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Münchner S-Bahn Grünes Licht für zweite Stammstrecke

Jahrelang wurde über die zweite Stammstrecke für die Münchner S-Bahn diskutiert. Jetzt ist das Projekt in trockenen Tüchern. Und die nächsten Projekte werden schon geplant.

Von: Lorenz Storch

Stand: 21.12.2016

Es war etwas mehr als eine Formalie: Nachdem der Landtag vergangene Woche grünes Licht gegeben hat, hat Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann jetzt seine Unterschrift unter die Finanzierungsvereinbarung für die Zweite Stammstrecke gesetzt.

"Es war eine Stimmung, als ob schon Weihnachten wäre!"

Joachim Herrmann

Eine teure Unterschrift: Knapp 1,3 Milliarden Euro zahlt der Freistaat für das Projekt – etwas weniger als 40 Prozent der Gesamtkosten. Bahnchef Rüdiger Grube nannte die Entscheidung für die Zweite Stammstrecke historisch: „Wir werden im Jahr allein 300 Millionen PKW-Kilometer weniger in der Stadt erleben im Vergleich zu wenn die zweite Stammstrecke nicht gebaut wird.“ Und den S-Bahn-Kunden verspricht Grube künftig weniger Verspätungen.

Kritik von der Opposition

Milliardenschwere Wohltaten für den Großraum München – aber die sollen nicht zum Schaden des übrigen Landes sein, erneuert Verkehrsminister Herrmann sein Versprechen: „Wir haben ausdrücklich erklärt – und das gilt für ganz Bayern – dass andere wichtige Schienenpersonennahverkehrsprojekte nicht unter diesem Großprojekt leiden werden", so Herrmann.

Die Landtagsgrünen wollen das nicht glauben – sie fürchten, dass über Jahrzehnte hinweg Geld zum Beispiel für U- und Straßenbahnen, den Ausbau der Nürnberger S-Bahn oder für die Reaktivierung weiterer Bahnstrecken fehlen wird.

Kein Plan für die Region

Wie es beim Ausbau der Schiene im Großraum München jenseits des Riesenprojekts zweite Stammstrecke weiter gehen soll, bleibt vorerst offen. Das so genannte „13 –Punkte-Sofortprogramm“ für die Münchner S-Bahn ist offenbar Altpapier. Es wurde 2012 noch unter dem FDP-Minister Martin Zeil verabschiedet, aber zum Großteil nicht umgesetzt. Und der heutige CSU-Verkehrsminister Herrmann distanziert sich: „Da war man in der Vergangenheit nicht so präzise. Sondern hat nur gesagt, das wünschen wir uns. Ich will, dass wir mehr haben als einen Wunschzettel, sondern dass wir ein wirklich konkretes Konzept haben.“

In den nächsten sechs Monaten wollen Freistaat und Bahn gemeinsam mit den betroffenen Kommunen eine neue Prioritätenliste erarbeiten, bei der jede Baumaßnahme auch eine Jahreszahl bekommt. Der neue S-Bahn-Halt Poccistraße soll bald kommen, auch die Sendlinger Spange, die bei Sperrung der alten Stammstrecke eine Umleitung über den Bahn-Südring möglich macht. Andere Projekte dagegen dauern länger.

"Da wird jetzt für den Nordring noch keine Jahreszahl stehen. Da ist wichtig, dass man sich bewusst ist, auch das wollen wir anpacken. In einer ferneren Zukunft werden wir das auch brauchen, so wie der Ballungsraum München weiter wächst."

Joachim Herrmann

Die Diskussion über die zweite Stammstrecke hat über viele Jahre den Ausbau des Münchner Nahverkehrs blockiert. Jetzt, wo der gordische Knoten durchschlagen ist, warten – buchstäblich – viele Baustellen auf einmal.


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