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Bahnstrecken in Bayern Eingleisig heißt nicht unsicher

Das schwere Zugunglück von Bad Aibling hat auch die eingleisigen Bahnstrecken in den Fokus gerückt - und die Frage, ob solche Strecken denn weniger sicher seien als ausgebaute mehrgleisige Trassen.

Von: Michael Zametzer, Victoria Wagensommer, Uli Scherr

Stand: 10.02.2016

Bahngleis im Nebel | Bild: picture-alliance/dpa

Rund die Hälfte aller bayerischen Bahnstrecken verläuft eingleisig. Nach Angaben der Deutschen Bahn sind das etwa 3000 von 6000 Kilometern. Damit liegt Bayern im Bundesvergleich etwas über dem Durchschnitt: In Deutschland sind von 33.200 Kilometern rund 15.000 Kilometer eingleisig.

Eingleisige Bahnstrecken in Bayern

Eingleisige Bahnstrecken in Bayern

In Bayern sind das vor allem die sogenannten Nebenstrecken. Auf ihnen beträgt die Höchstgeschwindigkeit für Personenzüge 100 km/h. Aber auch einige Hauptstrecken sind eingleisig und damit auch von Zügen des Fernverkehrs befahren.

Wichtige eingleisige Strecken sind zum Beispiel die Trasse von Neu-Ulm nach Kempten, weite Teile der Strecke von Nürnberg über Schwandorf in der Oberpfalz nach Furth im Wald oder vielbefahrene Pendlerstrecken wie zwischen Markt Schwaben und Mühldorf am Inn oder die Werdenfelsbahn von Garmisch-Partenkirchen nach Weilheim in Oberbayern. Neben der Unfallstrecke von Holzkirchen nach Rosenheim ist auch die Strecke Holzkirchen-Bayerischzell eingleisig.

Ob diese und andere Strecken in Bayern jetzt einer Überprüfung unterzogen werden müssen, sei noch unklar, heißt es von der Deutschen Bahn. Mit Blick auf die Diskussionen über die Sicherheit von eingleisigen Bahnstrecken stellt der Betreiber des bayerischen Bahnnetzes klar:

"Bei unseren Sicherheitseinrichtungen unterscheiden wir nicht nach ein- und zweigleisigen Strecken. Deshalb ist auch die Aussage, eingleisige Strecken seien weniger gesichert, nicht richtig."

DB Mobility Logistics AG

Grundsätzlich seien alle Strecken mit der sogenannten punktförmigen Zugbeeinflussung ausgestattet: Dieses Sicherheitssystem sorgt dafür, dass Züge zum Stehen kommen, wenn Signale nicht beachtet oder die zulässigen Geschwindigkeiten nicht eingehalten werden. Dann wird automatisch abgebremst. Diese punktförmige Zugbeeinflussung ist aber ein Notfallsysten, daß im normalen Betrieb nicht eingreift.

Experten zweifeln die Sicherheit von eingleisigen Strecken auch nach der Katastrophe von Bad Aibling grunsätzlich nicht an. Winfried Karg vom Fahrgastverband Pro Bahn verweist auf die ohnehin schon strengen Vorkehrungen im Regionalzugverkehr. Im Allgäu beispielsweise wird die Bahn aus Sicherheitsgründen routinemäßig verlangsamt, etwa auf der Fahrt von Kempten nach Pfronten an unbeschrankten Bahnübergängen. Allerdings sieht Karg ein Sicherheitsrisiko der anderen Art: Die Fahrgäste steigen aufs Auto um, um schneller zu sein. Das Risiko, sich zu verletzen, ist im Auto allerdings über 100-mal höher als im Zug.


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R. Nagel, Mittwoch, 17.Februar, 11:38 Uhr

17. Sicherheit auf Bahnstrecken

Mich bewegen drei Fragen.
Im Zeitalter der digitalen Technik muss doch die Sicherheitstechnik so funktionieren, dass eine Strecke die aus einer Richtung als "befahren" erkannt wird von der anderen Seite nicht frei gegeben werden kann. (Fehler oder Irrtum eines Fahrdienstleiters kann ausgeschlossen werden)?
Warum ist nicht sichergestellt, dass ein Notruf beim Triebwagenfahrer ankommt?
Ist die Bahn fein raus? Ein Schuldiger wurde gefunden?

Dr. Markus Koller, Dienstag, 16.Februar, 18:58 Uhr

16. ...und die Geographie

...zudem heißt es Bayrischzell und nicht "Bayerisch Zell", auch wenn beispielsweise die Strecke von Bayerisch Eisenstein nach Zwiesel eingleisig ist, die von Nürnberg nach Regensburg jedoch keineswegs. Richtig liegen wir hingegen mit lediglich einem Gleis von Landshut nach Plattling - das zweite wurde im Blitzkrieg zugunsten ein paar Kilometern Frontbahn in Russland ab- und trotz jahrzehntelangem Wirtschaftswunder nie mehr aufgebaut. Vielleicht ein wenig Themaverfehlung, ja, aber exemplarisch für den Ausbauzustand Bahn abseits der Magistralen... eine B15 neu bekommen wir aber, als Ergänzung zur Isentalautobahn!

Michael Best, Sonntag, 14.Februar, 15:01 Uhr

15. Unfallrisiko / extrem fehlerhafte Infografik

1. "Das Risiko, sich zu verletzen, ist im Auto allerdings über 100-mal höher als im Zug."

Das ist völlig richtig und sollte bei jeder Unfallberichterstattung immer zuerst genannt werden. Todesopfer in Deutschland 1995 bis 2015 im PKW ca. 60.000, in Zügen ca. 150!

2. Die Idee, dass eingleisige Strecken gefährlicher sein müssen als zweigleisige, ist typisches Autofahrerdenken. Auf der Schiene wird nicht wie auf der Straße einfach so drauflos in den Gegenverkehr hinein gefahren, sondern nach vorheriger gesicherter Freimeldung des Streckenabschnittes. Daher ist es herzlich egal, in welche Richtung der vorherige Zug gefahren ist. Übrigens darf man auch auf vielen zweigleisigen Strecken beide Gleise in beide Richtungen befahren für "fliegende Überholungen".

3. Die Infografik ist eine Desinformationsgrafik. Es sind mehr als 20 Bahnstrecken falsch dargestellt.

Reinhard Walloschke, Samstag, 13.Februar, 14:30 Uhr

14. Eingleisige Strecke / Grafik

Leider sind mehrere Strecken falsch als eingleisig bzw. falsch als zweigleisig drin.....

Frag doch die Maus, Donnerstag, 11.Februar, 19:53 Uhr

13. Eingebildete Kranke

Wieso werden diese fachlich unbedarften Figuren von Pro Bahn als "Bahnexperten" betrachtet?
Da könnten die Medien auch die Putzfrau vom Bahnhofsvorplatz befragen. Die hat auch mit "Bahn" zu tun.