Auch in Bayern Rätselhafte radioaktive Strahlung

Was ist nur die Quelle für diese radioaktive Strahlung? Europaweit, auch im niederbayerischen Fürstenzell, wurde Ruthenium-106 gemessen. Die Menge ist äußerst niedrig und gefahrlos. Doch die Herkunft gibt Rätsel auf.

Von: Patrizia Kramliczek

Stand: 06.10.2017

Bild: picture-alliance/dpa

Die radioaktive Strahlung ist minimal, "gerade so, dass sie eben noch festgestellt werden kann", erklärt Jan Lauer, Pressesprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz in Berlin. Dafür brauche man schon gute Geräte. So wurden in Fürstenzell im Landkreis Passau nach Messungen zwischen 25. September und 2. Oktober etwa 20 Mikrobequerel pro Kubikmeter Luft festgestellt. Das ist 250-mal weniger als zum Beispiel in Görlitz, wo etwa fünf Millibequerel pro Kubikmeter Luft gemessen wurde. "Selbst der Wert von Görlitz liegt 100.000-fach unter der Dosis, bei der Schutzmaßnahmen hätten angeordnet werden müssen", so Lauer. Würde man Luft mit dieser Belastung eine ganze Woche lang atmen, ergäbe sich eine Belastung von unter 100 Nanosievert. Das ist weniger als bei einer Stunde in der natürlichen Umgebungsstrahlung zusammenkommt. Das Bundesamt für Strahlenschutz sieht keine Gesundheitsgefährdung.

Mindestens tausend Kilometer östlich

Ungewöhnlicher ist, dass die Quelle der Strahlung unklar ist. "Dazu können wir noch nichts sagen", stellt Lauer fest, "da tappen wir noch im Dunkeln". Seit dem 29. September haben Messstationen in Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich niedrige Werte für das radioaktive Element registriert, das künstlich erzeugt wird und normalerweise in der Natur nicht vorkommt. Der Deutsche Wetterdienst hat neben Görlitz auch auf Rügen (Arkona), in Greifswald, Angermünde in Brandenburg, Cottbus und im erwähnten Fürstenzell Ruthenium-106 nachweisen können. Berechnungen und Analysen des Radiologischen Lagezentrums deuten darauf hin, dass der radioaktive Stoff in Osteuropa freigesetzt wurde, mindestens tausend Kilometer von Deutschland entfernt.

Kernkraftwerk ausgeschlossen

Einen Unfall in einem Kernkraftwerk kann das Bundesamt für Strahlenschutz ausschließen, weil ausschließlich Ruthenium-106 nachgewiesen wurde. Generell wird dieses Element in der Krebstherapie eingesetzt, insbesondere zur Behandlung von Augentumoren. Außerdem kommt es in Geräten zur Stromversorgung von Satelliten vor.