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Prozess gegen "Reichsbürger" SEK-Beamter spricht von "einem Kugelhagel"

Am zweiten Tag des Prozesses gegen den "Reichsbürger" von Georgensgmünd sind Polizisten vernommen worden. Sie hatten im vergangenen Oktober das Wohnhaus des Angeklagten gestürmt - und sprechen von "einem Kugelhagel", der sie erwartete.

Von: Andi Ebert

Stand: 30.08.2017

Angeklagter "Reichsbürger" von Georgensgmünd vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth | Bild: BR

Mindestens 24 Beamte seien beteiligt gewesen, als das Spezialeinsatzkommando (SEK) Nordbayern das Wohnhaus stürmte. Wie viele Polizisten es genau waren und andere Einzelheiten dürfen die Beamten aus einsatztaktischen Gründen nicht aussagen. Die Beamten seien am 19. Oktober gegen 6.00 Uhr in der Früh über den Keller, die Terrasse und die Haustür in das Gebäude vorgedrungen.

SEK-Beamter: "Es gab sofort Schüsse"

Ein Kollege, der direkt neben dem später angeschossenen und getöteten Beamten war, schilderte teilweise mit schwacher Stimme, was sich ereignet hatte. Demnach war das Team an der Haustüre sofort nach dem Betreten des Treppenhauses einem Kugelhagel ausgesetzt.

"Es gab sofort Schüsse, es war eine Chaosphase."

SEK-Beamter beim Prozess gegen Wolfgang P.

Daniel E., der bei dem Einsatz getötete Polizeibeamte, sei getroffen worden.

"Er wollte dann nach draußen, ich habe ihn gestützt und er ist später vor dem Haus zusammengebrochen."

SEK-Beamter beim Prozess gegen Wolfgang P.

"Ich bin getroffen", soll Daniel E., der damals 32-jährige SEK-Beamte, seinen Kollegen noch zugerufen haben.

Polizisten stützen die Anklage

Alle bisher vor Gericht aufgetretenen Polizeibeamten des SEK sagten aus, dass vor dem Haus ein Polizeiwagen stand, der das Blaulicht und Martinshorn angeschaltet hatte. Sie stützen damit die Anklage, in der die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass der Angeklagte gewusst haben muss, dass es sich um einen Polizeieinsatz gehandelt hat.

Interesse hat nachgelassen

Insgesamt wurden am zweiten Verhandlungstag sieben Zeugen gehört. Das Gericht wollte sich ein Bild machen, wie die Polizeibeamten den Einsatz erlebt hatten. Im Vergleich zum ersten Verhandlungstag war sowohl das Medien-, als auch das Zuschauerinteresse geringer. Viele Sitzplätze im Schwurgerichtssaal blieben leer.  

Angeklagter schweigt

Der Angeklagte Wolfgang P. hatte am ersten Prozesstag (29.08.17) von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht und sich nicht geäußert. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord und versuchten Mord in zwei Fällen sowie gefährliche Körperverletzung vor. Die Staatsanwaltschaft ist zudem überzeugt, dass der "Reichsbürger" möglichst viele Polizisten verletzen oder töten wollte.

32-jähriger Polizist stirbt

Im Oktober 2016 hatten Polizisten des SEK das Wohnhaus des Angeklagten gestürmt, um seine Waffen zu beschlagnahmen. Wolfgang P. hatte eine schusssichere Weste getragen und sich schwer bewaffnet in seiner Wohnung verschanzt. Durch die teilverglaste Tür habe er dann elf Schüsse abgefeuert, so die Staatsanwaltschaft. Ein 32 Jahre alter Beamter war getroffen worden und einen Tag später im Krankenhaus gestorben. Drei weitere Beamten waren beim Einsatz zum Teil schwer verletzt worden.


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