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Brandanschläge auf Bahn Polizei prüft politischen Hintergrund

Vermutlich politisch motiviert sind die Brandanschläge, die vergangene Nacht auf Signalanlagen der Deutschen Bahn verübt wurden. In knapp drei Wochen beginnt der G20 Gipfel in Hamburg. Polizei und Staatsschutz ermitteln. Es kam zu zahlreichen Verspätungen und Zugausfällen.

Stand: 20.06.2017

Auf einer Hinweistafel im Hauptbahnhof in Dresden (Sachsen) wird am 19.06.2017 auf Ausfälle und Verspätungen im Zugverkehr hingewiesen.  | Bild: dpa-Bildfunk/Arno Burgi

Dass es erheblichen Widerstand gegen den G20-Gipfel in Hamburg am 7. und 8. Juli geben würde, war vielfach angekündigt worden. Dass es bereits drei Wochen vor dem Treffen der Staats- und Regierungschef der 20 wichtigsten Staaten der Welt so massiv werden würde, überraschte dann doch. Eine regelrechte Serie von Brandanschlägen auf Bahnanlagen in der Nacht auf Montag zeigt wie verwundbar der öffentliche Personennah-und Fernverkehr ist.

Ein Dutzend Fälle

Insgesamt zwölf Fälle und zwei weitere Versuche, zählte die Bundespolizei deutschlandweit. Betroffen waren Berlin, Hamburg, Köln, Dortmund, Leipzig und Bad Bevensen in Niedersachsen. Auch in Bremen habe es eine mutmaßliche Brandstiftung gegeben, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Hannover.

Eingesetzt wurden laut Bundesinnenministerium Spreng- und Brandvorrichtungen. Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Landeskriminalämter wurde eingeschaltet. Im Vorfeld des G20-Gipfels hatten Linksextremisten wiederholt Aktionen und Anschläge angekündigt. Auf einem Internetportal der linken Szene wurde zudem ein Bekennerschreiben mit einem Verweis auf das G20-Treffen veröffentlicht. Die Polizei prüft aktuell dessen Echtheit. Aus Sicherheitskreisen hieß es jedoch, das mutmaßliche Bekennerschreiben passe ins "Raster".

Massive Beeinträchtigungen im Bahnverkehr

Infolge der Anschläge kam es zu Verzögerungen und Zugausfällen auf mehreren IC und ICE-Linien sowie im Regionalverkehr. Die Brände führten auf den Bahnverbindungen Hamburg-Lübeck, Köln-Dortmund sowie bei der Berliner S-Bahn und im Raum Leipzig/Dresden zu Ausfällen und Verspätungen. Auch der Verkehr über Dresden in Richtung Prag war betroffen.

Im Raum Leipzig wurden nach Angaben der Bundespolizei seit 2.40 Uhr am Montag Brandanschläge auf Kabelschächte und elektronische Stellwerke verübt. "In einigen Fällen konnten Brandvorrichtungen unschädlich gemacht werden, bevor sie Schaden anrichteten", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Am Berliner S-Bahnhof Treptower Park wurde vermutlich ein Feuer in einem Kabelschacht gelegt. In Hamburg gab es zwei Brände an Zuggleisen, im Stadtteil Eidelstedt und im Bereich Höltigbaum brannten Kabel neben den Gleisen. In Bremen brannte nach Angaben der örtlichen Polizei ein Kabelschacht auf dem Gelände des Güterverkehrszentrums.

Nicht zum ersten Mal

In der Vergangenheit hatten Linksextremisten bereits mehrfach Anschläge auf Signalkabel verübt, um den Zugverkehr zu stören. Im Mai 2011 war nach einem Feuerangriff auf eine Kabelbrücke am Berliner Bahnhof Ostkreuz ein großer Teil des Nahverkehrs zusammengebrochen. Die Polizei hielt damals ein im Internet verbreitetes Bekennerschreiben aus der linksautonomen Szene für authentisch. Demnach wollte eine Gruppe mit dem Namen Hekla mit der Aktion gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr protestieren.

Hinweise auf konkrete Tatverdächtige in den aktuellen Fällen gibt es noch nicht. Verletzt wurde zum Glück niemand.

  • BR-Autorin Roana Brogsitter | Bild: BR Roana Brogsitter

    Redakteurin und Autorin für "Das Tagesgespräch", "Neues vom Buchmarkt" und BR24


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