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Radikale Parteien AfD-Rektor in Schule – darf das sein?

Die Grund- und Mittelschule von Oberkotzau bei Hof war zuletzt deutschlandweit in den Medien. Unfreiwillig. Weil sie einen neuen Direktor bekommt – und der ist Vorstandsmitglied bei der Hofer AfD. Oje, muss das sein? Fragen sich seither so einige in Hof und Umgebung. Auch gestern Abend wieder.

Von: Lorenz Storch

Stand: 14.03.2017

Demonstration in Hof

Gestern Abend vor der Hofer Freiheitshalle: Das Bündnis "Hof ist bunt, nicht braun" demonstriert gegen eine Veranstaltung der AfD drinnen im Saal. Den meisten der 250 Hofer hier auf der Straße ist die Geschichte aus Oberkotzau ein Begriff: Dass dort ein AfD-Vorstandsmitglied Direktor der Grund- und Mittelschule wird. Darf so etwas sein? Eine Gruppe Schüler:

"Finde ich nicht, weil ich finde, dass das eine gewisse Vorbildfunktion ist, und wenn das dann jemand ist, der so einer Partei angehört, dann erfüllt er das nicht! - Ich finds auf keinen Fall vertretbar. Ich find's ein bisschen zwiespältig, wir haben ja freie Meinungsäußerung, die Frage ist halt, wie er es dann vertritt!"

Schüler auf der Hofer Demonstration gegen die AfD-Versammlung

Nanne Wienands, die die Demonstration gegen die AfD mit organisiert hat, sieht das so ähnlich:

"Es gibt ganz viele Schulen mit ganz vielen Rektoren und ganz viele davon sind in irgendeiner Partei. Es kommt darauf an, was er daraus macht. Was mir gut gefällt, ist, dass jetzt darüber diskutiert wird. Beide Schulen, die Münsterschule und die Oberkotzauer Schule sind 'Schule ohne Rassismus', und es kann ein durchaus stärkendes Moment sein, wenn man weiß, der Chef hat eigentlich eine andere Meinung."

Nanne Wienands, Organisatorin der Demonstration in Hof

Mit Russia Today spricht er - mit dem BR nicht

AfD-Versammlung in Hof

Nach drinnen, in die Freiheitshalle: Dort wartet AfD-Mann Gerd Kögler auf den Beginn des Vortrags - er ist der, um den es geht. Beisitzer im Kreisvorstand der Rechtspartei, und seit Jahrzehnten im Schuldienst. Dem Bayerischen Rundfunk will er kein Interview geben - mit Rücksicht auf seine neue Schule, sagt er. Mit dem Putin-Sender in Deutschland, Russia Today, hat er vor einigen Tagen gesprochen. Und darauf hingewiesen, dass er lange SPD-Mitglied war - ohne dass es ein Problem gewesen wäre:

"...finde ich es schon etwas nachdenkenswert, warum man jetzt ausgerechnet bei der AfD-Mitgliedschaft so einen Aufwand betreibt. Es gibt genügend Schulleiter, auch Lehrer, die Mitglied in anderen Parteien sind, wo diese Aufregung nicht gemacht wird."

Gerd Kögler, AfD

"AfD ist nicht rassistisch"

Einen Widerspruch seiner politischen Einstellung zum Prädikat "Schule ohne Rassismus", das sowohl seine alte Arbeitsstätte in Hof, als auch die neue in Oberkotzau tragen, sieht Kögler nicht: Weder er noch die AfD seien rassistisch.

"Wer mich kennt, weiß, ich war immer verfassungstreu."

Gerd Kögler, AfD

AfD-Kreisvorsitzender Michael Wüst, der gleich als Hauptredner in der Freiheitshalle einspringen muss, weil der prominente Gast aus Berlin im Stau stecken geblieben ist, lobt sogar:

"Dass der Herr Kögler von den Eltern und den Schülern sehr fair behandelt wird und auch von der Regierung von Oberfranken ihm keinerlei Steine in den Weg gelegt werden."

Michael Wüst, AfD-Kreisvorsitzender

Nichts zuschulden kommen lassen

Die Regierung von Oberfranken schreibt in einer Stellungnahme, sie hat den Rektor noch einmal darauf hingewiesen, dass er sich in der Schule selbst nicht politisch betätigen oder gar Wahlwerbung machen darf. Bisher hat er sich dergleichen nicht zuschulden kommen lassen, hört man aus seiner alten Schule. Bestätigt auch Nanne Wienands von "Hof ist bunt":

"Überhaupt nicht, und ich denke, davor wird er sich auch hüten."

Nanne Wienands Organisatorin der Demonstration in Hof

Diese Woche wird sich Gerd Kögler in seiner neuen Schule vorstellen - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Unter Beobachtung stehen wird er künftig trotzdem.


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