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Weltreligionen Ein Gott, mehrere Götter - oder gar keine

500 Religionen, 5.000 oder 50.000? Wie viele verschiedene Religionen es gibt, wissen nicht einmal Experten so genau. Das hängt nämlich sehr davon ab, was man unter "Religion" versteht.

Von: Katharina Mutz

Stand: 23.08.2017

Der Petersdom in Rom | Bild: picture-alliance/dpa

Was heißt überhaupt "Religion"?

Manche Wissenschaftler sagen: Religionen – das sind Geschichten über Götter, Geister, Heilige und andere Wesen. Außerdem vermitteln Religionen bestimmte Vorstellungen darüber, wie Menschen sich richtig verhalten und wie sie sich besser nicht verhalten sollen.

Solche Vorstellungen können sich natürlich schnell ändern – vor allem bei kleinen Glaubensgemeinschaften. Deshalb sagen manche Wissenschaftler: Jeden Tag entstehen neue Religionen und jeden Tag sterben alte Religionen aus. Wenn ein paar Menschen sich zusammentun und an etwas glauben, kann eine neue Religion entstehen. Wenn eine Handvoll Gläubige es aber zum Beispiel nicht schafft, ihre Überzeugungen an ihre Kinder und Kindeskinder weiterzugeben, dann kann eine Religion auch wieder verschwinden.

Die großen Religionen

Der Petersdom in Rom, die größte katholische Kirche.

Viele Religionen haben so wenige Anhänger, dass kaum jemand sie kennt. Es gibt aber auch große Religionen, die in der ganzen Welt verbreitet sind – die sogenannten Weltreligionen. Dazu zählen das Christentum, das Judentum, der Islam, der Buddhismus und der Hinduismus.

Religionen mit einem Gott

Das Christentum und der Islam sind beide aus dem Judentum entstanden. Deshalb kennen Christen und Muslime auch viele der Geschichten aus der Thora, dem heiligen Buch der Juden. Teilweise verehren Juden, Christen und Muslime auch dieselben Propheten – das sind Gesandte Gottes.

Felsendom und Al-Aksa-Moschee in Jerusalem.

Allerdings gibt es auch große Unterschiede zwischen den drei Religionen. Verschieden ist vor allem, wen Juden, Christen und Muslime am meisten verehren: Die Juden warten auf einen Messias, also jemanden, der sie errettet und erlöst. Auch die ersten Christen, die ursprünglich Juden waren, warteten auf einen Messias. Als sie dann Jesus kennenlernten, glaubten sie: Jesus ist der Messias.

Die blaue Moschee in Istanbul.

Viele Juden sahen das jedoch anders – so entwickelte sich das Christentum. Der Islam wiederum, der sechshundert Jahre nach dem Christentum entstanden ist, verehrt den Propheten Mohammed. Trotz dieser Unterschiede gibt es eine wichtige Gemeinsamkeit: Juden, Christen und Muslime glauben alle an nur einen Gott.

Religionen mit vielen Göttern

Das ist keineswegs selbstverständlich. Denn es gibt auch Religionen, bei denen die Menschen an ganz viele Götter glauben. Zum Beispiel Hindus, die vorwiegend in Indien, Nepal und auf Bali leben. Sie verehren etwa den Elefantengott Ganesha, den Affengott Hanuman oder den Schöpfergott Brahma.

Religionen ganz ohne Götter

Elefantengott Ganesha.

Es gibt aber auch Religionen ohne Gott – zum Beispiel den Buddhismus. Die Gläubigen verehren Buddha zwar als Erleuchteten, also als sehr weisen Menschen – er gilt aber nicht als Gott. In manchen Strömungen des Buddhismus gibt es zwar auch verschiedene Götter, sie haben aber nicht so einen großen Stellenwert, wie ihn beispielsweise der Gott im Christentum hat. Und dann gibt es natürlich noch Menschen, die einfach an gar keine Religion und keinen Gott glauben. Wissenschaftler nennen solche Menschen Atheisten.

Wieso gibt es so viele verschiedene Religionen?

Weil es so viele verschiedene Menschen gibt. Denn wie und wo wir leben, beeinflusst, wen wir verehren und wie wir uns unsere Götter, Geister oder Heiligen vorstellen. In manchen Gebieten der Erde leben Menschen in sehr kleinen Gemeinschaften zusammen – oft hat eine Großfamilie oder ein Dorf seine ganz eigene Religion. Klar, dass es deshalb auf der ganzen Welt ganz viele verschiedene Glaubensrichtungen gibt. Außerdem: Wenn alle an dasselbe glauben würden, wäre das vor allem eines – langweilig.


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