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Maßnahmenpaket der bayerischen Regierung Mehr Geld für Geburtshilfe auf dem Land

Geburtshilfe auf dem Land wird auch in Bayern immer schwieriger. Werdende Mütter müssen oft weite Wege zurücklegen, weil Hebammen fehlen und Kreißsäle aus finanziellen Gründen schließen müssen. Die Staatsregierung verspricht jetzt mehr Geld.

Von: Peter Kveton und Birgit Gamböck

Stand: 21.11.2017

ARCHIV - Babys auf der Geburtsstation | Bild: dpa-Bildfunk/Waltraud Grubitzsch

Der bayerische Ministerrat will mit einem Maßnahmenpaket die Probleme der Geburtshilfe im ländlichen Raum lösen. Die Landkreise und kreisfreien Städte sollen dazu zusätzlich Geld bekommen, um stationäre Geburtshilfen sicherzustellen. Die Mittel sollen auch dazu dienen die Hebammenversorgung zu verbessern.

Mehr Geld pro Geburt

Ziel ist es, den werdenden Müttern auf dem Land lange Wege zu Ärzten und Hebammen zu verkürzen. Laut Staatskanzleiminister Marcel Huber (CSU) werden die pauschalen Zahlungen pro Geburt an die Kommunen erhöht. Bisher gibt es 300 Euro pro Geburt – nun soll ein mittlerer zweistelliger Betrag dazu kommen.

Defizitäre Geburtshilfestationen auf dem Land sollen auch direkt Finanzspritzen vom Staat erhalten. Staatliche Zuschüsse sollen dann fließen, wenn die Kommunen Defizite bei der Geburtshilfestationen ausgleichen müssten, erläuterte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Dies sei dann gegeben, wenn die Klinik mangels ausreichender Fallzahlen nicht kostendeckend wirtschaften könne. Der Kabinettsbeschluss muss noch durch den Landtag.

Hebammen unter Druck

In Bayern arbeiten weit mehr freiberufliche Hebammen in Geburtsstationen als Beleghebammen. Drastisch erhöhte Beiträge zu ihren Haftpflichtversicherungen brachten sie zuletzt finanziell unter Druck. Nach langem Streit zwischen Verbänden und Krankenkassen gab es im September einen Schiedsspruch. Der sieht vor, dass freie Hebammen zwar rückwirkend zum 15. Juli rund 17 Prozent mehr Geld bekommen. Sie dürfen aber in der Klinik künftig nur noch die gleichzeitige Betreuung von maximal zwei Schwangeren abrechnen.

Die Regelung "würde die Geburtshilfe in Bayern zusammenbrechen lassen", warnte kürzlich der Chef des Landkreistages, Christian Bernreiter (CSU) aus Deggendorf. Der Schiedsspruch sei für viele Hebammen nicht zufriedenstellend, räumte auch Ministerin Huml ein.

Nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands wurden seit 2015 in Bayern acht Kreißsäle geschlossen, zwei weitere vorübergehend. Hinzu kommen drei Kreißsäle, die von einer Schließung bedroht seien.

Über dieses Thema berichtete Bayern 3 am 21. November 2017 um 19.00 Uhr.


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