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Wo bleibt der Datenschutz? AOK fördert Apps und Apple Watch

Gesundheits-Apps liegen im Trend. Das machen sich auch die Krankenkassen zunutze. Immer mehr Krankenversicherungen bieten Apps an, die Daten wie Herzfrequenz, Trainingszustand oder gar die komplette Krankengeschichte erheben können. Daten- und Verbraucherschützer sind skeptisch. Auch der bayerische Datenschutzbeauftragte Thomas Petri. Er warnt vor einem leichtfertigen Umgang mit Gesundheitsdaten.

Von: Bader, Nadine

Stand: 09.08.2015

Schritte zählen, Blutdruck messen und die Schlafdauer dokumentieren. Die eigene Selbstvermessung und Sammlung von medizinischen Daten hat Hochkonjunktur.

Krankenkassen wittern das Geschäft

Natürlich zeigt die Apple Watch auch die Uhrzeit an. Sie sammelt aber auch reichlich Daten über ihren Träger.

Ein Trend, den die Krankenkassen unterstützen. Schon heute bieten viele Krankenkassen ihren Versicherten spezielle Apps an, um die Gesundheit zu fördern. Einige Kassen zahlen im Rahmen von Bonusprogrammen sogar einen Zuschuss für sogenannte Fitness-Tracker, also zum Beispiel Hightech-Armbänder mit Bewegungssensoren. Die AOK Nordost beispielsweise bezuschusst den Kauf einer Apple Watch mit 50 Euro.

Neue Zielgruppen

AOK

Die AOK bietet derzeit beispielsweise etwa 30 gesundheitsbezogene Apps an. Der Leiter der Abteilung Prävention vom AOK-Bundesverband, Kai Kolpatzik, ist überzeugt von deren Nutzen. Es gehe vor allem darum, neue Menschengruppen zu erreichen, die bisher wenig mit Gesundheitsförderung und gegebenenfalls Lebensstiländerung zu tun gehabt hätten. Zum Beispiel technikaffine Männer. Er selbst nutze eine Lauf-App, um seine Vitaldaten zu erfassen und um festzuhalten, wie sich sein Gesundheits- und Leistungsverhalten entwickelt. Das Angebot bei den gesetzlichen Krankenversicherungen geht von speziellen Schwangeren-Apps, Apps zur Abnehmhilfe bis hin zu Diabetes-Tagebüchern.

Hochsensible Daten

Das Interesse der Krankenkassen, ihren Mitgliedern mit dem Angebot zu einem gesünderen Leben zu verhelfen – und selbst langfristig Kosten einzusparen, ist nachvollziehbar. Aber Daten- und Verbraucherschützer sind skeptisch: Mit der Nutzung von Gesundheits-Apps und von Fitness-Trackern geben die Versicherten persönliche Informationen weiter, die ausgewertet werden könnten. Der bayerische Datenschutzbeauftragte, Thomas Petri, warnt vor einem leichtfertigen Umgang mit den eigenen Gesundheitsdaten. Die Mitglieder gesetzlicher Kassen seien zwar per Gesetz vor der unbedachten Preisgabe sensibler Daten geschützt. Und Krankenkassen dürften personenbezogene Daten ihrer Versicherten nur insoweit sammeln, als dies für ihre Aufgabenerfüllung erforderlich sei. Trotzdem hat Thomas Petri datenschutzrechtliche Bedenken.

Thomas Petri

"Das Problem bei den gesetzlichen Krankenversicherungen ist: Wenn sie Apps anbieten, die nicht von ihnen selber entwickelt worden sind, dann stellt sich die Frage: Wer bekommt denn eigentlich die Daten, die diese App erhebt, wo gehen diese Daten hin? Gehen sie an die Krankenkasse zurück? Dann stellt sich die Frage: Was macht die Krankenkasse mit solchen Daten? Wenn die Daten nicht an die Krankenkasse fließen, sondern an andere, zum Beispiel den App-Entwickler oder einen Anbieter, stellt sich die Frage: Was macht der denn mit den Daten?"

Thomas Petri, Bayerischer Landesbeauftragter für den Datenschutz

Solche Anbieter seien nicht wie die Krankenkasse an eine besondere gesetzliche Schweigepflicht gebunden.

"Ein solcher Anbieter wird also die Neigung haben, wenn sich das wirtschaftlich lohnt - und Gesundheitsdaten lohnen sich wirtschaftlich, damit kann man richtig viel Geld verdienen, diese Daten kommerziell zu verwerten. Dabei geht es mitnichten nur um die Frage von Werbung, sondern da geht es durchaus auch um Fragen, wie versicherungswürdig ein Versicherter ist und welche Krankendienstleistungen nötig sind. Das sind also auch Daten, die für solche Dienstleister wirtschaftlich interessant sein können."

Thomas Petri, Bayerischer Landesbeauftragter für den Datenschutz:

Auch beim Leiter der Abteilung Gesundheit vom Verbraucherzentrale Bundesverband, Kai Vogel, überwiegen die Bedenken.

"Wenn man solche Angebote nutzt, werden die Daten irgendwo gespeichert. Wenn es nicht bei der Versicherung ist, kann es an anderer Stelle sein, möglicherweise in den USA. Und da sollte man sich natürlich schon fragen: Möchte ich das überhaupt, und wo genau werden die Daten denn gespeichert?"

Kai Vogel (Leiter Gesundheit, Verbraucherzentrale Bundesverband)

Noch größere Einwände haben Datenschützer bei privaten Krankenversicherungen. Sie dürfen über die Einwilligung ihrer Versicherten ihren Handlungsspielraum erweitern und können so auch mehr Daten sammeln, als sie eigentlich für die Vertragserfüllung benötigen. Für Aufregung in den Medien sorgte beispielsweise die Ankündigung der Generali-Versicherungsgruppe, dass Versicherte, die selbst Gesundheitsdaten über sich sammeln und an die Generali Versicherungs-AG weiterleiten, eine Gratifikation wie Gutscheine, Geschenke oder Rabatte erhalten sollen. Ein solches Angebot soll bis zum kommenden Jahr zu Verfügung stehen.

Profilgenaue Angebote mittels Datensammlung

Lauf- App

Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff fordert deshalb vor allem von Versicherten privater Kassen, nicht unbedacht mit ihren Gesundheitsdaten umzugehen. Die Übermittlung der Daten könnte zu Prognosen über die künftige gesundheitliche Entwicklung der Versicherten führen und dazu genutzt werden, profilgenaue Angebote zu unterbreiten, das Leistungsspektrum entsprechend anzupassen oder künftige Risikozuschläge zu berechnen. Sie sieht auch den Gesetzgeber in der Pflicht, den Schutz der Versicherten auszuweiten.

"Die Mitglieder gesetzlicher Kassen sind durch Gesetz vor der unbedachten Preisgabe sensibler Daten und den damit verbundenen unabsehbaren Folgen geschützt. Der Gesetzgeber sollte erwägen, diesen Schutz auch den Versicherten privater Kassen zu gewähren."

Andrea Voßhoff, Bundesbeauftragte für den Datenschutz:

Regierung lässt es laufen

Die Bundesregierung sieht bisher keinen Handlungsbedarf. In der Antwort der Bundesregierung vom 28.1.2015 auf eine Anfrage der Linken zu Datensammlungen über Versicherte in der privaten Krankenversicherung heißt es:

"Die Bundesregierung geht davon aus, dass Versicherte sich der besonderen Bedeutung ihrer Daten zum persönlichen Lebenswandel und ihrem Gesundheitsverhalten bewusst sind und daher sorgsam und zurückhaltend mit der Weitergabe entsprechender Informationen umgehen."

Antwort auf eine Anfrage der Partei 'Die Linke'

Zudem sei anzunehmen, dass die Versicherungsunternehmen, die erwägen, entsprechende Tarife anzubieten, selbstverständlich nicht nur die Vorgaben des Datenschutzes vollständig befolgen werden, sondern darüber hinaus mit der notwendigen Sorgfalt und Verantwortung mit diesen zur Verfügung gestellten Informationen umgehen werden. Aber auch der Leiter der Abteilung Prävention vom AOK-Bundesverband, Kai Kolpatzik, hat gegenüber bestimmten Angeboten, die derzeit bei privaten Krankenversicherungen in Planung sind, Vorbehalte.

"Bei den privaten Krankenversicherungen ist derzeit eine Tracking-App geplant, um damit einen günstigeren Tarif zu verbinden. Das würden wir als gesetzliche Krankenkasse auf keinen Fall machen, das widerspricht dem Solidarprinzip. Was vorstellbar ist und was wir bereits auch schon machen, ist, gesundheitsförderliches Verhalten auch über die Nutzung von Apps entsprechend zu bonifizieren."

Kai Kolpatzik (Leiter Abteilung Prävention; AOK-Bundesverband):

Mit bestimmten Gesundheitsdaten würde auch Kai Kolpatzik grundsätzlich vorsichtig umgehen. Zum Beispiel würde der Leiter der Abteilung Prävention beim AOK-Bundesverband mittels App keine Diagnosen festhalten und kein Symptom-Tagebuch führen, wenn er nicht sicher sein könne, dass die Daten an einem vertrauenswürdigen Ort gespeichert würden. Und wenn sensible Gesundheitsdaten in die Hände von beispielsweise App-Store-Betreibern gelangen - was auch die gesetzlichen Krankenkassen nicht für all ihre Apps ausschließen können - haben Datenschützer große Bedenken, dass es sich um vertrauenswürdige Speicherorte handelt.


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klaus Schleusener, Dienstag, 11.August, 11:32 Uhr

1. http://www.arztpraxis-schleusener.de

au weia. Die Menschen haben leider gar kein Gespür dafür, dass Daten die einmal im Netz sind, im Netz bleiben und von interessierten Leuten auch gefunden werden. Was geht eine mir unbekannte Firma meine Blutdruckwerte an? Die Krankenkasse geht das auch nichts an. Früher oder später gibt es Software, die anhand der Daten eines Aktivitätstrackers herausfindet wer wann zu hause ist. Wundervoll für Einbrecher.
Und die Krankenkasse bezuschußt jetzt technikaffine Männer die sich eine Apple Watch leisten können. Na vielen Dank.
Gruß
Klaus Schleusener, Karlsruhe