0

radioMikro-Kinderbuch-Tipp Martin Luther. Glaube versetzt Berge (Maja Nielsen)

Wie ein Abenteuerroman liest sich die Lebensgeschichte Martin Luthers als Erzählung von Maja Nielsen; man erfährt viel über die Person Martin Luther und über die Zeit, in der er lebte. Wie uns das Buch ansonsten gefallen hat, erfahrt ihr in unserem Buchtipp!

Von: Silke Wolfrum und Simone Wichert

Stand: 23.08.2017

Martin Luther. Glaube versetzt Berge (Maja Nielsen) | Bild: Gerstenberg

"Er wusste, es würde irgendwann passieren. Nur Ort und Zeitpunkt waren ihm unbekannt. Als bewaffnete Reiter zur nächtlichen Stunde aus dem Dickicht des Thüringer Waldes auf den Karren zupreschen, der ihn von Worms zurück nach Wittenberg bringen soll, fährt ihm dennoch ein gewaltiger Schreck in die Glieder. Die Angreifer fackeln nicht lange. Sie stülpen ihm einen Sack über den Kopf, treiben ihn vor sich her, weg von seinem Wagen, fort von seinen entsetzten Begleitern. Schon hat die Dunkelheit ihn und die Entführer verschluckt."

Maja Nielsen: Martin Luther. Glaube versetzt Berge.

Das ist kein Auszug aus einem Abenteuerroman, sondern ein Erlebnis Martin Luthers, das Maja Nielsen wie eine Abenteuergeschichte erzählt. Sollte der eine oder andere also denken: Luther? Was interessiert mich der olle Typ?, dann wird er mit diesem Buch geradezu dazu verführt, mehr über diesen ungewöhnlichen Mann wissen zu wollen und über die Zeit, in der er lebte. Denn Luthers Leben liest sich hier ungeheuer spannend. Kleine Details und Erläuterungen sorgen nebenbei dafür, dass man sich in die Zeit vor 500 Jahren hineinfühlen kann.

"An das Hungern hat Martin sich inzwischen gewöhnt. Was ihm weit mehr zusetzt, ist die Kälte des Klostergemäuers. Die gerade zwei mal zwei Meter großen Zellen sind unbeheizt. Im Winter gefriert das Wasser im Krug zu Eis. In seiner Zelle fühlt sich Martin zuweilen wie in einem Grab, viele Meter unter der Erde. Kein Laut darf aus der Mönchszelle nach außen dringen. Das kleinste Geräusch wäre eine schwere Sünde. Sogar die Gebete müssen in den Zellen schweigend verrichtet werden."

Maja Nielsen: Martin Luther. Glaube versetzt Berge.

Aber Maja Nielsens Buch ist keine reine Erzählung, auf jeder Seite finden sich Bilder: Mal ist die beschriebene Szene abgebildet, ganz oft sieht man aber auch Fotos oder Ausschnitte aus berühmten Gemälden der damaligen Zeit.

Infos zum Buch

Martin Luther. Glaube versetzt Berge
Von Maja Nielsen
Unter Mitwirkung von Dr. Margot Käßmann

Verlag: Gerstenberg 2016
Ab zehn Jahren

Das Buch gibt es auch als CD!

Neben den Info-Kästen gibt es außerdem auf fast jeder Seite kurze Kommentare der bekannten Theologin und Pfarrerin Margot Käßmann, einer Luther-Spezialistin.

Gut an dem Buch ist auch, dass Luther nicht nur als Held dargestellt wird. Luther fand es zum Beispiel richtig, dass viele arme Bauern, die sich gegen ihre Unterdrücker, die Fürsten, auflehnten, umgebracht wurden. Und er hetzte gegen Juden und rief dazu auf, sie zu vertreiben.

"Luther hat gesagt, in Glaubens- und Gewissensfragen ist jeder Mensch frei. Das war sein Grundsatz. Leider war er dann doch nicht so tolerant, das auch allen anderen zuzugestehen."

Margot Käßmann

So hat uns das Buch gefallen

Das BuchMartin Luther. Glaube versetzt Berge“ kann man in einem Zug durchlesen – es hat nur rund 60 Seiten – oder immer mal wieder durchblättern, wenn es in der Schule gerade um Begriffe wie „evangelisch“, „Reformation“ oder „Thesenanschlag“ gehen sollte. Und das könnte im Jahr 2017 – 500 Jahre, nachdem Luther seine 95 Thesen an die Wittenberger Kirchentür angeschlagen hat – ja leicht der Fall sein ...


0