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Ehre für evangelischen Theologen Augsburger Friedenspreis für Pfarrer Martin Junge

Der Augsburger Friedenspreis wird an Personen verliehen, die sich um ein tolerantes und friedfertiges Miteinander der Kulturen und Religionen verdient gemacht haben. Heute erhält der chilenische Pfarrer Martin Junge diese Auszeichnung. Er ist Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, dem Dachverband von 75 Millionen Lutheranern.

Von: Tilmann Kleinjung

Stand: 21.10.2017

Martin Junge | Bild: BR

31. Oktober 2016. Reformationstag: Der Papst betritt an der Seite eines evangelischen Pfarrers aus Chile den Dom von Lund in Schweden. Franziskus feiert gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund den Auftakt des 500-jährigen Jubiläums. Vor wenigen Jahren schien das noch ein Ding der Unmöglichkeit. Eine gemeinsame Reformationsfeier!

"Der 31. Oktober 2016 ist nicht die verrückte Idee zweier Lateinamerikaner gewesen – ein chilenischer Generalsekretär und ein argentinischer Papst, sondern ist das Ergebnis eines Dialogs, der wichtige Meilensteine gesetzt und eine Grundlage hergestellt hat."

Martin Junge

Aufgewachsen unter Pinochet

General Augusto Pinochet stürzte im September 1973 den demokratisch gewählten chilenischen Präsidenten Salvador Allende.

Martin Junge, der chilenische Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes ist überzeugt: Ökumene braucht einen langen Atem. Und die Spontaneität zweier Südamerikaner.


Martin Junge wurde 1961 in Chile als Sohn einer österreichischen Mutter und eines deutschen Vaters geboren. Er wurde groß in der Militärdiktatur des Augusto Pinochet.

"Es ist eine Zeit, in der ich die Kirche näher kennengelernt habe. Als einen Ort, der offen geblieben ist. Als einen Ort, aus dem eine unheimliche Kraft ausgegangen ist, um sich dem Nächsten zuzuwenden."

Martin Junge

In der Militärdiktatur hat der Protestant Martin Junge gelernt, dass im überwiegend katholischen Chile Konfessionsgrenzen nicht ganz so wichtig sind, wenn man für ein gemeinsames Ziel eintritt. Dass Kirche und die Ökumene der Kirchen nie ein Selbstzweck sind.

Seit seiner Gründung im Jahr 1947 engagiert sich der Lutherische Weltbund für Flüchtlinge.Damals seien es Menschen mit ungarischen, deutschen, baltischen Nachnamen gewesen, die zu schützen waren. Heute hätten diese Menschen andere Nachnamen und "trotzdem bin ich überzeugt, dass das keinen Unterschied macht."

Zuspruch für Kirchenasyl

Flüchtlinge im Dom St. Peter in Regensburg

Martin Junge findet es gut, dass sich die deutschen Kirchen in der Flüchtlingshilfe engagieren, in Extremfällen sogar Kirchenasyl gewähren. Es möchte die Kirchen immer wieder ermutigen. " Lassen sie sich die Nächstenliebe nicht ausreden", so Junge, "Arbeiten sie mit politischen, sozialen Akteuren zusammen, um diesen Auftrag aufrecht zu erhalten."

Dass Martin Junge in Augsburg mit dem Friedenspreis ausgezeichnet wird, passt. Hier verteidigte sein Namensvetter Martin Luther seine Lehre vor einem päpstlichen Gesandten. Junge gefällt dieses: Ich stehe hier und kann nicht anders. Genauso wichtig aber, sagt er, ist  die Bewegung aufeinander zu.

Augsburger Friedenspreis

Michail Gorbatschow im Oktober 2005 in Augsburg

Der Augsburger Friedenspreis wird nur alle drei Jahre verliehen. Die Auszeichnung ist mit 12.500 Euro dotiert.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow sowie der verstorbene Altbundespräsident Richard von Weizsäcker.


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