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Werbe-Blocker Urteil gegen Adblock Plus fällt in München

Nervige Online-Werbung lässt sich mit dem Werbeblocker Adblock Plus einfach ausknipsen. Das ärgert Presse- und TV-Anbieter, denen Einnahmen entgehen. Heute fällt in München ein Urteil zu der umstrittenen Software.

Von: Florian Regensburger

Stand: 17.08.2017

Ob Videos, die automatisch mit lautem Ton zu laufen beginnen oder große Banner, die sich über den Text schieben, den man gerade liest: Mit der Software Adblock Plus, die sich mit ein paar Klicks als Zusatz zum Internetbrowser installieren lässt, schaltet Mancher lästige Werbung auf Internetseiten einfach aus. Den Betreibern werbefinanzierter Online-Angebote ist das ein Dorn im Auge, sie sehen durch den Adblocker ihre Haupteinnahmequelle in Gefahr.

Verbot und Schadenersatz gefordert

Denn mit den Einnahmen können etwa Presse-Webseiten oder TV-Sender kostenlose Texte oder Videos im Internet überhaupt erst anbieten. Deshalb haben Pro7Sat1, die Süddeutsche Zeitung und der Werbevermarkter IP-Deutschland den Kölner Adblock-Hersteller Eyeo verklagt. Sie fordern ein Verbot der Software und mehrere Millionen Euro Schadenersatz, allein im Fall der Süddeutschen Zeitung hat das Gericht den Streitwert auf 2,5 Millionen Euro beziffert.

Werbeanbieter können sich von Adblock Plus freikaufen

Vor allem stören sich die Kläger am sogenannten "Whitelisting": Dabei können sich Werbetreibende gegen Bezahlung in eine Liste von Anbietern aufnehmen lassen, deren Werbung Adblock Plus dann doch wieder zum Nutzer durchlässt. Die Unternehmen müssen sich mit einer Umsatzbeteiligung freikaufen, wenn ihr Werbevolumen eine bestimmte Grenze übersteigt.

Dennoch ging Eyeo aus einer Reihe von Prozessen verschiedener Medienhäuser gegen seinen Adblocker in den letzten Jahren meist als Sieger hervor.

Auch Nutzer stehen laut Gericht in der Verantwortung

Auch der Vorsitzende Richter am Münchner Oberlandesgericht hatte in einer ersten Verhandlung im März bereits durchblicken lassen, dass seiner Ansicht nach nicht Hersteller Eyeo, sondern die Nutzer von Adblock Plus in erster Linie für die Werbe-Blockade verantwortlich seien. Zudem nehme Eyeo keine marktbeherrschende Stellung ein, die Medienhäuser könnten zum Beispiel ihrerseits Adblocker blockieren, so wie es Springer bereits tut: Wer einen Werbeblocker installiert hat, bekommt etwa Bild.de einfach nicht mehr zu sehen.

Egal, wie das heutige Urteil am Oberlandesgericht München ausfällt, letztendlich wird der Fall wohl in Karlsruhe entschieden. Die klagenden Unternehmen haben bereits im Vorfeld erklärt, in jedem Fall bis vor den Bundesgerichtshof ziehen zu wollen.

Google will Werbeblocker in Chrome integrieren

Je nachdem, wann das sein wird, könnte das Thema dann noch in größere Dimensionen vorstoßen: Aller Voraussicht nach wird Google in einer der nächsten Versionen seines marktbeherrschenden Browsers Chrome ebenfalls einen Werbeblocker fest integrieren, der besonders aufdringliche Werbung aussperren soll. In einer Vorabversion von Chrome, die derzeit getestet wird, wurde der bereits gesichtet.


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Freedom, Freitag, 18.August, 22:48 Uhr

11. Transparenz und Freiwilligkeit wäre für mich ok

Soll heißen, wenn ich dargelegt bekomme, wer, welche Daten für welche Zwecke bekommen soll und dann darüber selbst entscheiden kann bestimmte "Services" nur gegen einen Werbeclip ansehen zur Verfügung bekomme, wäre ich damit einverstanden.

Dann kann jeder selbst entscheiden.

Allerdings will die Werbewirtschaft eben ziemlich viel wissen und möchte möglichst komplette Profile mit Wiedererkennung. Der Nutzer hat kaum Eingriffs- und Widerspruchsmöglichkeiten. Deshalb werden sich viele in die Totalverweigerung mittels Adblocker / Hosteditoren und anderer Filterverfahren begeben.
Es liegt auch an den "Dateninteressenten" sich transparenter zu verhalten.

Mancher Adresshändler macht mit diesen Methoden Geheimdiensten Konkurrenz ;-)

Yourkeau, Freitag, 18.August, 11:30 Uhr

10. Ohne Werbeblocker = Viren und Schadstoffsware

Ich habe probiert eine Zeite ohne Werbeblocker zu sufern: das stimmt, müsse die Seitenbetreiber irgendwie Geld verdienen.

Kurz nachdem tauchen hunderte "Sie haben ein iPhone gewonnen" Seiten ohne Zustimmung auf meinen Handy. Nein, danke! Sie garantieren mir keine Sicherheit, dann muss ich selbst kümmern. Ab jezt ohne Blocker kein Internet, sorry!

  • Antwort von Norman, Freitag, 18.August, 14:24 Uhr

    Auf was auch immer für Seiten Sie sich rumtreiben … so etwas ist mir in 20 Jahren Internet nicht passiert!
    Von Bekannten habe ich das auch schon manchmal gehört – das waren allerdings, was bei genauerem Nachfragen dann heraus kam, dann aber auch zu 99,9% Porno- oder Videostreaming-Seiten am Rande der Legalität …

Norbert, Donnerstag, 17.August, 17:37 Uhr

9. Wird aber nichts bringen

Das kostenlose Internet steht an einem Scheideweg. So wird es, wenn jegliche Einnahmequelle blockiert wird Informationen, Services und andere Dienste nur noch gegen Gebühr geben. Was bleibt sind Shops und Seiten die ohnehin nur Betrugsabsichten verfolgen. Aber was tun, AdBlocker verbieten ist der falsche weg. Eine Möglichkeit bietet die Betterads Allianz...Adsense macht es vor...mehr als 3 Werbeanzeigen auf Seiten verbieten...Popups und Layer raus. Text und nicht störende Imageads sollten kein Problem für den Nutzer sein.

TickTackTrack, Donnerstag, 17.August, 13:40 Uhr

8. Die Werbung alleine ist nicht das Problem

Dazu kommen die privatshäreverletzenden Trackingmethoden. Dem Nutzer muss es noch erlaubt sein zu bestimmen, von wem er sich ausspionieren lässt.
Datenschutz kommt ja bereits in vielen Bereichen zur Farce.

Manche Geräte und OS Anwendungen kommen auf eine Vielzahl von Berechtigungen, bei dem kein Mensch weiß, was mit den abgeschnorchelten Daten passiert.
Microsoft schreibt sogar süffisant "Ihre Daten sind uns wichtig" und erwähnt nur schemenhaft, welche "Drittanbieter" was und für welche Zwecke bekommen.
Bei Android und iOS kann man von vollkommenen Verlust der Datenhoheit sprechen.

Würden diese Funktionen von einer Polizei oder deutschem Geheimdienst benutzt, wäre es ein riesen Aufschrei. Aber letztlich hat der Nutzer die EULA (Enduser license agreements) akzeptiert. Klagen? Marktbeherrschung? Unlauterer Wettbewerb? Datenschutz? - Fehlanzeige. Im Zweifelsfalle wird dem Betreffenden die weitere Nutzung der Lizenzen entzogen.
Die Kopfnickuser freuen sich eben über jede App ;-)

Christian B., Donnerstag, 17.August, 12:40 Uhr

7. AdBlocker

Solange durch Werbebanner und ähnliches nicht nur Werbung sondern auch gezielt Schadsoftware verbreitet wird, muss es für Nutzer zulässig sein, Software zu benutzen mit der man Werbung und damit das Einschleusen der Schadsoftware unterdrücken kann. Das Geschäftsmodell einiger Tageszeitungen sieht ohnehin bereits kostenpflichtige Angebote für die digitale Ausgabe der Zeitung vor (u.a. bei der Süddeutschen Zeitung). Auf bild.de kann ich hingegen gut verzichten... Es hat also jeder die freie Auswahl, wo und wie er sich informiert. Die öffentlich-rechtlichen Anbieter möchte ich an diesr Stelle ganz vorsichtig an den gesetzlich verankerten Informationsauftrag erinnern, für den schließlich auch ein Stück vom Rundfunkbeitrag erhoben wird.