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Nöte des Erwachsenwerdens "Morris aus Amerika"

Morris ist 13, schwarz, dick und fremd in Heidelberg. Doch bevor er zum völligen Außenseiter wird, rettet ihn seine Leidenschaft für Rapp und Hipp-Hop. Chat Hartigans Film gewinnt nicht nur Kids und Rapper, sondern auch Erwachsene.

Stand: 30.10.2016

Szene aus "Morris aus Amerika" | Bild: Lichtblick Media

Rappen kann der 13-jährige Morris aus Amerika, rappen zu eigenen Texten, tanzen, Musik machen. Coole Musik. Das hat er gemeinsam mit seinem Dad, einem Footballspieler, der ein Team in Heidelberg trainiert. Er ist Witwer, schwarz und ging mit seinem Sohn in die schöne, aber ein wenig verschlafene, ein wenig spießige und zum Teil rassistische deutsche Universitätsstadt. Die beiden schwarzen Amerikaner bekommen ihr Anderssein zu spüren, vor allem Morris, der auch noch ein paar Pfunde zu viel hat, eine Zielscheibe übler Jugendspäße. Auch die Eltern der Jugendlichen, vor allem der Töchter sind nicht begeistert, wenn Morris auftaucht. Reden kann der verschlossene Junge eigentlich nur mit seiner Deutschlehrerin beim Vokabelüben.

Eigene Erfahrungen

Szene aus "Morris aus Amerika"

Regisseur und Drehbuchautor Chat Hartigan verarbeitet in seinem gefeierten Film "Morris aus Amerika" viele eigene Erfahrungen. Der Sohn eines Iren und einer Amerikanerin ist auf Zypern aufgewachsen und fühlte sich nie so ganz dazugehörig.

"Da ich in einem Land aufgewachsen bin, aus dem keines meiner beiden Eltern stammt, habe ich ein sehr ausgeprägtes Gefühl dafür, ob jemand dazu gehört oder nicht. In Zypern war ich zwar zu Hause, aber ich hatte keinen nationalen Bezug dazu. Es war einfach nur ein Ort, an dem ich aufwuchs."

Chat Hartigan, Regisseur

Szene aus "Morris aus Amerika"

Die Ausgrenzung des amerikanischen schwarzen Jungen in einer deutschen Universitätsstadt von heute mutet manchmal dennoch übertrieben an. Als Zuschauer ist man daher versucht, den Film vielleicht in eine frühere Zeit anzusiedeln, vor dem großen Zuzug der Migranten nach Deutschland und der täglichen Erfahrung der deutschen mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Doch der Regisseur widerspricht.

"Der Film spielt heute. Aber es gibt einige Elemente darin, die aus der Zeit stammen, als ich ein Teenager war. Zum Beispiel schreibt ihm das Mädchen, das ihn interessiert einen Brief, keine SMS. Solche Sachen aus meiner Jugendzeit wollte ich bewahren, aber es gibt i-phones und Computer darin wie heute. Dennoch haben Sie recht: Heidelberg ist sicher bunter, multikultureller als wir es im Film zeigen. Aber es gibt diese Orte in Deutschland, auch in den USA, in denen es so zugeht wie bei mir im Film."

Chat Hartigan, Regisseur

 Er übertreibe bewusst, fügt Chat Hardigan hinzu, ein sympathischer, sehr aufmerksamer Amerikaner Mitte 30. Er übertreibe, um den Plot, die Problematik zu verdeutlichen: Und das sei die Situation, in der schwarze Menschen leben, auch heute.

"Schwarz zu sein, in Amerika und auch in anderen Länder – das ist eine ganz, ganz andere Erfahrung als weiß zu sein. Manchmal sind wir versucht zu denken, dass sich das längst geändert hat, dass alles in Ordnung ist. Und es gibt viel Fortschritte, ja – aber auch viele kleine alltägliche Ausgrenzungen, die sich summieren, und es den Menschen schwer machen."

Chat Hartigan, Regisseur

"Alles was Menschen unterscheidet, drängt sie an den Rand"

Szene aus "Morris aus Amerika"

Morris und sein Dad müssen ohnehin eine nicht gerade einfache Phase familiären Zusammenlebens bewältigen. Einerseits sind sie in der fremden Umgebung umso mehr aufeinander angewiesen, auf die gegenseitige Vergewisserung und Unterstützung. Andererseits beginnt Morris, sich abzunabeln, orientiert sich an Gleichaltrigen, die in Heidelberg nun mal aus weißen, deutschen, nicht sehr offenen Familien kommen. Trotz seines Übergewichts schlägt aber gerade das hübscheste Mädchen der Schule eine Brücke zwischen dem schwarzen Außenseiter und den pubertierenden Aufschneidern. Auch sie rebelliert gegen die Konventionen ihrer Kinderwelt – und Morris ist darin etwas ganz Besonderes – ein gefährlicher Störenfried.

Chad Hartigan mit Hauptdarsteller Markees Christmas

Das Drehbuch, die story, hat Chat Hardigan selbst geschrieben und viele eigene Erfahrungen und Empfindungen darin hineingewoben. Kinder, Jugendliche, so meint er, reagierten überall ähnlich auf Menschen, die anders sind – egal in welcher Beziehung.

"Es ist nicht so, dass Kids Rassisten sind, aber sie sind angepasst. Und so machen sie sich über alles lustig, was Menschen von ihrer Gruppe unterscheidet. Manche der Jugendlichen sind angepasster als andere, aber das Phänomen ist überall auf der Welt gleich. Alles was Menschen unterscheidet, drängt sie an den Rand. Deshalb bin ich immer an Menschen interessiert, die nicht in an den Orten leben, aus denen sie stammen. Ich möchte sehen, was passiert, wenn sie gezwungen werden, sich in fremden Kulturen hineinzufinden."

Chat Hartigan, Regisseur

"Morris aus Amerika" kommt am 3. November 2016 in die Kinos.


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