Franken - Kultur


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Kirchweihspezialität Die rätselhafte Vogelsuppe

Die Kirchweih in der Hersbrucker Schweiz bietet ihren Gästen eine kulinarische Besonderheit: die Vogelsuppe. Dieses Gericht gibt es nur im Hersbrucker Land und nur am Donnerstag vor der örtlichenKirwa – ohne einen einzigen Vogel.

Stand: 09.08.2013 | Archiv

Vogelsuppe | Bild: Gasthof Vogel

Des Rätsels Lösung findet sich an der B14 in Pommelsbrunn im Gasthof Vogel. Die Wirtschaft ist seit 1921 in Familienbesitz. "Mein Großvater hat früher, wenn Großvieh geschlachtet wurde, Geschäftsleute eingeladen und eine Vogel-Suppe gemacht", erklärt Uli Vogel, Enkel und Besitzer der Wirtschaft heute. "In der Kirchweihzeit wurde dann mehr geschlachtet und nach und nach hat es sich dann als Tradition eingespielt, dass es eben vor der Kirchweih im Gasthof Vogel diese Suppe gab." Der Großvater war echter Geschäftsmann und wollte leicht verderbliche Innereien nach dem Schlachten möglichst schnell verwerten. Noch vor 20 Jahren, so Uli Vogel, war die Tradition auch nur im engsten Umkreis von Pommelsbrunn bekannt.

Vom Reste-Essen zur Tradition

Vogelsuppen-Menü-Folge

  • Leberknödelsuppe
  • Herz, Nieren und Rindfleisch in Streifen, mit Zwiebeln gebraten mit Soße und Knödeln
  • Rindfleisch aus dem Sud mit Meerrettich

Wirt Uli Vogel

Eigentlich besteht die Vogelsuppe aus mehreren Gerichten: einer Leberknödelsuppe, dem Sauren und dem gekochten Rindfleisch. Heute gibt es die Vogelsuppe in allerlei Variationen. Im Gasthaus Vogel natürlich nur nach Originalrezept und nur an der Kirchweih – dem Höhepunkt des Jahres. Ansonsten geht es eher ruhig zu, bis auf die Ausflügler am Wochenende. Da war früher wesentlich mehr los: "In den 1960er-Jahren bis Mitte der 70er-Jahre, bis die Autobahnen Nürnberg-Amberg und Nürnberg-Regensburg gebaut wurden, waren wir für Fernfahrer eine Topadresse." Wenn um zehn Uhr am Sonntag das Fahrverbot aufgehoben wurde, konnte man davon ausgehen, dass um halb elf die Wirtschaft voll war, erzählt Uli Vogel. Viele Fernfahrer haben in Pommelsbrunn ihre Arbeit begonnen, bevor sie dann in alle Teile Deutschlands gefahren sind.

Den Fernfahrern den Schlüssel runtergeworfen

Das gute Verhältnis zwischen Vater Hans Vogel und den Fernfahrern beruhte auf Gegenseitigkeit. So kommen auch heute noch immer wieder Fernfahrer, die von den alten Zeiten schwärmen. "Die wussten zum Beispiel, dass mein Vater nie vor ein Uhr zumacht, weil der sagte, wenn die schon zu mir her kommen, dann dürfen sie nicht vor verschlossener Tür stehen", erzählt Sohn Uli. Und wenn es mal drei oder vier geworden ist, haben sie Steine ans Schlafzimmerfenster geworfen. "Meine Mutter hat runter geschaut, wer's ist und hat die Schlüssel runter geworfen. Bis sie sich angezogen hatte sind die rein, haben den Ofen angeschürt und das Wasser für den Kaffee aufgesetzt. Dann haben sie eine Brotzeit bekommen und sind weiter gefahren."

Verbundenheit zur Region

Mit der Autobahn war von einem Tag zum anderen alles anders. Und während der Vater seine Fernfahrer als Stammkunden hatte und der Großvater seine Nürnberger Geschäftsfreunde, setzt Uli Vogel auf die Verbundenheit zur Region. Deshalb kommen nicht nur die Rezepte, sondern auch die Zutaten aus der Umgebung. Natürlich gilt das auch für das wohl wichtigste Gericht aus dieser Wirtsfamilie, die rätselhafte Vogelsuppe.

Vogelsuppe

Für ca. 4 Personen

300 g Rindernieren
300 g Schweinenieren
300 g Rinderherz
300 g Schweineherz
250 g Rinderschulter
Ca. 1 L Rinderbrühe
Schweineschmalz
Salz, Pfeffer, Essig
Etwas Mehl zum Binden

Vorbereitung

Die Rinder- und Schweineinnereien waschen, das innere der Nieren und das Fett entfernen und in feine Streifen schneiden. Die Rinderschulter in kleine Würfel schneiden.
Zwiebeln in Kleine Würfel schneiden.

Zubereitung

Die Zwiebeln in Schweineschmalz anschwitzen bis sie glasig sind. Anschließend die Herzen und Nieren dazu geben. Die entstehende Flüssigkeit einkochen lassen und die Innereinen anrösten und mit der Rinderbrühe ablöschen. In der Zwischenzeit das Rindfleisch ein einer Pfanne anbraten und der Suppe zugeben.
Mit Salz, Pfeffer und ein paar Tropfen Essig (er soll nicht hervorschmecken, sondern den Geschmack nur abrunden) abschmecken. Etwa eine Stunde leicht köcheln lassen. Das Mehl in Wasser verrühren und damit die Vogelsuppe ganz leicht abbinden

Wirtshäuser mit Vogelsuppe


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