75

Die bayerische AfD Zwischen rechtsaußen und rechtschaffen

Hitler-Bilder und rassistische Postings in internen Chatgruppen, Wahlwerbung mit der Widerstandskämpferin Sophie Scholl und die Nähe zu Rechtsextremen - die AfD in Bayern hat in der Vergangenheit oft für Aufsehen gesorgt. Doch wer sind die Wähler und Sympathisanten der Partei?

Von: Jonas Miller

Stand: 24.07.2017

AfD-Plakat bei einer Kundgebung in München am 19.06.2017 | Bild: pa/dpa

"Was ich schon immer einmal fragen oder sagen wollte" lautet das Thema eines AfD-Infoabends in Nürnberg. Fünfzehn Sympathisanten und Funktionäre treffen sich in einer Gaststätte eines Kleingartenvereins im Nürnberger Süden. Mit dem BR will eigentlich niemand über die AfD sprechen. Nach einer kurzen Diskussion äußert sich ein AfD-Mitglied dann doch. Der Mann mittleren Alters im karierten Hemd findet, die AfD kümmere sich um Themen, die von anderen Parteien vernachlässigt werden:

"Es ist eine ganz normale Partei, die die Probleme einer gewissen Wählerschicht anspricht. Da geht’s um die Justiz, innere Sicherheit, die ungebremste Zuwanderung, Rentenprobleme, Kindergarten. Unsere deutschen Kinder bekommen keine Plätze mehr und dann das Euro Problem, Euro Politik, EU-Politik. Ist eine breite Palette finde ich."

AfD-Mitglied

Bürgerlich, rechtschaffen, demokratisch

Das finden auch die anderen anwesenden Sympathisanten. Die Anhänger der AfD geben sich bürgerlich, rechtschaffen und demokratisch. Für die Nürnberger Rechtsextremismus-Expertin und AfD-Kennerin Birgit Mair täuscht dieses Bild aber:

"Ich stelle fest, dass auch in Bayern die AfD immer weiter nach rechts rückt. Die AfD ist eine Partei die auch in Bayern zwei Hauptfeinde ausgemacht hat, das sind vor allem Geflüchtete und Muslime. Insbesondere in Bayern herrscht nach meiner Sicht eine extreme Islamfeindlichkeit vor und Muslimen sollen die im Grundgesetz verankerten Menschenrechte und Freiheiten der Religionsausübung wohl verwehrt werden in Zukunft."

Birgit Mair, Rechtsextremismus-Forscherin, Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung Nürnberg

Björn Höcke häufig Gast bei AfD Bayern

Der thüringische AfD-Politiker Björn Höcke ist der prominenteste Vertreter des rechten AfD-Flügels. Ihm werden rassistische und völkische Äußerungen vorgeworfen. In der Vergangenheit sprach er öfters auf Kundgebungen und Demonstrationen in Bayern. Für die Nürnberger Rechtsextremismus-Forscherin Birgit Mair kein Zufall:

"Nun, ich würde auch den bayerischen Landesverband als sehr völkisch und nationalistisch einordnen, immerhin war der Rechtsausleger Björn Höcke aus Thüringen sehr häufig als Redner hier in Bayern eingeladen und auch umgekehrt gab es Zusammenarbeit in Richtung Thüringen."

Birgit Mair, Rechtsextremismus-Forscherin, Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung Nürnberg

Moderater Interessensverband innerhalb der AfD

Auch bayerische Spitzenfunktionäre äußern sich gern rechts oder bezeichnen eine rechtsextreme Gruppe als AfD-Vorfeldorganisation. Doch nicht alle in der AfD wollen als rechtsradikal gelten. So gründete der bayerische AfD-Politiker Dirk Driesang vor zwei Wochen die "Alternative Mitte", einen Interessensverband innerhalb der AfD. Das Ziel: Eine moderate AfD, die sich klar vom rechtsextremen Gedankengut abgrenzt.

Bei einem AfD-Mitglied und seiner Frau, die sich in der Nürnberger Gaststätte zum Info-Abend getroffen haben, kommt der Interessensverband nicht gut an:

"Find' ich etwas unnötig. Linksextreme, Rechtsextreme in der AfD, das hat damit nichts zu tun. AfD Mitte - wir brauchen keine drei oder vier oder fünf Flügel in der Partei. Andere Parteien haben auch viele Flügel, aber keine vier oder fünf, also ich finde sie unnötig, diese Initiative."

AfD-Mitglied

In der bayerischen AfD wird also durchaus darüber diskutiert, wie rechts die Partei sich positionieren soll - aber viel Unterstützung scheint Dirk Driesang für seinen moderaten Kurs nicht zu bekommen – durchsetzen wird er sich langfristig wohl nicht.


75