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Der Aufschwung kommt nicht an Armutsregion Ruhrgebiet

Keine Region verwahrlost und verarmt so sehr wie das Ruhrgebiet. Nirgendwo leben so viele bedürftige Menschen, vor allem Kinder wie in Dortmund, Duisburg ober Oberhausen. Am schlimmsten: die Armut wird vererbt und die Verhältnisse zementieren sich über Generationen.

Von: Wolfram Goetz

Stand: 27.07.2016

Mitarbeiter der Gelsenkirchener Kindertafel beim Zubereiten der Pausenbrote

Manche Kinder gehen morgens mit Currywurst und Pommes vom Vortag in die Schule. Andere müssten mit einem leeren Magen die Unterrichtsstunden durchstehen – wenn es nicht die Gelsenkirchener Kindertafel gäbe. Dort werden Käsebrote geschmiert und Obst gerichtet. Und ein Fahrer der Tafel beliefert 15 Schulen der Stadt mit Paketen für die Schulkinder. In Gelsenkirchen leben nämlich 40 Prozent aller Kinder in Hartz-IV-Haushalten.

Obdachloser in der Dortmunder Fußgängerzone

Ähnlich viele sind es in den anderen Ruhrgebiets-Städten. Ihre Eltern haben selten qualifizierte Berufe. Deshalb geht auch das deutsche Jobwunder am Ruhrgebiet vorbei. Dort gibt es nämlich mehr als im Rest der Republik gering- oder niedrigqualifizierte Menschen.

Oberhausen - Teufelskreis der Tristesse

Bröckelnder Putz - Straßenzug in Oberhausen-Osterfeld

Oberhausen hat eine deprimierende Innenstadt. Fast nur noch Ein-Euro-Shops und Discounter, ansonsten Leerstände. Die Tristesse ist ein Teufelskreis. Besucher bleiben aus, und die Verwahrlosung breitet sich weiter aus. Barbara Konrad betreibt in einer Seitenstraße eines der letzten Inhaber-geführten Geschäfte. Seit 26 Jahren verkauft sie hochwertige Damenunterwäsche und beobachtet dabei den Niedergang:

Barbara Konrad

"Schlechter geht es fast nicht mehr. Die Innenstadt ist so ziemlich tot."

Barbara Konrad, Geschäfts-Inhaberin in Oberhausen

Mit dem Rotstift gegen die Schulden

Der Kämmerer von Oberhausen hat fast überall den Rotstift angesetzt. Bei Kultur, Sport, Jugendarbeit wurde gespart, Schwimmbäder wurden geschlossen. Die am meisten überschuldete Stadt Deutschlands versucht so aus der Misere zu kommen. Aber das habe Grenzen, sagt Kämmerer Apostolos Tsalastras, dann werde Oberhausen komplett unattraktiv für Erfolgreiche und Familien mit guten Einkommen, die einer Stadt wieder Auftrieb geben.

Apostolos Tsalastras

"Was wir unbedingt vermeiden wollen, ist eine Entwicklung wie in Frankreich, wo in den Banlieues nur noch Leute wohnen, die von Sozialhilfe leben."

Apostolos Tsalastras, Kämmerer von Oberhausen

Die B5 Reportage

Armutsregion Ruhrgebiet  - Nirgendwo sonst in Deutschland sind die Strukturen so zementiert

Reportage am Sonntag, 31.7.2016, 14:35 und 21:35 Uhr, B5aktuell

Autor: Wolfram Goetz
Redaktion: Susanne Betz

  • Dr. Susanne Betz, Redakteurin in der Redaktion Politik und Hintergrund | Bild: BR/Susanne Betz Susanne Betz

    Redakteurin und Reporterin. Redaktion Politik und Hintergrund.


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