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Wegen Zugunglück Politischer Aschermittwoch fällt aus

Heftige Attacken auf den politischen Gegner - das finden alle Parteien nach dem schweren Zugunglück bei Bad Aibling unpassend. Deshalb haben CSU, Grüne, SPD, Linke und Freie Wähler den Politischen Aschermittwoch in Niederbayern abgesagt.

Stand: 09.02.2016

Die Entscheidung fiel bei der CSU in einer Telefonkonferenz der Parteispitze mit Parteichef Horst Seehofer. Dieser wird Mittwoch die Unglücksstelle bei Bad Aibling aufsuchen.

Vor dem Hintergrund des tragischen Zugunglücks wolle die Partei die Veranstaltung in der Passauer Dreiländerhalle nicht abhalten, erklärte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer.

"Ganz Bayern trauert um die Toten der Zugkatastrophe. Wir sind mit unseren Gedanken bei den Opfern, den Verletzten und den Angehörigen. Aus Respekt vor den Opfern des tragischen Zugunglücks findet der morgige Politische Aschermittwoch der CSU nicht statt."

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär

Auch SPD, Grüne, Linke und Freie Wähler verzichten

Auch die Bayerischen Grünen sagten ihren politischen Aschermittwoch ab. Das meldete die Partei auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Dort hieß es: "Grüner Politischer #Aschermittwoch mit Claudia Roth findet nicht statt aus Respekt vor den Opfern des Zugunglücks in Bad Aibling".

Kurz danach entschloss sich auch die bayerische SPD, ihre Veranstaltung im niederbayerischen Vilshofen abzusagen.

"Der Aschermittwoch lebt von der Auseinandersetzung und dem Schlagabtausch. Dafür ist heute kein Raum."

Florian Pronold, SPD-Landeschef

Die Linkspartei erklärte, aus "Respekt vor den Toten und Schwerverletzten" verzichte man auf die Veranstaltung in Passau. Auch die Freien Wähler trauern um die Opfer des Zugunglücks, der Politische Aschermittwoch in der Stadthalle Deggendorf entfalle deshalb. Als letzte der Parteien sagte die AfD ihren politischen Aschermittwoch in Niederbayern ab.

Angesichts des Zugunglücks in Bayern sagt auch die CDU eine Veranstaltung zum Politischen Aschermittwoch mit Kanzlerin Angela Merkel in Mecklenburg-Vorpommern ab. Das teilte die CDU-Zentrale in Berlin mit.

Anteilnahme statt Aschermittwoch

Ob Krisen, Anschläge oder Naturkatastrophen - seit mehr als sechs Jahrzehnten ist noch kein Politischer Aschermittwoch in Bayern flächendeckend ausgefallen. Nach dem verheerenden Zugunglück verzichten die Parteien lieber, denn: Die Kundgebungen vertragen sich nicht mit Tod und Trauer. Insbesondere bei der CSU ist der Aschermittwoch seit jeher eine Veranstaltung, bei der sich die Partei und die 3000 Zuhörer in Passau selbst feiern. Partystimmung aber wäre nach einem so schweren Zugunglück unpassend und würde mit Sicherheit Kritik in den Medien und den sozialen Netzwerken nachsichziehen.

Die Zugkatastrophe am Faschingsdienstag

Am Morgen des Faschingsdienstags war es gegen 6.50 Uhr auf der Verbindung zwischen Rosenheim und Holzkirchen zu einem verheerenden Zusammenstoß zweier Meridian-Züge gekommen. Mindestens neun Menschen kamen dabei ums Leben, darunter wohl auch die beiden Zugführer. Rund 80 Passagiere wurden teils schwer verletzt.

Bei dem frontalen Zusammenstoß der beiden Pendler-Züge, die von der privaten Bahngesellschaft „Bayerische Oberlandbahn“ betrieben werden, handelt es sich um das schwerste Zugunglück in Deutschland seit 2011. Damals starben zehn Menschen, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt zusammenstießen. In Bayern liegt ein schlimmeres Unglück bis 1975 zurück, als bei Warngau zwei Eilzüge frontal aufeinander prallten und 41 Menschen starben.


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