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Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt "Viel zu viele antibiotikaresistente Keime in Fleischproben"

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat besorgt auf Meldungen reagiert, wonach im Einzelhandel erhältliches Hähnchen- und Putenfleisch nach wie vor mit antibiotikaresistenten Keimen belastet ist. Zuvor hatte BR Recherche aktuelle Ergebnisse von hunderten Probenuntersuchungen aus den Ländern veröffentlicht.

Von: Arne Meyer-Fünffinger

Stand: 13.09.2017

Hähnchenkeulen | Bild: picture-alliance/dpa

"Das ist viel zu viel, keine Probe sollte mit resistenten Keimen belastet sein - wo immer die herkommen", sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt der ARD. Hintergrund: BR Recherche hatte zuvor neue von Behörden in aus den Bundesländern erhobene Ergebnisse über untersuchte Hähnchen- und Putenfleischproben aus dem Einzelhandel veröffentlicht. Die Zahlen stammen aus einer Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion.

Die Untersuchungsbehörden der Länder haben im Jahr 2016 mehrere hundert Fleischproben aus dem Einzelhandel genommen, um auf sie auf antibiotikaresistente Keime zu untersuchen. Darunter Putenfleisch. Alleine hier nahmen die Behörden über 450 Proben, um sie zum Beispiel auf MRSA-Keime zu testen. Diese Keime spielen nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, kurz BVL, weltweit eine große Rolle ”als Verursacher von zum Teil schwerwiegenden Krankenhausinfektionen“, so das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Teilweise Keime in fast jeder zweiten Probe nachweisbar

Das Ergebnis nach Untersuchung der Putenfleisch-Proben: In fast jeder zweiten waren MRSA-Keime nachweisbar. Bei Hähnchenfleisch betraf das bei über 400 genommenen Proben mehr als jede Zehnte. Mit Blick auf so genannte ESBL-Bakterien, die ebenfalls resistent sind gegen Antibiotika, fielen die Ergebnisse ähnlich aus. Diese Keime sind nach BVL-Angaben Verursacher von Krankenhausinfektionen: "Vor allem bei Risikopatienten wie Neugeborenen kann eine Besiedelung mit ESBL-bildenden Bakterien schwerwiegende Infektionen auslösen."

Bei fast jeder zweiten von ebenfalls mehr als 418 Hähnchenfleischproben und von 459 Putenfleischproben war dieser Keim nachweisbar. Das Bundeslandwirtschaftsministerium empfiehlt, diese Lebensmittel vor dem Verzehr durchzugaren.

Antibiotika-Abgabemenge an Tierärzte gesunken

"Das ist ein Thema, das wir nicht unterschätzen dürfen, deswegen muss es weiter reduziert werden. Und wir haben reduziert", kommentierte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt diese Zahlen außerdem. Er spielte damit auf ebenfalls heute vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlichte Zahlen zu den Abgabemengen von Antibiotika an Tierärzte an.

Danach ist die Summe der Antibiotika-Mengen, die Pharma-Firmen an Veterinäre geliefert haben, zwischen 2011 und 2016 zwar von rund 1.700 Tonnen auf fast 750 Tonnen zurück gegangen. Entscheidend ist hier: Die Menge moderner Wirkstoffe, die sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin zum Einsatz gekommen, ist in diesem Zeitraum leicht gestiegen. Für Experten ist ein Beleg dafür, dass sich am Grundproblem des zu hohen Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung kaum etwas geändert hat.

Grüne: Kultur bei Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung ist keine andere geworden

"Die Funde sind erschreckend hoch, und es ist in den letzten Jahren zu keiner wesentlichen Besserung der Situation gekommen. Vor allem der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung muss drastisch reduziert werden. Die Kultur ist keine andere geworden", sagt Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer.

Fachtagung zum Thema

Mit dem Thema der Antibiotikaresistenzen beschäftigt sich heute in Berlin auch eine Fachtagung, an der unter anderem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe teilnehmen. Offizielles Ziel der Bundesregierung ist es, den Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin und in der Tierhaltung zu reduzieren, um die weitere Ausbreitung von Resistenzen zu vermeiden. "Schätzungen zufolge sterben jährlich rund 700.000 Menschen weltweit an den Folgen von Antibiotika-Resistenzen", so das Bundesgesundheitsministerium.


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Antonietta, Montag, 25.September, 06:57 Uhr

8. Klimakiller Nr. 1

Die Tierhaltung, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist einer der Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit: vom Klimawandel über die Rodung der Wälder, bis hin zur Ressourcenverschwendung und Trinkwasserproblematik. Wenn Ihnen etwas an unserem Planeten liegt, leben Sie vegan.

Wahlkampf, Mittwoch, 13.September, 16:06 Uhr

7. Wahlkampf-Flyer von Schmidt

Da läßt sich "Schmidtla" vor einen kleinen Außenstall mit ein paar relativ sauberen Schweinen, natürlich mit Stroh eingestreut, ablichten. Soll wohl Heimatverbundheit und heile Welt in Franken darstellen. Auf dem Flyer fehlen noch die fränkischen freilaufenden Hühner.....
Ach ja, und jetzt ist der "Befürworter" von Küken-schreddern und Massentierzucht wieder ganz erstaunt.
Vielleicht sollte er beim nächsten Wahlkampf statt Pflanzensamen mal eine Portion Massentierfleisch unters Volk schmeißen.

Gabriele Knab, Mittwoch, 13.September, 08:55 Uhr

6. Man ist was man isst

...egal ob kochen, schmoren, es stand immer ein Tier dahinter, welches schnell und billig groß werden musste.
Wir Verbraucher sollten unsere Macht nutzen! Es geht auch mit wenig und gutem Fleisch oder eben mit gar keinem

  • Antwort von wm, Mittwoch, 13.September, 10:24 Uhr


    Wer profitiert am meisten von der satten GUTE-Butterpreiserhöhung?
    Der Milcherzeuger?

  • Antwort von IH, Mittwoch, 13.September, 10:26 Uhr

    ... wieviel Ackerfläche bräuchte man, um alle Menschen vegetarisch vollwertig zu ernähren? Ich warte immer noch auf die Hochrechnungen. In kcal/Ackerfläche.

    Ein sehr viel besserer Denkansatz wäre, die Weltbevölkerung auf lange Sicht durch entsprechende Geburten/Sterbebilanz zu senken - grade weil wir immer älter werden, und mit unserer Gott sei Dank geringen Kindersterblichkeit, braucht heute keiner mehr mehr als 2 Kinder. Dann könnten alle einen guten Lebensstandard haben, und müssten sich nicht für ihre Essgewohnheiten von frustrierten Grünmenschen belämmern lassen - denn dann wäre es kein Problem, den Bedarf sinnvoll zu decken. Stattdessen fördern wir die Unvernunft der Leute noch, mehr Kinder zu bekommen, als sie ernähren können.

    Aber die Spendenplakate brauchen ja Motive, damit die Kirchen ordentlich was scheffeln können.

  • Antwort von Karl Napf, Mittwoch, 13.September, 14:13 Uhr

    Eine Studie hierzu wurde im Jul 2016 veröffentlicht. Die Hochrechnungen zeigen, zumindest für die in den USA zur Verfügung stehende Agrarfläche, dass eine vegetarische Ernährung die verfügbare Fläche am besten nutzt. Wobei nicht klar wird warum Dauerkulturen (perennial cropland) in der Berechnung des vom Menschen nutzbaren Land ausgenommen wurde. Mit Einbeziehung dieser Flächen würde sich das Bild nochmal deutlich in Richtung direktem Pflanzenverzehr verschieben. Was nicht weiter verwundert, da jegliche Produktion von tierischen Kalorien den Gesetzen der Thermodynamik unterworfen ist, und die Energiezufuhr ausschließlich durch Pflanzen erfolgt.

    Quelle: https://www.elementascience.org/articles/10.12952/journal.elementa.000116/

Oliver M., Mittwoch, 13.September, 08:44 Uhr

5. So eine Überraschung aber auch ...

Massentierhaltung auf engstem Raum - daraus resultierend schnelle Ausbreitung von Krankheiten - daraus resultierend prophylaktische Gabe von Antibiotika an die Tiere - daraus resultierend Antibiotika in der Nahrung, im Trinkwasser und somit auch im Mensch - daraus resultierend, weil permanent Antibiotika vorhanden, Bildung von resistenten Keimen in Tieren und Menschen. Und die Medizin? Ja die gibt auch munter prophylaktisch Antibiotika. Dazu kommt, dass die Pharmaindustrie der Kosteneinsparung wegen in Ländern produzieren lässt, wo man es mit der Klärung von Abwässern nicht so ernst nimmt. Antibiotika belastete Abwässer landen dort in mit Keimen verseuchten Kloaken - letztere werden dort schon resistent. War kürzlich ein Bericht dazu...

Diese Kette ist doch längst bekannt und trotzdem werden bspw. weiter Grossmastbetriebe gebaut. Ganz ehrlich, aber so ganz sauber sind wir nicht mehr im Oberstübchen und genau so schizophren wird unsere Zeit in die Geschichte eingehen...

  • Antwort von Der arme Otto, Mittwoch, 13.September, 09:43 Uhr

    Die Gier die Gier, wenn nur die Gier nicht wär.

IH, Mittwoch, 13.September, 08:37 Uhr

4.

Geflügel soll man also gut durchgaren. Gut, dass es Regierungsorgane gibt, um diese bahnbrechende Erkenntnis unters Volk zu bringen.

Wann kommt das offizielle Statement und die Warnung vom Umweltministerium, dass Wasser nass ist?

  • Antwort von Elisabeth, Mittwoch, 13.September, 09:16 Uhr

    Es geht nicht nur ums durchgaren was schon immer wichtig war , sondern um das viele Antibiotika in unserer Fleischindustrie .
    Das viele Antibiotika im Fleisch führt dazu das bei schweren Krankheiten kein Antibiotika mehr hilft, weil wir freiwillig und mit Fleischeslust schon zu viel zu uns genommen haben .

  • Antwort von IH, Mittwoch, 13.September, 09:58 Uhr

    Erstens mal heißt es "um die vielen Antibiotika". Und ein Keim, der durchs Durchgaren getötet wird, kann in mir nicht mehr resistent werden.

    Außerdem kommt das Problem mit den resistenten Keimen beim Menschen garantiert nicht durchs Fleisch, sondern durch Personal- und somit Hygienemangel in den Krankenhäusern. Meine Oma ist leider an einer MRSA-Infektion verstorben, die sie sich in der Klinik geholt hat.
    Das, was im Fleisch noch übrig ist - Abbauprodukte, und Spuren des Originalstoffs - das soll die Resistenzen beim Menschen auslösen? Lachhaft. Das haben wir uns schon selbst mit unseren eigenen Antibiotika-Behandlungen eingebrockt.

    Abgesehen davon, irgendwie funktioniert die natürliche Auslese halt immer. Die Natur findet immer einen Weg, sich dagegen zu wehren, dass der Mensch mit aller Gewalt versucht, sich unkontrolliert auszubreiten.