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Rechtsextreme Verschwörer Fiction für den "Volkswiderstand"

Sie mixen einen Verschwörungscocktail aus Rassismus und reiner Fiction. Ein rechtsextremes publizistisches Netzwerk füttert AfD und Pegida mit abstrusen Theorien. Stoff für den selbsternannten "Volkswiderstand" gegen "Lügenpresse", Gendermainstreaming und "Überfremdung".

Von: Susanne Betz

Stand: 30.01.2016 | Archiv

Heftcover von Compact | Bild: Jürgen P. Lang, BR

Aus allen möglichen "Instituten" und "Denkschulen", teilweise mit religiösem Background, werden die Theorien via Vorträgen, Publikationen und Internetforen in die Szene eingeträufelt. Gern lädt sich die AfD entsprechende Referenten ein. Beispiel: Felix Menzel, knapp 30, Politologe aus Chemnitz, smarter Nadelstreifenanzugträger liefert einen Verschwörungs-Cocktail aus Gendermainstreaming, Unterdrückung der ostdeutschen Bundesländer, US-Imperialismus bis hin zu "Ausländergewalt", die sich angeblich systematisch gegen Deutsche richtet.

Felix Menzel - Shootingstar der Salonrechten

Bei einem "thematischen Stammtisch" des AfD-Kreisverbandes Mittelsachsen vor zwei Jahren sagte er unter anderem, dass Beitrittskandidaten wie zuletzt Kroatien von der EU gezwungen würden, "Gendermainstreaming zu implementieren". Felix Menzel ist Herausgeber des neurechten Magazins "Blaue Narzisse" und ein Star unter den sogenannten Identitären und Salonrechten. Er steht auch hinter dem "Zentrum für Jugend, Identität und Kultur" im Dresdner Nobelviertel Weißer Hirsch. Bei Pegida-Demonstrationen nimmt regelmäßig ein identitärer Block aus ganz Deutschland teil.

Jürgen Elsässer - Großmeister der Verschwörungstheorien

Im März 2015 fand im westfälischen Witten ein "Alternativer Wissenskongress" statt. Seine Fortsetzung soll Ende Februar 2016 in Iserlohn folgen.

Jürgen Elsässer, Herausgeber des Magazins Compact, spricht am 23.11.13 in Schkeuditz (Sachsen) auf der Compact-Konferenz | Bild: picture-alliance/dpa, Sebastian Willnow zum Artikel Neue Rechte Im Netz der Verschwörer

Sie sind Putins Klickkolonne, basteln ihre eigene Lügenpresse und ein doppeltes Feindbild: den liberalen Westen und den Islam. Neurechte Verschwörungstheoretiker haben Konjunktur und schaffen dank des Internet bizarre Scheinwelten. Mitten im Netz zieht ausgerechnet ein Altlinker die Strippen: Jürgen Elsässer, für den NSU-Morde immer noch "Döner-Morde" sind. Von Jürgen P. Lang [mehr]

Im vergangenen Jahr war für alle Verschwörungsfans etwas dabei. Einer der Großmeister, Jürgen Elsässer, Chefredakteur der Zeitschrift "Compact", warb für die Pegida-Bewegung und bediente das Publikum mit den üblichen Verschwörungstheorien zu 9/11 und dem Absturz des Fluges MH17 über der Ukraine. Elsässer lobt immer wieder den Thüringer AfD-Vorsitzendem Björn Höcke, der seinerseits biologistisch-rassistische Fortpflanzungstheorien über Afrikaner unters Volk bringt. Traditionelle und ständische Vorstellungen gelten moralisch höherwertig als Liberalismus, Demokratie und Individualismus, wo angeblich Homosexualität und "Überfremdung" die homogene Gemeinschaft zersetzen.

Michael Vogt - Tweets aus Amerika

Michael Vogt, Gründer von Querdenken-TV und ebenfalls im Iserlohner Zirkel, thematisiert gern Ufo-Abstürze, behauptet, 94 Prozent der "Refugees Welcome to Germany" Tweets seien amerikanischen Ursprungs und damit ein Beweis, dass Washington die Migranten bewusst nach Deutschland schicke. In Iserlohn wird auch Eva Hermann, die ehemalige Tagesschau-Sprecherin, referieren: zu Gendermainstreaming. Die Gleichberechtigungsdebatte sieht sie als das größte "Umerziehungsprogramm der Menschheit". Die "Alternativen Wissenskongresse" organisieren übrigens AfD-Kreischefs.

Der Osten liegt rechts

Logo der "Blauen Narzisse"

Bemerkenswert ist die "Moskau-Connection" der Verschwörer, die erstmals in der neurechten "Blauen Narzisse" definiert wurde. Damit sind jene europäischen Vertreter der politischen Rechten gemeint, die sich ideologisch nach Osten orientieren und sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin solidarisieren.

Der "Blaue Narzisse"-Autor Robin Classen behauptete, die pro-russisch orientierten Parteien und Bewegungen würden von Moskau finanziell und ideologisch massiv unterstützt. Laut dem französischen Investigativ-Portal Mediapart bezieht der Front National von Putin derzeit einen Kredit über neun Millionen Euro. Brandenburgs AfD-Landeschef Alexander Gauland hatte schon öfters Verständnis für Putins Krim-Annexion geäußert.

  • Dr. Susanne Betz, Redakteurin in der Redaktion Politik und Hintergrund | Bild: BR/Susanne Betz Susanne Betz

    Redakteurin und Reporterin. Redaktion Politik und Hintergrund.


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Rainer Koob, Montag, 08.Februar, 21:50 Uhr

28. Sie sitzen ja wohlgenährt´im bequemen GEZ-Korb

Liebe Frau Betz,

ein Jürgen Elsässer hat in seinem Leben weit mehr Rückgrat bewiesen als viele der gleichgeschalteten Karriereisten in den nicht mehr zu unterscheidenden Parteien. Auch wenn es Ihnen schwerfällt: Die Begirffe links und rechts haben ausgedient. Vorbei. Es geht die Eliten gegen das Volk. Die gleichgeschalteten Parteien erfüllen ihren Auftrag nicht mehr - die politische Willensbildung. Das ist ihnen egal. Ein Beispiel: Ich erlebe gerade einen Kommunalwahlkampf der darin besteht rein garnichts zu tun außer Papier bedrucken, aufhängen und verteilen zu lassen. Aber ja keine Verantstaltung bei der der Bürger fragen oder gar kritisieren könnte. Warum wundern Sie sich da, wenn bei Jürgen Elsässer und dem Magazin Compact die Säle voll sind?

Gehen Sie doch bitte einmal objektiv an diese Tatsachen heran und versuchen dann einen kritischen Artikel beim BR zu platzieren. Sie ahnen vermutlich wie es enden würder? Also sitzen Sie lieber weiter wohlgenährt im bequemen GEZ-Korb.

Farnk, Montag, 08.Februar, 20:06 Uhr

27. Absolut Scheinheilig

Aktuelle Kamera 2.0. Wer der us-linientreuen, politisch korrekt gleichgeschalteten Meinung widerspricht,
obwohl selbst aus offiziellen Quellen (z. B. Stratfor, Wikipedia) vieles dafür spricht, werden Leute die sich widersetzen dämonisiert
und isoliert. das hat mit Jornalismus nichts mehr zu tun, sondern ist Gehirnwäsche. Die Öffentlichkeit wird für dumm
verkauft, wie bei den "Brutkästen" und Saddams Massenverichtungswaffen".

Arianus, Sonntag, 07.Februar, 10:32 Uhr

26. Mehrheit der Meinungen

Ich finde es bemerkenswert, dass die deutliche Mehrheit der Schreiber Artikel wie diese kritisch kommentiert, zuweilen sogar sehr kritisch. Gleiches beobachte ich in anderen Medien, z..'B. bei Leserbriefen der Printmedien oder z.B. in Antworten auf Panorama-Sendungen (dort gibt es mehr als 100 Antworten). Das sollte Ihnen, liebe Medienvertreter, eigentlich zu denken geben. Ich empfehle Ihnen auch, das Wort "angeblich" bei Kritik an der Seite, die Ihnen nicht passt, mal wegzulassen.

abdul moneto, Sonntag, 07.Februar, 08:15 Uhr

25.

die presse macht mit ihrer berichterstattung doch selbst ein bild von sich . wenn man nur eine meinung vertritt , aus welchen grund auch immer , ist das doch ein wenig seltsam . normalerweise gibt es doch immer mehr als eine meinung . kritiker rundweg als rechts zu bezeichnen ist auch nicht gerade eine demokratische lösung . die asyl-lobby , irgendwer verdient ja immer was daran , sollte also mal eine richtige diskusion suchen . den andersdenkenden zu verleumden machen ja auch die rechten . die presse hat von heute auf morgen für die flüchtlinge uneingeschränkt partei ergriffen . die türkei erpresst die eu praktisch um 5 miliarden euro.
gleichzeitig werden hierzulande moscheen gebaut und unterhalten , aber für flüchtlinge haben sie kein geld . bis vor kurzen war kein geld für lehrer, poliziten und wohnungsbau aufzutreiben ? jetzt ist von geld und schulden abbau keine rede mehr ! für das eigen volk war bis vor kurzen nur sparen angesagt ! warum ?

Christian Wiederwald, Montag, 01.Februar, 21:32 Uhr

24. oh je

man stochert ein wenig in der ultrarechten Szene und schon bellen die Klarnamenverweigerer von wegen größter Katastrophe seit dem 2. Weltkrieg. Ich kann nur empfehlen, ab und an einfach einmal nicht sofort jeden Nonsens der einem durch´s Hirn geht zu posten, sondern vielleicht einmal nachzudenken, wie "schlecht" es euch wirklich geht.
Ich hatte noch die Gelegenheit, vor vielen Jahren mit meinem Großvater zu reden, der zwei Weltkriege mitzuerleben hatte und mir Dinge erzählte, die schon gar nichts mit dem "Wahnsinn" von dem ihr Synonymkapazunder sprecht, zu tun hat. Aber das ist scheinbar das neue Jahrtausend. Wir müssen Frauen mit "sie" anreden, können nicht dreimal im Jahr und zweimal im Winter auf Urlaub fahren, zwei Autos und was weiß ich wieviel Elektronik im Haus stehen haben und schon geht die Welt unter. Oder ist das der neue Mann? Jammern statt arbeiten und versuchen, das Beste draus zu machen?
Freier Netzzugang muss nicht notwendigerweise etwas Gutes sein...

  • Antwort von NKatrin, Mittwoch, 03.Februar, 11:45 Uhr

    Danke! Endlich mal keine "Dramaqueen". Ich hör sonst immer nur: mimimi.