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Emrah Serbes Generation Gezi-Park

In der Türkei ist Emrah Serbes ein Kult-Autor. Im Sommer 2013 mischte er aktiv bei den Gezi- Protesten mit und schrieb anschließend ein Buch darüber. Letzte Woche war er im Rahmen der Türkischen Filmtage zu Besuch in München.

Stand: 02.04.2017

Emrah Serbes | Bild: Vedat Arik

Bekannt geworden ist der 1981 im türksichen Yalova geborene Emrah Serbes als Autor der "Behzat C."-Romane, rund um den Istanbuler Kommissar gleichen Namens, die als Fernsehserie und fürs Kino verfilmt wurden. In seinem Roman "Deliduman" verarbeitet der Autor seine eigenen Erlebnisse des Sommers 2013 aus der Sicht eines 17-jährigen Teenagers, der eher zufällig in den Sog der Proteste rund um den Istanbuler Gezi-Park gerät. Sein Protagonist Caglar, der inmitten des Aufstands verzweifelt seine neunjährige Schwester sucht, ist dabei zum Inbegriff einer ganzen Generation geworden. Einer Generation, die außer Präsident Erdogans AKP-Regierung nichts kennt, die gegen das System aufbegehrt und Mitspracherecht fordert. Doch wo ist diese Generation geblieben in einer Zeit, in der immer mehr Rechte in der Türkei eingeschränkt werden?

Mehrere Anklagen

Buchcover "Deliduman" von Emrah Serbes

Viele schweigen aus Angst, da Präsident Erdogan gerade jetzt vor dem Referendum gegen jegliche Opposition mit rüden Methoden vorgeht. Emrah Serbes jedoch lässt sich den Mund nicht verbieten. Immer wieder wettert er in Interviews und auf Twitter gegen Staatschef Erdogan. Dies brachte ihm mehrere Anklagen ein, zuletzt im Sommer 2015, als die Staatsanwaltschaft zwölf Jahre Haft forderte. Angst hat der 36-Jährige nicht.

"Seit vier Jahren versuchen regierungsnahe Medien-Vertreter bei jeder Gelegenheit die Gezi-Proteste niederzumachen und jedes Mal werde ich dann als Befürworter des Aufstands, als Gezici bezeichnet. Die wollen mich damit beleidigen, aber ich empfinde das keineswegs als Beleidigung, sondern bin sehr stolz darauf."

Emrah Serbes

Emrah Serbes | Bild: BR, Roswitha Buchner

Emrah Serbes

Viele hofften vor vier Jahren, dass die Gezi-Proteste der Anfang vom Ende der AKP Regierung seien. Doch diese Hoffnung hat sich längst zerschlagen, denn der Präsident geht seit dem Volksaufstand mit aller Härte gegen Oppositionelle vor. In den Augen seiner Anhänger gibt ihm der Putschversuch im letzten Juli, recht. Mehr denn je sind sie von seiner Rhetorik überzeugt.

"Für das Referendum eine Einschätzung zu geben, ist erstens schwierig und zweitens auch gefährlich. Was ich weiß ist: Immer wenn die AKP eine Wahl verliert, passieren schlimme Dinge in der Türkei."

Emrah Serbes

Ein Sieg des Präsidenten könnte die Gezi-Generation aus ihrer Schockstarre reißen und sie zu neuen Protesten führen, sagt Emrah Serbes. Dass das Potential dazu vorhanden ist, haben die Aufstände im Sommer 2013 gezeigt.

"Die Gezi-Proteste waren für die AKP und Recep Tayyip Erdogan eine Ohrfeige ins Gesicht. Wie weh diese Ohrfeige getan hat, merkt man daran, dass sie seit vier Jahren darüber reden. Mein Buch soll ein Stück weit dazu beitragen, dass die Proteste auf keinen Fall vergessen und im Gedächtnis behalten werden."

Emrah Serbes


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