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25 Jahre Deutsche Einheit Vor neuen Herausforderungen

Die zentrale Feier zum Tag der Deutschen Einheit findet heuer in Frankfurt am Main statt. Bundespräsident Gauck machte in seiner Rede klar, dass er die Integration Hunderttausender Flüchtlinge für eine größere Herausforderung hält als die Wiedervereinigung.

Stand: 03.10.2015

Bundespräsident Joachim Gauck sagte: "Wie 1990 erwartet uns eine Herausforderung, die Generationen beschäftigen wird. Doch anders als damals soll nun zusammenwachsen, was bisher nicht zusammen gehörte." Die Aufgabe der inneren Einheit stelle sich damit neu, so Gauck. Auch damals habe es kein historisches Vorbild gegeben, trotzdem hätten Millionen Menschen die Aufgabe angenommen und bewältigt, sagte Gauck. Er rief Einheimische wie Zuwanderer in seiner Rede zur Achtung demokratischer Grundwerte auf.

"Gerade weil in Deutschland unterschiedliche Kulturen, Religionen und Lebensstile zuhause sind, gerade weil Deutschland immer mehr ein Land der Verschiedenen wird, braucht es die Rückbindung aller an unumstößliche Werte. Einen Kodex, der allgemein als gültig akzeptiert ist."

Bundespräsident Joachim Gauck.

"Hier ist die Würde des Menschen unantastbar. Hier hindern religiöse Bindungen und Prägungen die Menschen nicht daran, die Gesetze des säkularen Staates zu befolgen. Hier werden Errungenschaften wie die Gleichberechtigung der Frau oder homosexueller Menschen nicht infrage gestellt und die unveräußerlichen Rechte des Individuums nicht durch Kollektivnormen eingeschränkt - nicht die der Familie, nicht der Volksgruppe, nicht der Religionsgemeinschaft. Hier gewinnt der Satz 'Toleranz für Intoleranz wird es bei uns nicht geben' seine Basis."

Gauck geht auf die Ängste der Deutschen vor Flüchtlingen ein

Gauck äußerte auch Verständnis für Ängste in der Bevölkerung angesichts der wachsenden Flüchtlingszahlen. Es spüre wohl fast jeder, wie sich in die große Hilfsbereitschaft der Menschen auch Sorge schleiche, "wie das menschliche Bedürfnis, Bedrängten zu helfen, von der Angst vor der Größe der Aufgabe begleitet wird", sagte der Bundespräsident und wiederholte seinen Satz.

"Dies ist unser Dilemma: Wir wollen helfen. Unser Herz ist weit. Aber unsere Möglichkeiten sind endlich."

Bundespräsident Joachim Gauck

Anerkennung für die Bürgerrechtler der DDR

"Wir wären heute nicht hier, wenn Sie damals nicht aufgestanden wären." Mit diesen Worten hat Bundespräsident Gauck in seiner Rede erst einmal diejenigen gewürdigt, die sich damals als Bürgerrechtler in der DDR für die Freiheit und die Einheit Deutschlands stark gemacht haben. Gauck betonte, für ihn stehe die positive Bilanz im 25. Jahr der deutschen Freiheit außer Frage, auch wenn die Wirtschaftskraft und die Löhne nicht so schnell gewachsen seien, wie viele Ostdeutsche das gehofft hatten.

Bouffier würdigt Kohl

Volker Bouffier beim zentralen Festakt in Frankfurt

Zum Auftakt hatte Bundesratspräsident Volker Bouffier gesprochen. Er richtete einen besonderen Gruß an Altkanzler Helmut Kohl, der aus gesundheitlichen Gründen nicht beim Festakt dabei sein konnte. Bouffier würdigte dessen Verdienste als "Kanzler der Einheit". Ebenso wie Kohl musste auch der frühere sowjetische Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Michael Gorbatschow seine Teilnahme an den Feierlichkeiten absagen.

"Auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer bleibt es ein Wunder, dass diese Einheit ohne einen einzigen Schuss erzielt werden konnte."

Volker Bouffier beim Festakt

Störer im Bundesratszelt

Rund 50 Demonstranten haben beim Fest der Deutschen Einheit das Bundesratszelt gestürmt und damit die symbolische Übergabe der Bundesratspräsidentschaft verzögert. Die Gruppe warf mit Karteikarten und Papierschnipseln um sich. Sie verlangte ein Bleiberecht für Flüchtlinge und zeigte ein Transparent mit der Aufschrift "Nationalismus raus aus den Köpfen".

Auch der Bundestag gedenkt der Deutschen Einheit

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat gemahnt, die deutsche Einheit und das Zusammenwachsen Europas nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen.

"Glücklichere Zeiten gab es in Deutschland nie, aber wir alle sollten heute nicht für selbstverständlich halten, was wir jahrzehntelang für ausgeschlossen gehalten haben."

Bundestagspräsident Norbert Lammert

Zu dem Festakt des Bundestages kam auch Kanzlerin Angela Merkel. Sie hatte zuvor an der zentralen Einheitsfeier in Frankfurt teilgenommen. Lammert verwies darauf, dass inzwischen die erste Generation des wiedervereinigten Deutschlands herangewachsen ist.

"Und zum ersten Mal überhaupt in der deutschen Geschichte leben wir in Frieden mit allen unseren Nachbarn."

Bundestagspräsident Norbert Lammert

Deutschland sei Vorbild und Zufluchtsort für viele, und für manche sogar ein Sehnsuchtsland. Daraus sei eine besondere Verantwortung entstanden, der mit Selbstbewusstsein und Augenmaß Rechnung getragen werden sollte. Das Glück der Einheit sollte Ermutigung sein, neue Herausforderungen anzugehen, sagte Lammert.

Putin warnt vor "Entfremdung"

Auch der russische Präsident Wladimir Putin hat sich zum Tag der Deutschen Einheit an Berlin gewandt. In einem Glückwunschtelegramm betonte er, dass es in der "aktuellen komplizierten internationalen Situation sehr wichtig" sei, eine "gegenseitige Entfremdung" nicht zuzulassen. Damit spielte er offensichtlich auf die Konflikte in der Ukraine und in Syrien an, die er aber nicht direkt nannte.

"Die Vereinigung Deutschlands bedeutete vor einem Vierteljahrhundert das Ende des Kalten Krieges in Europa und hat ein neues Kapitel in der Geschichte der Beziehungen unserer Länder eröffnet."

Wladimir Putin in seinem Glückwunschtelegramm


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klardenker, Samstag, 03.Oktober, 20:28 Uhr

10. "Wir" können...immer große Sprüche klopfen!

Ich weiß eigentlich nicht, wofür sich Herr Gauck, Frau Merkel oder Herr Gabriel an diesem sog. Nationalfeiertag feiern lassen wollen...Sie haben im wesentlichen den Globalismus, Internationalismus im Bewusstsein, Deutschland als Identität, als souveräne, eigenständige Nation existiert im Grunde für diese Politiker nicht. Sie wollen den Nationalstaat BRD zugunsten einer zentralistischen EU abschaffen.
Sie wären besser zuhause geblieben, neben vielen anderen aus der derzeitigen Politikerkaste.
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Agnes, Samstag, 03.Oktober, 19:02 Uhr

9. Viel Gerede

viel Luft!

Walter Danielis, Samstag, 03.Oktober, 17:08 Uhr

8. Wiedervereinnigung und Asylantenschwemme

Die Wiedervereinigung war richtig und erfolgreich . Sie hat zusammengefügt was zusammmen gehört.

Die Asylpolitik ist verantwortungslos und wird scheitern. Europa wird sich an diesem Wahnsinn nicht beteiligen. Aussschließlich die deutsche Gesellschaft wird die Folgen tragen müssen.

Weshalb Deutschland für die Flüchtlingslager in Syren zuständig sein soll, kann niemand nachvollziehen.

Wir haben keine gemeinsamen Grenzen, wir haben dort keinen Krieg geführt, wir waren auch keine Kolonialmacht (das warwn Frankreich und England)

Barbara, Samstag, 03.Oktober, 13:37 Uhr

7. Tag der Deutschen Wieder-Vereinigung?

Wie sieht es mit der Wieder-Vereinigung der Christen aus?

  • Antwort von Katholik, Samstag, 03.Oktober, 16:29 Uhr

    Katholisch bleibt katholisch. Da gibt es nichts zu vereinigen.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 03.Oktober, 16:55 Uhr

    Danke für Ihre Antwort! Etwas anderes wollte ich auch nicht hören!

  • Antwort von rk, Samstag, 03.Oktober, 17:36 Uhr

    Ökumenische Gottesdienste.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 03.Oktober, 18:13 Uhr

    "Ökumene" kommt von dem griechischen Wort "oikos", das Haus, und bedeutet, daß alle, die sich "Christen" nennen, in einem gemeinsamen Haus zusammenleben können. Es heißt aber nicht, daß alle, die sich "Christen" nennen, auch wirklich Christen sind. Viele, die sich "Christen" nennen, halten nicht einmal die Gebote und sind eine Schande für die Christenheit. Jesus sagt: "Wer mich liebt, der hält die Gebote!"

Gerald, Samstag, 03.Oktober, 13:12 Uhr

6. Gauck und Merkel!

Die Festansprache sollte ein richtiger Bürgerrechtler der ehemaligen DDR halten und nicht Herr Gauck! Er war es nicht! Und zu Frau Merkel sage ich lieber nichts! Sie war laut Wikipedia nämlich Agitatorin in der FDJ für „Agitation und Propaganda“tätig gewesen! Noch Fragen?! Das Schlimme ist, daß unsere Politiker wieder sich selber feiern! Dies war schon am 07.10.1989 in der DDR so! Da feierten sich die DDR-Politiker auch ihren 40. Jahrestag der DDR selber!