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Edz langt's mi'm Gschmarri Klaus Schamberger geht in den Ruhestand

Am 29. Dezember war es so weit: Mit dem letzten "Gschmarri zum Wochenende" verabschiedete sich Klaus Schamberger von Bayern 1. Wehmütig sagen wir dem "Nämbercher Original" Ade und blicken zurück auf mehr als 35 Jahre Zusammenarbeit.

Von: Rainer Aul

Stand: 29.12.2017 | Archiv

Für viele Bayern 1-Hörerinnen und -Hörer war es seit Jahren ein fester Termin: am Freitag gegen 12.50 Uhr – das "Gschmarri zum Wochenende" mit Klaus Schamberger. In seinem typischen Sprechstil ohne Punkt und Komma fährt er allem und jedem über's Maul, wie es nur ein echter Nürnberger kann.

Die Faszination am Alltäglichen, an den kleinen Problemen der großen Welt lässt ihn spitzzüngig beschreiben, was das Leben dem Franken und was der Franke dem Leben in den Weg legt. Prominenz, Bratwürste, Trends – der liebevolle Blick durch die Augen des Nürnbergers zeigt eine Welt voller wundersamer Verwicklungen und herrlich komischer Verstrickungen. Schamberger verarbeitet jede Woche ein Thema in drei bis vier Minuten Mundart-Radiokolumne.

Der Glubb is a Depp

Und fraali, der Schbodd. Sein Ausspruch "Der Club is a Depp", einst ohne viel Nachzudenken geschrieben, ist schon lange ein geflügeltes Wort. Der Schamberger derf des, ist er doch von Kindesbeinen an eingefleischter Clubfan, auch wenn er das Wort "Fan" nicht mag ("des kummt vo 'Fanatiker', und des simmer ned").

Er selbst erklärt es so: Mit einem guten Freund kann man offen reden, und wenn dieser groben Unfug macht, dann "is Depp des mindeste, was I såch". Der 1. FCN gehört für Schamberger zum Leben dazu. Sein Herz hängt dran, wenn auch nicht mehr so intensiv wie früher, sagt er.

"Irgendwann hams gsagt, du gehst doch sowieso jedes Wochenend ins Stadion, da kannst doch auch mal drüber schreim. Na ja, fraali kann ich des, und dann, des erste Mal, wo ich übern Club gschrieben hab, hab ich halt gschrieben, was ich mir dacht hab – und des war dann aber ned so gut. Weil am Montag ham sich a paar Clubspieler bei meim Chef dann bitter beschwert, was denn da auf einmal für ein Depp schreibt, der ja anscheinend von Duudn und Blasen und Fußballn überhaupt kei Ahnung hat."

Klaus Schamberger über seinen Wechsel vom Gerichts- zum Sportressort

Sportreporter war er natürlich auch, bei der Abendzeitung in Nürnberg, Gott hab sie selig. Dort begann für Schamberger die Karriere als Journalist, zunächst als Gerichtsreporter, später als Chefreporter und auch als Chefredakteur. "Er musste sich nicht verstellen, er war ein Paradebeispiel für fränkisches Understatement," erinnert sich sein langjähriger AZ-Kollege Andreas Radlmaier. "Er lebt den Zweckpessimismus in Reinstform."

Ungefähr so: Der Club verliert sowieso, das Dürerbild kriegen wir eh nicht, die Kneipe ist bestimmt voll und wenn nicht, dann ist des Essen mies. Also immer mal ein schlechtes Ende denken, einen Weltuntergang. Wenn's nicht eintritt, dann bassd's scho.

Berühmt wurde Schamberger aber vor allem als Glossenschreiber: "Der Spezi unterwegs" oder "Ich bitte um Milde" sind vielen Franken in Erinnerung. Auf unzähligen Bücherregalen nicht nur in der Region stehen Sammelbände seiner Glossen, manche Seiten leicht gewellt von Lachtränen. Daneben dichtet er, macht Bühnenprogramme, bringt CDs heraus, schreibt Bücher.

Wie'n der Schnabl g'wachsn is

Am 14. März 1942 wurde Schamberger in Nürnberg geboren, da steht die Altstadt noch. Er wächst in Mögeldorf auf und geht dort zur Schule. Auf der Straße und von der Oma lernt er sein Markenzeichen, den heimischen Dialekt: rustikal, aber ehrlich und gradnaus, Schamberger halt.

Natürlich kann er auch Hochdeutsch. Schließlich wollte er nach dem Abi eigentlich Deutsch- und Lateinlehrer werden. Aber die Mundart ist ihm doch die zweite Haut.

"Ich hab nern ja ned lernen müssen, ich bin auf der Strass groß worn, hab mer an Großteil von meiner Großmutter väterlicherseits abghört oder mir dort erworben. Die stammt aus der Tullnau, a Wirtstochter. Die hat an richtig angenehmen Dialekt gsprochen."

Klaus Schamberger über sein Idiom

Ernsthaft von Nürnberg fort wollte er nie, nicht mal als ihn der Stern anwerben wollte: "Ich wollt do bleim, wo ich mich auskenn, wo ich mich wohlfühl, wo ich dahamm bin." Bereut, sagt er, hat er das nie. Nur eines vielleicht: Nämlich dass er jahrelang "die Familie schon vernachlässigt" habe.

Zum Sprechunterricht kam's nicht

Klaus Schamberger 1989

1982 wirbt ihn erstmals der Bayerische Rundfunk an, für eine Gage von 200 Mark. Damals sollte Schamberger unbedingt Sprechunterricht bekommen, aber dazu kam es nie. Auch so erlangte er Bekanntheit als dialektgewandter Autor des "Gschmarri zum Wochenende", das seit mehr als 35 Jahren im BR zu hören ist. Zunächst donnerstags auf Bayern 2, dann freitags auf Bayern 1 in der Sendung "Treffpunkt Franken", später in "Mittags in Franken".

"Da bin ich dann die erste Wochn hin und nächste Woche wieder. In der dritten Woche ist mir nix eingfalln, dann bin ich auch nicht hin, woraufhin ich vom BR angerufen worden bin mit den Worten: 'Du, Freindla, wenn mir sogn jede Wochn, dann meiner mir auch jede Wochn!'"

Klaus Schamberger über seinen Start beim BR

Manuskript eines Gschmarris

Der Gschmarri-Tag beginnt der für Klaus Schamberger um 5.30 Uhr. Dann steht er in seinem Haus in Wendelstein südlich von Nürnberg, schaut etwa eine halbe Stunde aus dem Fenster und setzt sich dann hin und schreibt. Erst auf der Schreibmaschine, seit geraumer Zeit am Computer. Anschließend fährt er ins Studio Franken in der Wallensteinstraße, setzt sich dort ans Mikrofon und liest in seiner gewohnt schnoddrigen Art den Text fürs Gschmarri ein.

Da liest er, der Schamberger

Seit dem 29. Dezember ist das Vergangenheit, an diesem Tag war Klaus Schambergers letzte Glosse auf Bayern 1 zu hören. 35 Jahre lang jede Woche etwa dreieinhalb Minuten, das sind – Urlaube herausgerechnet – etwa 5.500 Minuten oder fast 92 Stunden Gschmarri.

In letzter Zeit war es ihm immer schwerer gefallen, so erzählt er selbst, jede Woche ein neues Thema zu finden, bei dem er nicht sofort das Gefühl hat, es früher schon behandelt zu haben.

Aus, Äbfl, Ende

Mehrmals hatte er bereits angekündigt, aufhören zu wollen. Drei Mal wurde er bereits mit einer Veranstaltung im Studio Franken verabschiedet, erinnert sich Bayern 1-Redakteur Stefan Straßer. Er hat trotzdem weitergemacht. Aber heuer, nach seinem 75. Geburtstag, sollte endgültig Schluss sein. Wir vom BR-Studio Franken sind traurig, aber vor allem dankbar. Und sicher, nicht das letzte Mal von Klaus Schamberger gehört zu haben.

"A scheens Wochenend', bis in achd Dooch widder."

Klaus Schambergers Absage im 'Gschmarri zum Wochenende'


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