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Frankfurter Buchmesse Atwood erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Heute endet die 69. Buchmesse in Frankfurt. Am letzten Tag haben nochmals alle Lese-Interessierten Zutritt. Und eine wichtige Auszeichnung wurde vergeben: Margaret Atwood erhielt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Von: Florian Haas

Stand: 15.10.2017

In einer Feier ab 11 Uhr nahm Atwood in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen. Die 77 Jahre alte Autorin wird für "Humanität, Gerechtigkeitsstreben und Toleranz" in ihrem umfangreichen Schaffen geehrt. In ihren Romanen und Sachbüchern habe Atwood immer wieder politisches Gespür und Hellhörigkeit für gefährliche unterschwellige Entwicklungen und Strömungen gezeigt, wie es von der Jury heißt.

Kritik an der AfD

In ihrer Dankesrede setzte sich die Preisträgerin kritisch mit dem Einzug der AfD in den Bundestag auseinander. Bislang sei die Gruft des Rechtspopulismus in Deutschland für verschlossen gehalten worden, sagte die Kanadierin in der Frankfurter Paulskirche. "Doch irgendjemand hatte den Schlüssel und hat sie geöffnet." Nun stellten sich viele die Frage, was für ein Ungeheuer geboren werde.

Atwood sagte, derzeit sei "eine seltsame historische Zeit", in der ein mächtiger Wind blase und der Boden unter den Füßen wanke.

"Wir wissen auch nicht mehr so genau, wer wir sind."

Margaret Atwood

Dabei bezog sie sich vor allem auf die Situation in den USA nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten, auf den Brexit Großbritanniens, aber auch auf die Lage in Deutschland durch das Erstarken der AfD. Die Verleihung des Friedenspreises an die als wichtigste kanadische Autorin geltende Schriftstellerin, Essayistin und Dichterin fand vor rund tausend Gästen statt.

"Böse Wölfe" in den Netzwerken

Die Lage der Welt beschrieb die 77-jährige Atwood in einer Fabel mit einer Geschichte vom Wolf, der die Zivilgesellschaft abschaffe, und mit Kaninchen, die vor Verwirrung und Angst erstarrten. Die Bürger jedes Landes müssten sich die Frage stellen, in welcher Welt sie leben wollen.

Ironisch sagte die Autorin, sie erwarte nun von den Wölfen in den sozialen Netzwerken böse Kommentare. Es sei aber nicht überraschend, dass das Internet auch so schlechte Seiten wie Hasskommentare zeige. "Wie jedes menschliche Werkzeug hat es eine gute Seite, eine schlechte Seite und eine dumme Seite", sagte die Autorin über das Netz.

Kritikerin Trumps

Atwood veröffentlichte in den frühen 1960er Jahren erste Gedichte. Neben Lyrik, Kurzgeschichten, Theaterstücken, Essays und Kinderbüchern schrieb sie unter anderem die Romane "Der Report der Magd" (1985), "Das Jahr der Flut" (2009), "Die Geschichte von Zeb" (2013) und zuletzt "Hexensaat" (2016). Atwood, eine scharfe Kritikerin von US-Präsident Donald Trump, hat sich in ihren Werken auch einen Namen als Vorkämpferin für Frauenrechte und Umweltschutz gemacht.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vergeben wird, ist mit 25.000 Euro dotiert und ist einer der bedeutendsten Kulturpreise der Bundesrepublik Deutschland.


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Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund 2009, Montag, 16.Oktober, 00:21 Uhr

3.

In 2 Tagen wird Margaret Atwood mit dem Franz-Kafka-Literaturpreis der Franz-Kafka-Gesellschaft in Prag geehrt.

Barbara, Sonntag, 15.Oktober, 16:01 Uhr

2. Ich bin dafür, daß man einen "User-Preis" für die besten Beiträge im Forum

verleiht!

Zeitungsleserin, Sonntag, 15.Oktober, 12:08 Uhr

1. preiswürdig?

Ich kann mich nur noch an den Report der Magd erinnern - das "greislichste" Buch, das ich jemals geschenkt bekam. Das einzige Buch, das ich jemals weggeschmissen habe. Unleserlich, wirr - einfach Müll. Aber wie das mit den Preisen hierzulande ist - hat nichts zu bedeuten. Ich glaube, mitreden zu können (habe selbst über 2000 Bücher), lese täglich und viel.

  • Antwort von Wolf, Sonntag, 15.Oktober, 16:47 Uhr

    Frau Atwood hat den Literaturnobelpreis längst verdient,aber als Frau wird sie ihn nie bekommen.....und by the way,Report der Magd ist einer der besten und spannendsten Romane des letzten Jahrhunderts,sage ich,sagen Millionen von Lesern,sagt die Kritik. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von Desfred/Offred alias June, Montag, 16.Oktober, 00:02 Uhr

    @ Zeitungsleserin: Lesen heißt noch lange nicht verstehen. "Der Report der Magd/The Handmaid's Tale" wurde mit dem renommiertesten Literaturpreis Kanadas ausgezeichnet (Governor General’s Award for Fiction) und mit dem prestigeträchtigsten SF-Preis des Vereinigten Königreichs (Arthur C. Clarke Award). Er stand außerdem auf der Kurzliste des wichtigsten britischen Literaturpreises (Man Booker Prize for Fiction). Er kann also gar nicht so schlecht sein.