Stamm Vier Jahrzehnte im Landtag

Vor 47 Jahren trat sie der CSU bei, vor 40 Jahren wurde Barbara Stamm erstmals in den Landtag gewählt. Für das soziale Gewissen der CSU, wie die Würzburgerin oft genannt wird, ein schöner Grund zum Feiern.

Von: Rudolf Erhard

Stand: 18.10.2016

Barbara Stamm ist stolz auf 40 Jahre im Bayerischen Landtag.

"Aus Liebe zu den Menschen, aus Liebe zu unserem Land, aus Liebe zur Heimat - und das machen die einen etwas leidenschaftlicher und die anderen machen es etwas gekonnter."

Barbara Stamm, Landtagspräsidentin

Will meinen, sie macht beides gut. Keinen Widerspruch gab es da letzte Woche, als die Landtagspräsidentin, anlässlich 70 Jahre CSU-Landtagsfraktion, aus vollem Herzen bekannte:

"Dass ich hier bin, dass ich hier stehen darf, habe ich nur den Menschen in Bayern zu verdanken und immer auch, was das Vertrauen meiner Fraktion angeht."

Barbara Stamm, Landtagspräsidentin

Für Unterfranken in den Landtag gewählt

Barbara Stamm und Edmund Stoiber im Jahre 1996

Die CSU-Politikerin Stamm hatte nie einen Stimmkreis in ihrer Heimatstadt Würzburg. 1976 rückte die gelernte Erzieherin als Nachrückerin ein und seitdem immer nur über die Unterfrankenliste und das seit vielen Jahren als Stimmenkönigin. In der CSU-Landtagsfraktion war sie unter den Frauen schnell die Vorlauteste gegen die Übermacht der Männerbastion.

"Wenn ich nur mal an das Stichwort 'Kinderbetreuung' denke, da waren wir Frauen schon ein Stückchen weiter gewesen. Mit Franz Josef Strauß, da sind wir nicht weitergekommen mit dem Erziehungsgeld. Und der Marianne Strauß haben wir gesagt, was sie praktisch dem Franz Josef Strauß sagen soll."

Barbara Stamm, Landtagspräsidentin

Der hat sie dann einfach eingefangen als Staatssekretärin im Sozial- und Familienministerium:

"Dann habe ich gesagt: 'Mich?' und dann sagte er: 'Ja, warum?' Und dann fragte ich: 'Mich Widerspruchsgeist?' Und er hat mich damals in die Leberkäsetage befördert."

Barbara Stamm, Landtagspräsidentin

Ausgerechnet die auch heute noch glühendste Botschafterin des Frankenweins. Landtagspräsidentin Stamm, letztes und vorletztes Jahr im Umfrage-Ranking als beliebteste Politikerin Bayerns genannt, musste aber auch Karriererückschläge hinnehmen:

"Ich war im Kabinett. Ich habe das Kabinett verlassen. Ich bin wieder aufgenommen worden."

Barbara Stamm, Landtagspräsidentin

Stamm hat eine bewegte Karriere

Barbara Stamm auf dem CSU Parteitag 2001 in Nürnberg

Die Wunde saß tief, als Barbara Stamm 2001 auf Druck des damaligen Ministerpräsidenten Stoiber wegen der BSE-Krise als Sozialministerin zurücktreten musste. Nur weil sie auch für die Veterinärmedizin zuständig war. Ihren Wiederaufstieg in der CSU-Fraktion konnte das nicht bremsen. Zuerst Vizepräsidentin und seit 2008 als Präsidentin erste Abgeordnete des Bayerischen Landtags.

Ihr anfangs zögerliches Handeln in der Verwandtenaffäre des Parlaments überstand Barbara Stamm 2013 nahezu unbeschadet. Bei frechen Reden ihrer bei den Grünen gelandeten Tochter Claudia verzieht sie auf dem Präsidentinnenstuhl keine Miene. Stilverletzungen oder unparlamentarische Äußerungen werden sowieso bei allen gerügt, ganz gleich aus welcher Fraktion. Noch lieber aber spannt Barbara Stamm ein menschliches Band um die bayerischen Volksvertreter.

"Und jeder von den Kolleginnen und Kollegen muss das Gefühl haben, das muss selbstverständlich sein. Es ist schön, dass es ihn gibt. Es ist schön, dass es sie gibt. Und das bedeutet aber auch, dass alle auch die Unterstützung bekommen, die wir brauchen."

Barbara Stamm, Bayerische Landtagspräsidentin

Für den Bayerischen Landtag hat sie deshalb eine Reihe von Verbesserungen erkämpft und verteidigt diese bis hin zu den oft kritisierten Auslandsreisen der Parlamentsausschüsse.

"Und da schreibt uns nicht der Bund der Steuerzahler vor, was wir hier im Parlament an Gestaltungsnotwendigkeiten und als Aufgaben für die Zukunft als wichtig und notwendig ersehen."

Barbara Stamm, Landtagspräsidentin


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