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Lockrufe So sollen Ärzte aufs Land kommen

Ein Drittel der Hausärzte in Bayern ist 60 Jahre oder älter. Wenn diese Ärzte in Rente gingen, braucht es dringend medizinischen Nachwuchs. Aber der fehlt. Rund 600 Hausärzte in Bayern gehen jedes Jahr in den Ruhestand. Doch es kommen nur 250 Ärzte nach. Dabei gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen, mit denen die Ärzte aufs Land gelockt werden.

Von: Lena Deutsch, BayernCenter

Stand: 31.05.2016

Ein Schild an einem Haus weist in der kleinen Gemeinde Saulgrub (Bayern) auf eine Arztpraxis hin  | Bild: picture-alliance/dpa

Stipendien für Studierende

Nur zehn Prozent der Medizinstudenten wollen Hausarzt werden – und davon sind wiederum nur zehn Prozent bereit, aufs Land zu gehen. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml will deshalb schon Studenten den Beruf des Landarztes schmackhaft machen - mit einem Stipendium. 300 Euro gibt es im Monat - dafür müssen die jungen Ärzte nach dem Studium mindestens fünf Jahre auf dem Land arbeiten. Bewerben können sich Humanmediziner ab dem dritten Studienjahr.

Bayernweit werden momentan 108 Studenten gefördert. Allerdings: Einige Medizinstudenten geben auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks offen zu, dass sie das Stipendium zwar gerne in Anspruch nehmen, doch auch ohne Geld wieder zurück in ihre Heimat gegangen wären. Ist die Förderung also sinnlos? Nein, meint die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KBV). Dort geht man durchaus davon aus, dass das Stipendium im Großen und Ganzen motivierend wirkt. Außerdem hat es noch einen entscheidenden Vorteil:

"Der Ansatz ist gut, weil man so eine Planbarkeit hat, wer wann Landarzt wird."

Birgit Grain, Kassenärztliche Vereinigung Bayerns

Schnupperpraktika

Ein wichtiger Weg, um die Studenten für das Leben auf dem Land zu begeistern, ist, es ihnen so früh wie möglich schmackhaft zu machen - ihnen zu zeigen, dass die persönliche Beziehung zu den Patienten durchaus die hohe Arbeitsbelastung und die vielen Bereitschaftsdienste aufwiegen kann. Seit 2013 müssen deshalb alle Medizinstudenten verpflichtend ein einmonatiges Praktikum in einer hausärztlichen Praxis absolvieren. Gehen sie dafür aufs Land, gibt es bei der KVB im Rahmen des Projekts "Land.in.Sicht" einen finanziellen Zuschuss von 300 Euro. Der Bayerische Hausärzteverband und die Techniker Krankenkasse zahlen sogar einen Betrag von bis zu 500 Euro - Geld das sich aus ihrer Sicht lohnt!

"Das Programm wird sehr gut angenommen, bei uns sind heuer 30 Stellen verfügbar – sie sind bereits alle ausgeschöpft."

Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes

Inwieweit durch die Schnupperpraktika tatsächlich Medizinstudenten langfristig am Leben auf dem Land Gefallen finden, ist derzeit aber noch nicht ermittelbar.

Finanzielle Starthilfe

Bis zu 60.000 Euro Starthilfe für die eigene Praxis gibt es vom Bayerischen Gesundheitsministerium für Ärzte, die sich in Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern niederlassen wollen. Und immerhin bis zu 15.000 Euro bekommen sie, wenn sich in einer Filialpraxis, also Teilzeit, auf dem Land arbeiten. Das Geld erhalten nicht nur Hausärzte, sondern Mediziner fast aller Fachrichtungen. Auch Vertragspsychologen werden gefördert – sie erhalten allerdings nur ein Drittel der Fördergelder.

Aktuell werden bayernweit 150 Niederlassungen und Filialen unterstützt. Die Ärzte verpflichten sich, für mindestens fünf Jahre in der betreffenden Region zu bleiben. Voraussetzung ist, dass es sich um nicht überversorgte Regionen handelt.

"Das ist ja doch im Bereich von mehreren 100.000 Euro, muss man ganz ehrlich sagen, die da an Investitionen anfallen und da ist es einfach enorm hilfreich wenn man diese Förderung bekommt und ich hätte es mich sonst einfach nicht getraut, für mich war das schon ausschlaggebend."

Gerhard Adelsberger, Allgemeinarzt in Ampfing, Landkreis Mühldorf

Das staatliche Förderprogramm gibt es seit 2012. 240 neue Landärzte sind seitdem bayernweit gefördert worden.

Auch die KVB ist aktiv – sie fördert Landärzte und Psychologen, unabhängig von der Größe der Gemeinden. Und unabhängig davon, ob ländlicher Raum oder nicht. Denn einen Ärztemangel gibt es auch im Norden Schweinfurts oder im Süden Ingolstadts. Die Förderung ist breit gefächert: Es gibt Zuschüsse für Ärzte die sich niederlassen, eine Zweigpraxis errichten oder ihre Praxis über das Alter von 63 hinaus weiterführen. Die Höhe der Förderung ist abhängig davon, wie groß der Bedarf ist: Die KVB unterscheidet zwischen unterversorgten und drohend unterversorgten Bereichen. Maximal gibt es 90.000 Euro. Auch wer einen Arzt in seiner Praxis einstellt, erhält eine finanzielle Entschädigung – immerhin 4.000 Euro pro Quartal für zwei Jahre.

Landärzte-Förderung in Bayern
FörderquelleEmpfängerMaximale Höhe der FörderungVerpflichtung als Landarzt
GesundheitsministeriumStudenten14.4005 Jahre
Ärzte60.000 (20.000 für Zweigpraxis)5 Jahre
Vertragspsychologen20.000 (5.000 für Zweigpraxis)5 Jahre
Kassenärztliche Vereinigung BayernsÄrzte90.000 (22.500 für Zweigpraxis)5 Jahre
Vertragspsychologen30.000 (7.500 für Zweigpraxis)5 Jahre
Ärzte über 6336.000 (18.000 für Zweigpraxis)2 Jahre

Senkung des NCs?

Ob von den Ärzten selber – oder von der Opposition – es gibt immer wieder Vorschläge den Numerus Clausus für's Medizinstudium zu lockern.

"Es kann nicht nur der ein guter Arzt sein, der einen Abiturschnitt von 1,0 hat."

Hubert Aiwanger, Parteichef der Freien Wähler in Bayern

Gesundheitsminsterin MelanieHuml lehnt zwar eine Senkung des NCs ab, grundsätzlich arbeitet aber gerade eine Expertenrunde auf Bund-Länder-Ebene an einem Reformkonzept des Medizinstudiums. Unter anderem sollen die Auswahlkriterien für Studienplätze erweitert werden. So könnten etwa Eigenschaften wie soziale Kompetenz und das vorherige Engagement eines Bewerbers im medizinischen Bereich einen höheren Stellenwert erhalten als bisher. Das Reformkonzept soll bis Mitte 2016 vorliegen.

Praxisräume und Mietzuschüsse

Die ländlichen Gemeinden in Bayern sind aber auch selber kreativ, wenn es um die Anwerbung von Ärzten geht: Im schwäbischen Landkreis Dillingen an der Donau investierte die Gemeinde Bachhagel 300.000 Euro in ein passendes Praxisgebäude. Trotzdem musste die Gemeinde einen Headhunter einschalten, bis – nach rund 5 Monaten – endlich ein Arzt gefunden war.

Andere bayerische Kommunen gewähren großzügige Mietzuschüsse für die ersten Jahre und bieten Unterstützung für die Wohnungssuche des Partners – wie etwa im niederbayerischen Schönau. Trotzdem ist die Liste der Gemeinden, die aktuell im Internet nach Hausärzten suchen, lang.


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Kommentare

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Sonstwer, Dienstag, 31.Mai, 11:37 Uhr

2. Irreführend

.. ist - wie leider so oft - auch der Artikel durch zu großer Oberflächlichkeit.
Kaum jemand kann wohl mit der Einschränkung "... In nicht überversorgten Regionen" was anfangen.
So eine Region ist ziemlich groß und enthält i.d.R auch größere Mittelzentren - die dann meist überversorgt sind.
Da aber das angegliederte Umland - auch bisweilen bis 50 km entfernt - zur Region zählt, bekommt kein
Arzt, der sich dort in einer Kleinstadt ohne Arzt niederlässt auch nur einen Pfennig.
Da muss man schon in bestimmte Ecken an der NO-Grenze, in Regionen weitab aller Zentren um so eine Förderung zu bekommen.
Eine typische Irreführung und damit wird man auch kaum Ärzte auf dem Land halten - wo doch in den Zentren auch die Einnahmen höher liegen
(z.B allein schon auch durch privat versicherte Beamte).

Landei, Dienstag, 31.Mai, 07:00 Uhr

1. Lieber...

.. gehe ich zu einem Heilpraktiker, der von da kommt und dort Wurzeln hat als zu einem Koofmich mit Studium.
Der HP schickt mich, wenn's schlimm ist, in's Krankenhaus - das tut der Arzt auch.
Ahnung hat letzterer nicht mehr als Erstgenannter; das einzige, was er mehr darf: Krank- und Antibiotika verschreiben.
Bloß: Der HP gilt als "medizinischer Laie", und der Arzt als "Gott in Weiß", dem man - siehe Artikel - Puderzucker in den Hintern pustet.
Der HP hat eine Gebührenordnung zur Abrechnung, die sich wirtschaftlich kaum mehr rentiert als Milchbauer zu sein.
Der Arzt hat die FDP und Herrn Montgomery, und ist seit Jahrzehnten innigst mit der Politik verzahnt. Wer ko, der ko.

  • Antwort von Wunderheiler, Dienstag, 31.Mai, 07:54 Uhr

    Es gibt unfähige Ärzte und unfähige Heilpraktiker. Aber auch der Glaube kann heilen...

  • Antwort von @ Wunderheiler, Dienstag, 31.Mai, 08:16 Uhr

    Was für ein konstruktiver, kostbarer Kommentar!

  • Antwort von Bernhard, Dienstag, 31.Mai, 11:51 Uhr

    Es hat sicher seine Berechtigung, das es Heilpraktiker gibt.
    Aber die Ärzte deswegen so schlecht zu reden, ist falsch.
    Und mal ehrlich, was kann denn der Heilpraktiker tun, wenn ihr (z.B. Kind) beim Spielen sich eine Fleischwunde zuzieht?
    Stark überzogen kann ich auch sagen : Ich möchte einen Braten am Sonntag, an das Tier darf aber nur der "Tierflüsterer" und keine Metzger.