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Rechte Gewalt in Bayern Mehr als 400 Angriffe auf Flüchtlinge

Flüchtlinge und Asylbewerber wurden in Bayern im vergangenen Jahr weit über 400-mal Opfer einer rechten Straftat – mehr als in jedem anderen Bundesland. Dazu kommen über 90 Angriffe auf Asylunterkünfte.

Von: Manuel Mohr (BR Data)

Stand: 01.03.2017

Ein Mitarbeiter der Spurensicherung geht am 07.02.2016 in das Haus der "Initiative Neugablonz" in Kaufbeuren (Schwaben). Ein Feuer in der geplanten Flüchtlingsunterkunft hat einen Schaden von mehreren Hunderttausend Euro verursacht. | Bild: Andreas Gebert/dpa

Volksverhetzung, Beleidigung, Körperverletzung: In Bayern wurden im vergangenen Jahr 447 Straftaten gegen Flüchtlinge und Asylbewerber registriert. Bayern weist damit die höchste Fallzahl aller Bundesländer auf. Mit einigem Abstand folgen Sachsen (284) und Baden-Württemberg (238).

Legt man diese Fallzahlen auf die Einwohner um – also Straftaten pro 100.000 Einwohner – liegt Bayern beim Ländervergleich dennoch hinter den neuen Bundesländern im Mittelfeld. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage im Bundestag hervor.

Zudem wurden nach vorläufigem Stand 91 Straftaten gegen Asylunterkünfte im Freistaat registriert. Das sind durchschnittlich rund acht pro Monat. Damit hat sich die Zahl seit 2014 fast vervierfacht:

Straftaten gegen Asylunterkünfte in Bayern

Deutschlandweit fast zehn Übergriffe pro Tag

In ganz Deutschland gab es im vergangenen Jahr über 2.500 Angriffe auf Asylbewerber und Flüchtlinge sowie knapp 1.000 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Ulla Jelpke, eine der Abgeordneten, die die Anfrage im Bundestag gestellt haben, sagt dazu:

"3.500 gemeldete Übergriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte zeigen deutlich – rassistische Gewalt gehört zum Alltag in Deutschland. Durchschnittlich sind es zehn gemeldete Übergriffe täglich, die eigentliche Zahl dürfte noch höher liegen, da viele aus Angst die Angriffe nicht melden. Muss es erst Tote geben, bevor die rechten Gewalttaten als ein zentrales Problem der inneren Sicherheit eingestuft werden und ganz oben auf der Agenda der Innenpolitik stehen?"

Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE

Die Bundesregierung bezieht in den vierteljährlich neu gestellten Bundestags-Anfragen seit einiger Zeit immer mit dem gleichen Wortlaut Stellung:

"Die Bundesregierung verurteilt Anschläge auf Asylbewerber und auf Einrichtungen, in denen Asylbewerber oder Flüchtlinge unterkommen, aufs Schärfste. Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind und in Deutschland Schutz suchen, können zu Recht erwarten, dass sie sicher untergebracht sind."

Vorbemerkung der Bundesregierung, Drucksache 18/11298

Die Fallzahlen des Jahres 2016 sind vorläufig und können sich durch Nacherfassungen noch ändern. Endgültige Zahlen werden voraussichtlich im Mai veröffentlicht.


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