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radioMikro-Kinderbuch-Tipp Mein Bruder, die Neuen und ich (Martha Heesen)

Wie viele seid ihr in der Familie? Ganz allein – dann habt ihr eure Eltern also ganz für euch? Oder zu zweit, zu dritt, zu viert? Da muss man sich die Eltern dann schon teilen. Und jetzt stellt euch mal vor, es käme immer wieder mal noch ein neues Kind dazu ... Das Buch der niederländischen Autorin Martha Heesen handelt genau davon. Wir stellen es euch vor.

Von: Silke Wolfrum

Stand: 26.04.2017

Kinderbuchcover Mein Bruder, die Neuen und ich | Bild: Gerstenberg

Die Familie von Toon und Jan ist eine Pflegefamilie. Das bedeutet, dass bei ihnen oft Kinder wohnen, bei denen zu Hause irgendwas Schlimmes ist. Manchmal bleiben sie Monate, manchmal nur ein, zwei Tage. Jedes der sieben Kapitel des Buchs erzählt von einem neuen Pflegekind. Warum sie ihre eigene Familie verlassen müssen, erfährt man nicht. Alle sieben sind sehr unterschiedlich. Manche nerven fürchterlich, mit anderen freundet sich Toon, der Ich-Erzähler des Buchs, aber auch an.

Infos zum Buch:

Mein Bruder, die Neuen und ich
Von Martha Heesen
Illustrationen von Maja Bohn
Verlag: Gerstenberg
Ab neun Jahren

Die Tatsache, dass immer wieder neue Kinder in die Familie kommen, sorgt für ziemlich viel Zoff zwischen den Brüdern. Jan beschränkt sich darauf, bei jedem neuen Kind erst einmal abzuchecken, ob er der Stärkere ist. Jan ist nämlich eine Sportskanone und bei ihm geht es ganz viel ums Kräfte messen. Toon hingegen kümmert sich um die Neuen. Er versucht sie zu beschützen und vor Ärger zu bewahren. Das macht ihn sympathisch. Toon ist es auch, der viele Dinge von den Pflegekindern erfährt oder erahnt, von denen Jan keine Ahnung hat.

Die Erlebnisse mit den „Neuen“ sind immer spannend, manchmal leicht unheimlich und oft sehr witzig. Neben den kleinen Abenteuern an sich geht es immer auch um die Beziehungen der Kinder untereinander und die zwischen Kindern und Eltern. Es geht um Eifersucht, das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Einsamkeit. Es geht aber auch um Herzlichkeit, Mitgefühl und Humor.

So hat uns das Buch gefallen:

Die niederländische Autorin Martha Heesen hat schon jede Menge Preise für ihre Bücher gewonnen. In ihren Geschichten steckt sehr viel Wahrheit, die aber auf leisen Sohlen daher kommt, quasi zwischen den Zeilen. Oft erhält man nur Bruchstücke von Informationen, auf die man sich dann selbst einen Reim machen muss. Das macht den besonderen Reiz des Buches aus, kann aber Kinder enttäuschen, die keine offenen Fragen mögen. Martha Heesen macht es ihren Lesern eben nicht ganz leicht – aber das Leben in einer Pflegefamilie ist eben auch nicht ganz so einfach. Die Illustrationen im Buch sind von Maja Bohn – ihre kleinen, feinen Zeichnungen sind sehr witzig.



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