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"Reichsbürger"-Prozess SEK nimmt Zeugen fest

Im sogenannten Reichsbürgerprozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth hat die Polizei am Nachmittag einen Zeugen vorläufig festgenommen, um ihn vorzuführen. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks gehört der Mann der "Reichsbürger"-Szene an.

Von: Inga Pflug/Andreas Ebert

Stand: 05.10.2017

Gunzenhausen (Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen): SEK-Einsatz um einen Zeugen zum "Reichsbürger"-Prozess zu bringen | Bild: News5

Der Mann wurde im Rahmen eines SEK-Einsatzes in Gunzenhausen (Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen) festgenommen. Dabei kam auch ein Hubschrauber zum Einsatz. Das Gericht hatte angeordnet, den Mann vorzuführen. Dieser war am Dienstag (04.10.17) nicht als Zeuge erschienen.

Der SEK-Einsatz wurde nach BR-Informationen angeordnet, da der Mann als sogenannter Reichsbürger womöglich Waffen besitzen könnte. Nach Angaben eines Gerichtssprechers soll der Mann noch heute als Zeuge in dem Prozess gegen Wolfgang P. aussagen.

Polizei verteidigt Einsatzplanung

Am Morgen (05.10.17) hat die stellvertretende Dienststellenleiterin der Polizeiinspektion in Roth als Zeugin vor dem Landgericht ausgesagt. Sie verteidigte den Zugriff im Haus des Angeklagten. Die Polizei habe nicht erwogen, den sogenannten Reichsbürger von Georgensgmünd bei einer anderen Gelegenheit festzunehmen oder ihm die Waffen abzunehmen, als in Form des SEK-Einsatzes in Georgensgmünd. Die Beamtin hatte das SEK zu dem Zugriff in Georgensgmünd hinzugezogen.

Vorwürfen der Verteidigung widersprochen

Das Risiko für außenstehende Personen wäre bei einem Zugriff im öffentlichen Raum viel zu groß gewesen, so die Zeugin. Da bekannt war, dass der Angeklagte Waffen besaß und sich Beamten gegenüber im Vorfeld unkooperativ gezeigt hatte, wäre die Durchführung auch unter anderen Umständen so ausgefallen. Die Beamtin widersprach damit den Vorwürfen der Verteidigung, die seit Prozessbeginn von einem schlecht geplanten Einsatz spricht und davon ausgeht, dass es unter anderen Umständen nicht zu den tödlichen Schüssen gekommen wäre.

32-jähriger Polizist stirbt

Der inzwischen 50-jährige Angeklagte muss sich unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes verantworten. Im Oktober 2016 hatten Polizisten des SEK das Wohnhaus des Angeklagten gestürmt, um seine Waffen zu beschlagnahmen, weil er bei den Behörden als nicht mehr zuverlässig galt. Wolfgang P. hatte eine schusssichere Weste getragen und sich schwer bewaffnet in seiner Wohnung verschanzt. Durch die teilverglaste Tür habe er dann elf Schüsse abgefeuert, so die Staatsanwaltschaft. Ein 32 Jahre alter Beamter war getroffen worden und einen Tag später im Krankenhaus gestorben. Zwei weitere Beamte waren beim Einsatz verletzt worden.


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