Franken - Frankenkult(ur)

Brauchtum in Hof Vorfreude auf den Schlappentag

In Hof werden am kommenden Montag wieder die Filzschlappen ausgepackt – wenn die Stadt ihren "Nationalfeiertag" begeht. Ausgeschenkt wird ein extra gebrautes Schlappenbier. Ein kleiner Kreis durfte es bereits vorab probieren.

Stand: 24.05.2013
Schlappentag in Hof | Bild: BR-Studio Franken/Marco Schrage

Der Hofer Schlappentag ist eines der ältesten Handwerker- und Schützenfeste in Deutschland. Ab 6.00 Uhr morgens wird an diesem Tag das Schlappenbier ausgeschenkt – so will es die Tradition. Doch ein kleiner Kreis von Schützen, Handwerkern und Politikern durfte es am Donnerstagabend (23.05.13) schon mal verkosten.

Schlappenbier ist "ein Kulturgut"

Die Vorfreude auf den Schlappentag ist groß bei der Verkostung des Schlappenbiers.

Dabei ist das Schlappenbier nicht einfach irgendein Getränk, sondern ein Kulturgut, sagt Braumeister Günter Spindler von der Scherdelbrauerei. Es sei kein typisches Starkbier, nicht zu süß, aber auch nicht zu bitter. Das Hofer Bier der Biere wurde bereits im Februar eingebraut. Nach althergebrachtem Schlappenbier-Rezept haben die Braumeister der Scherdelbrauerei den Sud angesetzt. Nach mehreren Wochen in den Kesseln ist er nun zum berühmt-berüchtigten Schlappenbier gereift.

581. Schlappentag

Das Bier gehört zum Hofer "Nationafeiertag" wie die Filzschlappen, welche von der Stadt zuletzt sogar wieder maßgefertigt angeboten wurden, nachdem die Schlappenpflicht zuvor etwas lax gehandhabt wurde. Der Schlappentag wird am kommenden Montag (27.05.13) zum 581. Mal begangen. Die Handwerker und Schützen feiern traditionell mit einem großen Umzug. Damit erinnern sie alljährlich an einen Erlass von 1432, der sie einmal im Jahr zu Schießübungen verpflichtet.

Schlappe Aktion: Wo sind die Schlappen?

Wer in den vergangenen Jahren nach den berühmten Schlappen Ausschau hielt, wurde allerdings enttäuscht: Die wenigsten Teilnehmer erschienen noch in Pantoffeln. Schon vor einigen Jahren hatte sich der damalige Kultur-Bürgermeister Hans Pechstein darüber aufgeregt und auf die Einhaltung der Tradition gepocht. Doch vergebens: Die Schützen lehnten die Schlappen ab, da sie nicht zu ihrer Uniform passten. Nur vereinzelte Schornsteinfeger, Handwerker oder auch mal der Bürgermeister der benachbarten Stadt Selbitz, Klaus Adelt (SPD), erschienen im namensgebenden Schuhwerk - letzterer sogar in goldenen Pantoffeln.

Historische Niederlage mit Folgen

Die Hofer Tradition geht auf eine historische Niederlage im 15. Jahrhundert zurück: Während der Hussitenkriege (1419-1436) wurde die Stadt Hof am 25. Januar 1430 von tschechischen Truppen gestürmt und vollkommen verwüstet. In ihrer Not wandten sich die Hofer an den Markgrafen von Brandenburg. Er versprach ihnen Unterstützung, jedoch nur unter der Bedingung, dass sich die Bürger mit Handfeuerwaffen ausrüsten, um gegen künftige Angriffe gewappnet zu sein. Daraufhin wurde 1432 die Schützengilde gegründet, regelmäßige Schießübungen wurden zur Pflicht.

Ein Schlappenbier nach getaner Pflicht

Die verpflichteten Schützen kamen ihrer Pflicht meist erst am letztmöglichen Termin nach: So rannten sie genau eine Woche nach Pfingstmontag frühmorgens direkt von ihrer Werkstatt in Arbeitskleidung und den üblichen Holzschuhen – den Schlappen – zum Schießplatz. Zum Lohn wurden die Teilnehmer von der Steuer befreit und erhielten das Braurecht. Daraus entwickelte sich einige Jahre später ein Festzug mit Volksfest - der "Schlappentag" war geboren. Der Schützenkönig erhält heute zwar keine Steuerbefreiung mehr, dafür darf er aber ein Jahr lang kostenlos in Hof parken.

In guten wie in schlechten Zeiten  

Die Bürgerwehr wurde zwar bereits 1869 aufgelöst, doch die Tradition des Schlappentages blieb über die Jahrhunderte erhalten. Selbst in schwierigen Zeiten wie im Krieg oder während des Nationalsozialismus hielten die Hofer an ihrem Schlappentag fest. "Manchmal war es aber auch nur die Größe eines Stammtisches", erklärt der Oberschützenmeister der Privilegierten Scheiben-Schützen-Gesellschaft, Günter Hornfeck.


2

0 Kommentare

Bitte geben sie höchstens 2000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein: