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30.11.-1.12. Mawlid an-Nabi Geburtstag des Propheten Mohammed

Muslime in der ganzen Welt gedenken jährlich der Geburt des islamischen Propheten Mohammed. Wie es der Brauch will, wird Mawlid an-Nabi, die Feier anlässlich des Prophetengeburtstages, in der 12. Nacht des dritten Monats im islamischen Mondkalender begangen.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 04.04.2017

Geburtstage haben in der islamischen Welt nicht dieselbe Bedeutung wie in Europa. Der Geburtstag des Propheten Mohammed, der um das Jahr 570 nach christlicher Zeitrechnung in der arabischen Stadt Mekka das Licht der Welt erblickte, spielt dort dennoch eine wichtige Rolle, besonders im Volksglauben. Auch wenn die "Mawlid an-Nabi", türkisch "Mevlid kandili", die Nacht der Geburt Mohammeds, kein zentraler muslimischer Feiertag ist, wird sie doch in vielen muslimischen Ländern festlich begangen.

In der Türkei feiern die Gläubigen die Geburt Mohammeds bis zu einer Woche lang. Sie veranstalten Feuerwerke und Fackelzüge, verschenken Süßigkeiten und spenden Mahlzeiten für Arme. Die Moscheen sind mit Kerzen und Lichtern festlich bleleuchtet. Es werden Gebete und Gedichte zur Erinnerung an den Propheten gesprochen, und die Geistlichen erzählen aus Mohammeds Leben, im Gottesdienst und Fernsehen.

Kinder rezitieren während des Festes Verse, die zu seinen Ehren im Laufe der Jahrhunderte entstanden, etwa das "Mevlid-i Serif", ein mystisches Gedicht über die Geschichte der Geburt Mohammeds. Nach sunnitischer Überlieferung fällt sie auf die 12., nach schiitischer Überlieferung auf die 17. Nacht des dritten islamischen Monats "Rabi ul-avval". Der Dichter Yunus Emre schrieb im 13. Jahrhundert über diese Nacht: "Die Welt war ganz in Licht getaucht zur Nacht von Mohammeds Geburt." Für viele gläubige Muslime gilt sie als eine der fünf heiligen Nächte des Islam.

Ein umstrittenes Fest unter islamischen Rechtsgelehrten

Dennoch herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die islamische Religion keine Feierlichkeiten zum Geburtstag des Propheten vorschreibt oder auch nur empfiehlt. Zumal auch im Koran nirgendwo erwähnt wird, dass der Prophet selbst seinen Geburtstag gefeiert habe. Deshalb lehnen einige strenggläubige Muslime, etwa die Wahhabiten in Saudi Arabien oder die Deobandis in Pakistan, diese Festivitäten als eine unzulässige Neuerung ab, als "bida´a". Sie seien eine verbotene Vergötterung des Propheten, der lediglich die Aufgabe hatte, die Botschaft Gottes weiterzugeben, so die Argumentation ihrer orthodoxen Theologen. Außerdem fügen die Gegner der "Mawlid an Nabi" hinzu, dass die Feier eine Nachahmung des christlichen Weihnachtsfestes sei.

Tatsächlich gewann die Tradition, den Prophetengeburtstag zu feiern, in der islamischen Welt unter dem Einfluss der Sufis erst im späten Mittelalter an Bedeutung. Heute aber sind die Feierlichkeiten zum Geburtstag Mohammeds in fast allen islamischen Ländern ein wichtiger Bestandteil des religiösen und sozialen Lebens.


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