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Kostenloser Sport Sonnengruß statt Schmuddelecke in Augsburg

Mitten auf dem Königsplatz in Augsburg bietet die Stadt kostenloses Yoga an – als Zeichen, dass der Park nicht nur Betrunkenen und Obdachlosen gehört. Kreativität statt Polizeistreifen und Sicherheitswacht. Kann das klappen?

Von: Susanne Hofmann

Stand: 26.09.2017

Yoga am Königsplatz in Augsburg | Bild: BR / Susanne Hofmann

Nur eine Handvoll Hartgesottener wagt es an diesem Tag. Bei frischen 14 Grad sitzen sie im Schneidersitz auf Gymnastik-Matten - und das mitten auf dem Königsplatz, im Herzen von Augsburg.

30 Meter weiter strömt der Feierabendverkehr vorbei, Trauben von Menschen drängen in Trambahnen und Busse. Einige Passanten halten kurz inne und schauen: Mitten auf dem Augsburger Königsplatz hat eine Gruppe von Yogis ihre Matten ausgerollt und lädt zum Mitmachen ein.  

"Yoga passt zu jedem Ort und zu jedem Menschen ... eine Stille, eine innere Stille zu finden, die unabhängig ist von dem Lärm um uns herum."

Yogalehrer Mike Husmann

Die Stadt bietet die Yogastunden in Augsburg in den nächsten zwei Wochen kostenlos an, um den Königsplatz mit der sportlichen Aktion neu zu beleben und das Stadtbild dort nachhaltig zu verbessern. Eigentlich lädt der Königsplatz mit seinen vielen Bänken unter den hohen Kastanien zum Verweilen ein. Jugendliche treffen sich hier, Einkäufer ruhen sich aus, Kinder sammeln Kastanien. Für eine andere Gruppe ist er aber nicht nur irgendein Platz, sondern Wohnzimmer, Trinkstube und manchmal sogar Schlafplatz in einem. Oft halten sich Betrunkene hier auf.

Yoga für das gute Image

Stadtmarketingchef Ekkehard Schmölz hofft, dass die Yogastunden eine bessere Atmosphäre schaffen.

"Es ist ein imagebildender Platz und der soll für alle da sein, für die Augsburger, für die Besucher, für die Touristen. Was nichts bringt, das hat jeder festgestellt, wenn man einfach herkommt mit Polizei und sagt, ihr dürft da nicht mehr sein. Dann gehen sie zum nächsten Platz. Das Wichtige in einer Großstadt ist das Miteinander."

Stadtmarketingchef Ekkehard Schmölz

Der Leiter der Kriminologischen Forschungsgruppe des Landeskriminalamts ist der Meinung, dass die Sicherheitswacht in Augsburg das Sicherheitsgefühl der Bürger verbessern kann. Allerdings löse auch die Präsenz von Sicherheitswacht oder Polizei nicht das ursprüngliche Problem.

"Sie müssten versuchen, das Problem an der Wurzel zu packen, und einerseits an den Raumstrukturen etwas ändern, andererseits der Bevölkerung, die sich dort aufhält, Änderungen oder Angebote zu unterbreiten."

Leiter Kriminologische Forschungsgruppe Landeskriminalamt Johannes Luff

Für die Augsburger Yogis war die Stunde unter freiem Himmel etwas Neues.

"Am Anfang war's ein bisschen gewöhnungsbedürftig, man konnte sich nicht so wirklich konzentrieren, zu viel Lärm, zu viel Bewegung hier. Aber wenn man dann drin ist, warm wird, dann klappt das super."

Besucher der Yogastunde

Yoga erstmal nur der Anfang. Im nächsten Jahr sollen laut dem Stadtmarketing weitere sportliche und kulturelle Angebote am Königsplatz und an anderen Orten in Augsburg folgen.


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MaYa, Sonntag, 24.September, 09:14 Uhr

5. Na ja...

Sorry, aber ob das so viel appetitlicher und anregender ist, wenn man durch die Stadt geht und mehrere mehr oder weniger ausladende legginsbestrumpfte oder strampelanzugbekleidete Allerwerteste entgegen gehalten bekommt...???

gschaftlhuber, Samstag, 23.September, 15:55 Uhr

4. Dieser Satz ist eine Unverschämtheit

als Zeichen, dass der Park nicht nur Betrunkenen und Obdachlosen gehört

Und warum "gehört" er den Obdachlosen? Wieso? Sind die dort Freiwillig? Wollen die nicht in eine der zigtausend freien bezahlbaren Wohnungen?
Ab sofort sitzten also die Kirschkernkissenbesitzer im Park und bemitleiden sich gegenseitig ihren Wohlstandswehwehchen.
Motto: Euer Armut kotzt mich an. Verpisst euch.

Lea, Samstag, 23.September, 15:42 Uhr

3. Sehr schöne Initiative - ich wünsche viel Erfolg und Nachahmer

Das finde ich eine sehr schöne Idee, etwas Besinnliches wie Yoga auf öffentliche Plätze in Innenstädte zu bringen. In China ist so etwas weitverbreitet und oft üblich. Gerade in unserer von Stress, Hektik und Geschäftigkeit geprägten Zeit bringt das etwas Ruhe und Entspannung in unsere Gesellschaft, in der sich "Burnout" immer mehr zur Krankheit Nummer eins entwickelt. Ich hoffe, das Projekt wird zu einem festen, regelmäßigen Bestandteil und findet viele Nachahmer. Yoga und Entspannungstechniken sollten schon in der Schule gelehrt und geübt werden zur Vorbeugung einer immer mehr gestressteren Gesellschaft. Es wäre schön, wenn der BR mal eine Sendung über Entspannungstechniken in der Schule machen würde. Das ist ein sehr wichtiges Gesundheitsthema. Schon Schüler in der Schule kämpfen heute immer mehr mit Stress-Beschwerden. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Hans Holtz, Samstag, 23.September, 11:12 Uhr

2. Nur ein Herumdoktern an der Krankheit...

Es ist trotzdem traurig, dass es so weit gekommen ist. Wir war das doch vor 10, 15 Jahren noch schön, als man überall herum spazieren konnte, ohne auf kriminelle Subjekte und Abgehängte zu treffen.

  • Antwort von Wolf, Samstag, 23.September, 13:48 Uhr

    Jaja,früher war alles besser.....gähn.....und Abgehängte laufen am Montag durch die Innenstädte oder treffen sich am AfD-Stammtisch.

Hannah, Samstag, 23.September, 11:03 Uhr

1. Wer kommt bitte schön kommt auf solche Ideen...

Als erstes dachte ich, das kann nicht wahr sein, dann musste ich lachen! Hoffentlich erlebe ich den Tag nicht mehr, wenn diese Knalltüten Hosianna singend und in weißen Gewändern durch unsere Städte laufen.
Wer kommt eigentlich auf so eine Idee?.

  • Antwort von bergundtal, Samstag, 23.September, 15:51 Uhr

    Sowas gibt es schon lange in Hamburg und Berlin und wird sehr gut angenommen