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Agrarbericht für Bayern Heftige Gewinneinbrüche bei Landwirten

Der Preisverfall bei landwirtschaftlichen Produkten hält weiter an. Daher erwarten viele der 109.000 bayerischen Bauern massive Gewinneinbrüche. Doch die sind im Agrarbericht 2016, der im Landtagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft vorgestellt wurde, noch gar nicht enthalten.

Von: Rudolf Erhard

Stand: 19.10.2016

Traktor pflügt Feld | Bild: picture-alliance/dpa/Armin Weigel

Fast 380 Seiten hat der aktuelle Agrarbericht, mit einer Unmenge an Zahlen, Tabellen und Fakten ist er ausgestattet. Doch die für heuer zu erwartenden massiven Gewinneinbrüche bei bayerischen Bauern sind noch gar nicht enthalten.

Was sich im Agrarbericht für die letzten beiden Wirtschaftsjahre andeutete, wird wohl heuer noch heftiger. Konkret, es droht nach einem Gewinneinbruch von 19 Prozent für Bayerns Landwirte ein weiterer Verfall der Erzeugerpreise. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) berichtete dem Agrarauschuss des Landtags entsetzt über die aktuellen Getreidepreise.

"Der Doppelzentner für 13 Euro - wen wundert es da, wenn manche wieder darüber nachdenken, Getreide in Biogasanlagen zu tun."

Helmut Brunner

Bei Fleisch und Milch schaut es nicht viel besser aus. Leopold Herz, Landwirt und Freie Wähler-Abgeordneter, war zuletzt bei mehreren Discountern unterwegs und notierte deren Verkaufspreise von 49 Cent für einen Liter Frischmilch. Auf seine Beschwerde beim Bundeskartellamt bekam er von dort zu hören:

"Was wollen Sie denn?! 42 Cent ist ein korrekter Preis. Wenn der Landwirt seine 28 oder 22 Cent bekommt, haben wir eine Differenz. Also ist das in Ordnung."

Leopold Herz

Brunner gesteht Fehler bei Milchpolitik ein

Ja, bei der Milch habe die Politik nach dem Wegfall der Quotenregelung falsch reagiert, gab Landwirtschaftsminister Brunner zu. Als er dann bei den Molkereien wegen drohender Milchüberschüsse intervenieren wollte, hieß es: "Mischen Sie sich nicht ein, wir regeln das schon!"

"Was haben sie denn geregelt?! Nichts. Und damit haben wir erreicht, dass verschiedene Länder massiv an Menge aufrüsteten: Irland um 35 Prozent, Dänemark um über 20 Prozent, Holland mit über 19 Prozent und auch Polen und Deutschland lieferten bedeutend mehr Milch als vorher."

Helmut Brunner

Vier Prozent der Milchbetriebe gaben seit 2013 auf

Die Folge: Vier Prozent der Milchviehbetriebe in Bayern haben seit 2013 aufgegeben, weitere dürften heuer folgen. Schlechter schaut es mit sieben Prozent Rückgang nur noch bei den Ferkelbetrieben aus. Da müssten sie halt eine andere Politik machen und statt umstrittener Großbetriebe kleinere, unmweltverträgliche Schweinemastställe fördern, mahnte SPD-Agrarsprecher Horst Arnold.

"Landwirtschaft und Agrarpolitik brauchen die Akzeptanz der Gesellschaft. Deshalb sind wettbewerbsfähige, bäuerlich geprägte Familienbetriebe mit überschaubaren Tierzahlen unser Ziel."

Horst Arnold

Den Vorschlag von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), bei Obergrenzen von 1.500 für Schweine oder 15.000 für Legehennen bräuchte es zusätzlich lokale Genehmigungsverfahren, wollen aber CSU und Staatsregierung wegen dort drohender Bürgerproteste nicht mitmachen. Dabei warb Brunner auch bei der aktuellen Diskussion über den bayerischen Agrarbericht erneut dafür, dass die Landwirtschaft beim Verbraucher dafür werben sollte:

"Es ist in Ihrem Sinne, wenn Sie die Marke Bayern unterstützen, indem Sie regionale Produkte bevorzugt kaufen. Wir garantieren die Nähe, die Frische, die Vielfalt unserer Produkte mit kurzen Transportwegen."

Helmut Brunner

Zu viel Bioprodukte auf dem Markt

Weil immer mehr Bauern, auch Milchviehbetriebe, auf ökologische Landwirtschaft umsteigen, bringen manche Molkereien aber zum Beispiel das Plus an Biomilch gar nicht mehr los. Bei Fleisch, Gemüse und anderen Bioprodukten ist der Markt noch aufnahmefähig - und es komme noch viel zu viel aus dem Ausland nach Bayern, so CSU-Agrarexperte Martin Schöffel:

"Wir wollen nicht das Bioprodukt aus Osteuropa, Mexiko oder Nordafrika, sondern aus Bayern."

Martin Schöffel

Erfreuliche Tendenzen

Im bayerischen Agrarbericht 2016 gibt es auch erfreuliche Zahlen: der Zuwachs der Ökobetriebe, der Trend zukünftiger Bäuerinnen und Bauern zu qualifizierter Ausbildung und die Hoffnung, verbunden mit Brunners Zukunftshoffnung:

"Nicht die Hektarzahl, nicht die PS-Stärke, nicht die Zahl der Tiere im Stall entscheiden letztlich über die Zukunftsfähigkeit."

Helmut Brunner

Diese neuen Töne aus der Staatsregierung fand die Grünen-Abgeordnete und Biobäuerin Gisela Sengl höchst erfreulich:

"Sehr schön, dass sich das jetzt endlich durchgesetzt hat, für was die Grünen ja schon immer gekämpft haben."

Gisela Sengl


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