Franken - Kultur


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Karfreitagsprozession Der Leidensweg Christi in Lohr am Main

Seit mehr als 400 Jahren ist es Tradition: Am Karfreitag zieht in Lohr am Main eine Prozession durch die Altstadt. Trotz kühlen und regnerischen Wetters säumten auch heuer wieder Tausende die Straßen und Gassen.

Stand: 25.03.2016 | Archiv

Rund 600 schwarz gekleidete Männer und Frauen trugen abwechselnd dreizehn lebensgroße Darstellungen des Leidens und Sterbens Christi durch die Altstadt. Der Zug endete an der Stadtkirche. In seinem Segen schlug Stadtpfarrer Sven Johannsen auch eine Brücke zu den Terroropfern von Brüssel und Istanbul.

Die Lohrer Karfreitagsprozession ist eine der letzten und größten ihrer Art in Deutschland. Ein beeindruckendes Schauspiel, das Tausende Gläubige ergriffen verfolgen.

Feierlicher Schweigemarsch

Der Kreuzweg - mit Blumen geschmückte Holzpodeste mit den religiösen Figuren darauf - gilt als die letzte vollständig erhaltene Figural-Prozession in Deutschland. In den etwa eineinhalb Stunden verzichten die Lohrer bewusst auf Gebete und Gesänge - nur rhythmische Paukenschläge und Trauerchoräle der Musikkapellen sind während der Prozession zu hören. Der Marsch ist ein Schweigemarsch, erst im Anschluss wird auf dem Kirchplatz gebetet und gesungen.

Tradition trotzt Verbot

Im 17. und 18. Jahrhundert war es noch vielerorts üblich, das Heilsgeschehen vom Sündenfall bis zur Auferstehung bei einer Prozession bildlich darzustellen. Ende des 18. Jahrhunderts wurden die barocken Bilderprozessionen jedoch verboten. Die Lohrer hielten trotzdem an ihrer Tradition fest. Heute hält nicht die Kirche, sondern die Bürgerschaft die Karfreitagsprozession ab.

Handwerker tragen Bildnisse

Die Handwerksinnungen sind jeweils für eine Station zuständig. So tragen zum Beispiel die Schuhmacher die Figur der Geißelung, die Wagner- und Schlosserinnung die Gefangennahme Jesu und die Metzger das Bild "Ecce Homo". Alle Figuren werden von den Männern der Handwerksfamilien getragen - mit einer Ausnahme: Die Pietà, die trauernde Muttergottes mit dem toten Jesus, übernehmen die Frauen.

Zeit zur inneren Einkehr

Die Karfreitagsprozession in Lohr wurde vermutlich von Kapuzinern oder Jesuiten zur Zeit der Gegenreformation eingeführt und 1658 erstmals urkundlich erwähnt. Die Lohrer sehen sie heute nicht als Volksaufzug, sondern wollen damit einen religiösen Brauch pflegen.


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Deinlein Christine, Freitag, 29.März, 10:23 Uhr

1.

Diese Prozession finde ich sehr beeindruckend und möchte sie einmal sehen, falls mein Mann sich mal Zeit nimmt.

  • Antwort von heidi, Sonntag, 29.März, 12:00 Uhr

    Am Karfreitag hat man doch Zeit..........auch ein fleißiger Mann sollte seiner Frau diesen Wunsch erfüllen.
    Frohe Ostern

  • Antwort von Christine, Samstag, 04.April, 16:20 Uhr

    Seit fünfzehn Jahren, 15!, flehe ich meinen Mann an das er mich mal dort hin lässt!
    Doch er hält diese Prozession für "Schmarn" wie er es sagt...

    Deshalb freue ich mich natürlich besonders wenn ich die Bilder im Internet sehen kann!

  • Antwort von Ehefrau, Samstag, 04.April, 22:00 Uhr

    Danke lieber BR.....
    Mein Mann scheint recht zu haben und meine Meinung zählt eben nicht!

    Trotzdem noch mal Danke für die Bilder!