Armstrong-Interview Die Beichte des siebenfachen Toursiegers
Jahrelang hatte er geschwiegen oder geleugnet - jetzt hat Ex-Radprofi Lance Armstrong ganz offen zugegeben: Er hat jahrelang gedopt. Und das sei für ihn so selbstverständlich gewesen wie "Reifen aufpumpen".
Das Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey war am Montag aufgezeichnet worden. In der vergangenen Nacht wurde der erste Teil ausgestrahlt. Dabei ging es ohne Umschweife gleich zur Sache: Armstrong gestand ein, dass EPO, Eigenblut, Kortison und Wachstumshormone bei all seinen Tour-de-France-Siegen im Spiel gewesen seien.
Von Mitte der 90er Jahre bis 2005 habe er mit dem "Cocktail" gearbeitet, sagte Armstrong. Nicht aber danach: In seinen Comeback-Jahren ab 2009 sei er "clean" gefahren. Zu dieser Zeit seien auch die Doping-Kontrollen schon effektiver gewesen.
"Ich werde den Rest meines Lebens mit dem Versuch zubringen, Vertrauen zurückzugewinnen und mich bei den Leuten zu entschuldigen."
Lance Armstrong, Ex-Radprofi.
Der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, Fahey, reagierte mit Unverständnis. Armstrongs Erklärung im Fernsehen sei ein bequemer Weg, seinen Betrug zu rechtfertigen, sagte Fahey. Auch Armstrongs Behauptung, sich nicht als Betrüger gefühlt zu haben, verleihe im keine Glaubwürdigkeit.
"Er lag daneben, er betrog, und dafür gibt es keine Entschuldigung."
WADA-Präsident John Fahey.
Was Lance Armstrong jetzt endlich zugegeben hat, hatte ihm die US-Anti-Doping-Agentur USADA schon lange vorgeworfen. Sie hatte auch erdrückendes Beweismaterial gegen ihn zusammengetragen. Trotzdem: Viele Jahre lang hatte er alle Vorwürfe von sich gewiesen.
Berühmte Erklärungen - oder Ausreden?
Wulff
"Trotzdem ist man Mensch und macht Fehler."
(Bundespräsident Christian Wulff im Fernsehinterview am 4.Januar 2012 - zu seinem Anruf auf der Mailbox des BILD-Chefredakteurs)
Clinton
"I did not have sexual relations with that woman - Miss Lewinsky."
(Der US-Präsident in einer Pressekonferenz am 26. Januar 1998)
Ullrich
"Ich habe in meiner ganzen Karriere niemanden betrogen oder ausgenutzt."
(Statement auf der Homepage von Jan Ullrich am 8.April 2007 - wenige Tage zuvor waren Blutbeutel mit seiner DNA in Spanien entdeckt worden.)
Guttenberg
"Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir."
(Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor Journalisten in Berlin, 18. Februar 2011)
Baumann
"Seine Zahnpastatuben waren verseucht, erwiesenermaßen eine alte Stasi-Methode."
(Der Molekularbiologe und Dopingkritiker Werner Franke, 2006 - sieben Jahre nach den Dopingvorwürfen gegen den deutschen Leichtathleten Dieter Baumann.)
Kohl
"Da sagte der Bundeskanzler. 'Nein'. Das ist richtig. Möglicherweise hat er einen 'Blackout' gehabt."
(Heiner Geißler am 19. Februar 1986 - Kohl hatte in einem Untersuchungsausschuss bestritten, genaueres über die Funktion der 'Staatsbürgerlichen Vereinigung' als Spendensammeleinrichtung zu wissen.)
Clinton (2)
"I didn't inhale and never tried it again."
(Präsidentschaftskandidat Bill Clinton in der TV-Sendung '60 Minutes', nachdem er eingeräumt hatte, Marihuana geraucht zu haben, 26. Januar 1992.)
Armstrong
"Die Wahrheit lautet anders als alles, was ich gesagt habe"
(Ex-Radprofi Lance Armstrong im Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey, ausgestrahlt am 18. Januar 2013)

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