Franken


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Prozess gegen "Reichsbürger" Weitere SEK-Beamte befragt

Im Prozess um den "Reichsbürger" von Georgensgmünd hat das Gericht weitere Beamte des Spezialeinsatzkommandos gehört. Außerdem wurden von der Verteidigung zahlreiche Beweisanträge gestellt.

Von: Inga Pflug

Stand: 14.09.2017

Sogenannter Reichsbürger von Georgensgmünd in Nürnberg vor Gericht | Bild: BR-Studio Franken/Vera Held

Ein Beamter, der mit der Vorbereitung des Einsatzes betraut war, sagte aus, das SEK sei unter anderem dazu gezogen worden, da der Angeklagte Behördeninformationen zufolge das Haus kaum verließ und sich Behördenvertretern gegenüber zuvor unkooperativ und aggressiv gezeigt habe. Auch habe man im Vorfeld nicht ausschließen können, dass zum Zeitpunkt des Zugriffs auch andere Personen in dem Haus sein könnten. Deswegen habe man beim Eindringen das Überraschungsmoment nutzen wollen.

Details hinterfragt

Mit Schüssen durch die Wohnungstür habe man nicht gerechnet. Die Verteidigung hinterfragte auch heute Details des Zugriffs, etwa wann genau und wie lange das Martinshorn einschaltet und was zu welchem Zeitpunkt im Haus zu hören war.

Kritik am Einsatz

Die Anwälte des Angeklagten Wolfgang P. hatten den Polizeieinsatz schon im Vorfeld als schlecht geplant kritisiert und argumentiert, ihr Mandant sei von einem Überfall ausgegangen. Um die Darstellung der SEK-Beamten zu widerlegen, stellte Rechtsanwältin Susanne Koller am heutigen vierten Prozesstag zahlreiche Beweisanträge:

16 zusätzliche Zeugen

So sollen unter anderem weitere Nachbarn von Wolfgang P. gehört werden, die Koller zufolge kein Martinshorn während des Einsatzes gehört haben wollen. Andere Zeugen der Verteidigung sollen belegen, dass der Angeklagte regelmäßig das Haus verließ, um Selbstverteidigungskurse zu geben, Gewalt aber stets ablehnte. Insgesamt beantragte die Verteidigung, 16 zusätzliche Zeugen zu hören.

Kein Wort vom Angeklagten

Der Angeklagte selbst hielt während der Verhandlung immer wieder Rücksprache mit seinen Anwälten – selbst zu Wort gemeldet hat er sich jedoch nicht. Die ursprünglich für heute angekündigte Befragung einer Beamtin der Polizeiinspektion Roth, die den Einsatz geplant hatte, fand nicht statt. Sie soll voraussichtlich im Oktober gehört werden.

Mord und versuchter Mord

Das Verfahren gegen Wolfgang P. wird am kommenden Dienstag , den 19. September fortgesetzt. Der inzwischen 50-Jährige muss sich unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes verantworten.


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