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Anschläge in der Türkei Regierung macht Kurden verantwortlich

Wieder hat es in der Türkei einen Anschlag gegeben - diesmal im Südosten des Landes. Sechs Menschen seien getötet worden, heißt es. Die Regierung macht militante Kurden verantwortlich - ebenso wie für das Attentat gestern in Ankara.

Stand: 18.02.2016

Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und ihr syrischer Ableger YPG: Sie stehen aus Sicht der Regierung hinter beiden Anschlägen. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte, ein YPG-Kämpfer aus Syrien habe den Anschlag in Ankara verübt, unterstützt von der "separatistischen Terrororganisation". Neun Menschen seien mittlerweile festgenommen worden.

Neuer Anschlag im Südosten des Landes

In der Provinz Diyarbarkir ist am Vormittag ein weiterer Anschlag verübt worden: Mindestens sechs Soldaten seien getötet worden, heißt es. Ziel war offenbar ein Militärkonvoi in der Ortschaft Lice. Sicherheitskräfte sehen auch hier die PKK als Drahtzieher.

Vereinte Nationen verurteilen Anschlag

Bei dem Anschlag gestern in der Hauptstadt gab es mindestens 28 Tote und mehr als 60 Verletzte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte dazu, er hoffe, dass die Verantwortlichen rasch zur Rechenschaft gezogen würden.

"In dieser tragischen Zeit stehen die Vereinten Nationen den Menschen und der Regierung in der Türkei solidarisch zur Seite."

UN-Generalsekretär Ban

Davutoglu sagt Reise nach Brüssel ab

Der Anschlag hat auch Einfluss auf den EU-Gipfel, der heute in Brüssel beginnt. Denn aus den Beratungen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu wird nichts: Er hat sein Kommen abgesagt mit der Begründung, er wolle am Tag nach dem Attentat in seiner Heimat bleiben. Vor allem für die Bundesregierung ist das eine schlechte Nachricht. Denn Kanzlerin Merkel setzt in der Flüchtlingskrise gerade fest auf die Zusammenarbeit zwischen EU und Türkei.

Merkel und Steinmeier reagieren entsetzt

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Bomben-Attentat in Ankara scharf verurteilt. Mit Entsetzen habe sie von dem Anschlag auf Fahrzeuge der türkischen Streitkräfte erfahren, hieß es in einer Erklärung gestern Abend. "Die Bundesregierung verurteilt diesen neuerlichen terroristischen Akt auf das Schärfste." Im Kampf gegen die Verantwortlichen für solche menschenverachtenden Taten stehe Deutschland an der Seite der Türkei.

"Dem türkischen Volk sage ich: Wir Deutsche teilen ihren Schmerz."

 Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, er sei erschüttert über die Nachricht, wonach erneut eine Explosion in der Türkei zahlreiche Menschenleben gekostet habe.

Die Anschläge häufen sich

Terror in der Türkei

Istanbul

Erst im Januar dieses Jahres hat es einen schweren Anschlag in Istanbul gegeben: Zehn Deutsche starben, als sich ein Selbstmordattentäter nahe der Blauen Moschee in die Luft sprengte. Die Blaue Moschee zählt zu den wichtigsten touristischen Attraktionen der Stadt. Ob das Attentat gezielt gegen Deutschland gerichtet war, ist bislang nicht geklärt.

Ankara

Im Oktober 2015 hat es schon einmal die türkische Hauptstadt getroffen: Vor Beginn einer prokurdischen Friedensdemo in Ankara sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Sie rissen mehr als hundert Menschen mit in den Tod. Es war der bislang folgenschwerste Anschlag in der Türkei. Die Behörden machten die Dschihadistenorganisation IS verantwortlich. Seither gilt in der Türkei auch die höchste Terrorwarnstufe.

Kurdengebiet

Im Südosten des Landes verüben PKK-Kämpfer immer wieder Anschläge auf türkische Sicherheitskräfte. Der Grund: Die türkische Armee geht dort mit aller Härte gegen die Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor.


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