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Tod Was passiert nach dem Ende des Lebens?

Wenn in Deutschland jemand stirbt, muss er 96 Stunden später beerdigt oder verbrannt werden. Das sind nur vier Tage Zeit, in denen eine Menge passiert.

Von: Anja Mösing

Stand: 27.11.2017

Engelsfigur aus Stein auf dem Friedhof | Bild: picture-alliance/dpa

Ein Arzt muss her

Ist der Mensch zu Hause gestorben und nicht im Krankenhaus, muss ein Arzt gerufen werden, der den Toten untersucht. Der Arzt stellt fest, woran und wann der Mensch gestorben ist. Das alles schreibt er in die "Todesbescheinigung".

Der schönste Anzug – das beste Kleid

Früher war es ganz selbstverständlich, dass ein Toter noch bis zur Beerdigung zu Hause, wo er gestorben ist, bleiben durfte. Der Körper wurde gewaschen und danach wurden ihm seine besten Kleider angezogen. Er wurde auf einem großen Brett oder in seinem Bett zurecht gelegt, seine Hände gefaltet und die Augen geschlossen - aufgebahrt nennt man das. Um den Toten wurden einige Kerzen aufgestellt und sogar über Nacht wurde der Tote nicht alleine gelassen. Seine Kinder oder andere Verwandte und Nachbarn haben bei ihm gesessen – sie haben Totenwache gehalten. Dabei hatten sie viel Zeit, um sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass dieser Mensch nun nie mehr aufstehen und leben wird.

Bestatter von Beruf

Heute kümmern sich die Bestatter um die Toten. Sie holen ihn in einem speziellen Leichenwagen von zu Hause ab und machen ihn zurecht, bahren ihn auf und legen ihn in einem Sarg zurecht. In einem Verabschiedungsraum kann man sich – wie früher zu Hause – noch einmal vom Toten verabschieden.

Sarg oder Urne?

In Deutschland können sich die Hinterbliebenen entscheiden, ob sie den Verstorbenen in der Erde bestatten lassen wollen oder ob er verbrannt werden soll. Für eine Erdbestattung muss dann ein Sarg ausgesucht werden, in dem der Tote festlich angezogen in sein Grab versenkt wird. 

Viele Menschen lassen ihre Verstorbenen heute verbrennen: Feuerbestattung sagt man auch dazu. Das Verbrennen passiert in Spezialöfen in einem Krematorium. Dort wird die Asche des Toten in eine Urne gefüllt, die meist wie eine große Blumenvase mit Deckel aussieht. Die Urne wird dann entweder auf dem Friedhof in speziellen Regalen aufgestellt oder auch in ein Erdgrab gesetzt. Mit nach Hause nehmen darf man eine Urne in Deutschland nicht. 

Friedhöfe in Europa und anderswo

Weil die Menschen sich schon immer ein bisschen vor den Toten fürchteten, hat sich in Europa der Brauch entwickelt, die Verstorbenen auf einem ummauerten Feld zu beerdigen: dem Friedhof. Die Mauer sollte die Seelen der Toten davon abhalten, unter den Lebenden umherzuwandern. In Afrika ist das ganz anders. Dort gibt es Länder, in denen sich die Verwandten darum streiten, wo ein Toter beerdigt wird. Denn jeder will das Grab möglichst nah bei seinem Haus haben, damit auch der Tote immer ein bisschen da bleibt.

Ein langer Abschied - wohin mit der Trauer?

Für viele Leute ist der Friedhof der Ort, wohin sie mit ihrer Trauer gehen können – auch noch viele Jahre später. Sie bringen Blumen zum Grab, zünden dort Kerzen an und versuchen in ihren Gedanken dem geliebten Menschen wieder nahe zu sein – vielleicht sogar, mit ihm zu "reden". Wer trauert, braucht Hilfe. 

Der Tod ist endgültig

Alles, was lebt, muss eines Tages sterben: Pflanzen, Tiere und eben auch Menschen. Trotzdem ist es sehr schwierig, das einfach so hinzunehmen. Wenn ein geliebter Mensch nicht mehr da ist, fehlt unendlich viel. Und vielen fällt es ganz schwer, darüber zu reden. Der Tod macht ihnen Angst und er macht sie unsicher. Dabei steht ganz fest, zwei der besten Hilfsmittel gegen Angst und Unsicherheit sind: darüber reden und zuhören. Denn nur, wenn der Tod nicht totgeschwiegen wird, kann das Leben weiter gehen.

Der Leichenschmaus

Über einen Verstorbenen zu sprechen, ist wichtig, das wissen die Menschen schon lange. Deshalb ist es überall auf der Welt üblich, dem Toten zu Ehren ein Essen zu veranstalten. In Deutschland heißt dieses Festmahl Leichenschmaus. Es findet direkt nach der Beerdigung statt und oft werden dort sehr lustige Geschichten aus dem vergangenen Leben erzählt. Ein Leichenschmaus kann etwas richtig Gutes sein, meist ist er gar nicht traurig.


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